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Körners Corner

05. Oktober 2016

Von Käfern und anderen hohen Tieren - mein Start in die Bayern-Saison

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

„Käfer im Audi Dome? Lecker!“  So dürfte die allgemeine Reaktion ausgefallen sein. Denn in der bayerischen Landeshauptstadt verbindet man mit „Käfer“ nicht etwa die mit 350.000 (!) Arten größte Ordnung an Insekten oder gar das Pkw-Modell eines Wolfsburger (!!) Autokonzerns, sondern hohe Gastronomie. Das erste Heimspiel des FC Bayern im Audi Dome brachte nicht nur neue kulinarische Eindrücke. Telekom Basketball Kommentator Michael Körner war bei der Heimpremiere dabei.

Heimspiel. Zum Audi Dome kann ich mit dem Bus fahren. Linie 63, Fahrzeit 12 Minuten. Der Audi Dome ist ein Hybrid. Er liegt eigentlich im Westpark, aber auch direkt an Münchens zentraler Hauptverkehrsader, dem Mittleren Ring. Er wurde, 1972 als olympische Basketballhalle erbaut, kurz danach in Rudi-Sedlmayer-Halle umbenannt. Das Veranstaltungshighlight in den darauf folgenden 40 Jahren definitiv der European Song Contest 1983. Es gewann Corinne Hermès mit Si la vie est cadeau. Deutschland wurde Fünfter.
 

Mittlerweile wurde einiges korrigiert. Ein bayerischer Autokonzern ist nun Namensgeber der Halle. Der Verein hat mindestens vier Millionen Euro in Renovierungsarbeiten investiert, um den 70er Jahre Muff zu beseitigen. Gelungen ist es teilweise, die grundlegenden Schwachstellen sind nicht zu beseitigen. Hybrid eben.

Nun also Käfer. Der Münchener Inbegriff für gehobene Gastronomie. Im VIP-Bereich wird ja schon seit Jahren nobel geschlemmt, jetzt soll auch das Fußvolk zumindest mit „Pizza aus dem Steinofen“ verwöhnt werden.

Letzten Freitag die Heimpremiere des FC Bayern München gegen s.Oliver Würzburg. Mein erster Kontrollblick ins Rund. Irgendwie alles wie immer. Aber ähnlich reagiere ich auch, wenn meine Frau mühsam die Wohnung mit Osterdeko gepimpt hat. Mein Kommentator-Platz ist jedenfalls wo er immer ist, so mittendrin. Es gibt Bessere (äh ja, genau da) und Schlechtere (Ulm).

Meine beiden größten Herausforderungen sind in jedem Fall nicht kulinarischer Art. Kleines Interview mit dem neuen Trainer, längeres Interview mit Uli Hoeneß.

Das Interview mit Saša Djordjevic wird eine Stunde vor dem Spiel aufgezeichnet. In meinem Kopf spielt sich eine Szene ab, die drei Tage vorher stattgefunden hat. Da lernte ich Djordjevic bei einem Medientraining kennen, wollte ihm vier, fünf Fragen stellen. Meine Einstiegsfrage war komplett Banane. Mein Fehler. Ohne auf die Details einzugehen, aber die Frage war zum gegenseitigen Kennenlernen einfach viel zu komplex. Er schaut mich an als hätte ich seine Silbermedaille verschluckt. Ich liege 0:1 hinten, gefühlt schaffe ich bis zum Ende noch den Ausgleich.

Nun also die zweite Runde mit dem Neuen.

Der Alte ist ja nicht mehr da. Svetislav Pesic habe ich zum ersten Mal am 04. Juli 1993 interviewt. Er war seit ca. zwei Stunden Basketball-Europameister, wir haben vermutlich beide keine Erinnerung mehr daran, wir waren damals einfach voller Glückseligkeit. Pesic senior ist ein Interview-Hybrid. Er mag Interviews eigentlich nicht, aber wenn man ihm eine Frage stellt, dann antwortet er sehr gerne. Und lang. Das kann anstrengend sein. Aber er trägt sein Herz auf der Zunge (ich mag dieses Bild sehr) und das ist wiederum auch ganz spannend.

Jetzt also Djordjevic.  Ich begrüße ihn freundlich. Er wartet darauf, dass ich ihm seine Silbermedaille zurückgebe. Erste Frage. Er beantwortet sie nicht, sondern erzählt mir etwas über den Gegner. Zweite Frage.  Ja, doch, mit der Antwort kann ich leben. Dritte Frage. „Alex Renfroe mit sechs Ballverlusten im ersten Spiel. Wie baut man den auf?“ „Ich hab ihm gesagt, er soll es nicht wieder tun.“

Mmmhh, okay. Die Unlust zu antworten in ein süffisantes Praliné verpackt. Hybrid. Ich bin nicht unglücklich. Das wird schon noch. Da schlummert doch ein kleiner Schalk, beim Svetislav Saša.

Mein Leiter der Sendung bestätigt mir, Hoeneß kommt zur Halbzeit. Das ist gut. Die Vorbereitung auf das Hoeneß-Interview hat mehr Zeit in Anspruch genommen als auf das eigentliche Spiel. 100 Fragen möchte man ihm stellen, am Ende werden es sieben oder acht. 15 Minuten Halbzeitpause. Von denen möchte Hoeneß zehn Minuten bei Gesprächen im VIP-Raum verbringen. Bleiben fünf Minuten. Und die Uhr läuft mit der Sirene zum Viertelende. Hoeneß steht nach drei Sekunden bereit. Doch ich sitze ja mittendrin, muss runter aufs Feld.

Das sieht dann so aus.

Angekommen. Erste Frage. Ausweichende Antwort. Ich schwitze. Es war ein langer Weg an den Spielfeldrand. Für einen kurzen Moment denke ich an Pizza aus dem Steinofen. Zweite Frage. Dritte. Vierte. Fünfte. Der Mediendirektor zieht an meinem Sakko. Hoeneß antwortet gut gelaunt, nach fünf Minuten und 40 Sekunden entlasse ich ihn in den VIP-Raum.
 

4814 | Interview Hoeneß


Ich habe Hunger. Die neuen Gastro-Stände sind gut besucht. Zum Bezahlen braucht man allerdings eine Audi Dome-Geldkarte. Hab ich nicht. Ich habe aber vier von der Ulmer ratiopharm Arena. Man kommt einfach nicht dazu, die Dinger zurückzugeben. Zwei Entwicklungen sehne ich herbei: Bezahlen mit dem Handy und das selbstfahrende Auto.

Das Spiel fliegt vorbei, Maxi Kleber steht zum Interview bereit, er ist der „Man of the match“. Ein Glücksfall. Maxi Kleber ist der freundlichste Mensch der Welt. Er darf sogar Scarlett Johansson heiraten. Ich gönne es ihm. Er beantwortet alle meine Fragen und schaut dabei so glücklich, als wäre es sein Highlight des Tages. Ich hänge ihm eine Silbermedaille um den Hals, die ich in meiner Tasche gefunden hatte.

Auf der Heimfahrt hole ich mir an der Tankstelle ein abgepacktes Sandwich. Ich habe Glück, es gibt noch eins mit Hühnchen und Teriyaki Paste. Und es ist sogar noch bis morgen haltbar.