easyCredit BBL Turkish Airlines EuroCup NBA

BBL-Samstag

08. Oktober 2016

Die Bayern gewinnen jetzt auch ihre schlechten Spiele

Von Christopher Meltzer

In der letzten Saison war ihnen das nicht immer gelungen. Trainer Sasa Djordjevic ist dabei, die Bayern wieder zu einer sehr guten Mannschaft zu machen. Außerdem: Ulms Offensive ist besser als Bambergs. Das sagen zumindest die Zahlen. Alles Wichtige zu den Samstagsspielen des vierten Spieltags in der Übersicht.


RATIOPHARM ULM VS EISBÄREN BREMERHAVEN96:83 (49:27)
Top-Scorer: Raymar Morgan (20) – Quincy Diggs (19)
Top-Rebounder: Chris Babb (9)  – Ivan Elliott (9)
Top-Assistgeber: Braydon Hobbs (7) – Evan Smotryc (5)

ALBA BERLIN VS FRAPORT SKYLINERS70:78 (29:31)
Top-Scorer: Elmedin Kikanovic, Dragan Milosavljevic (13) – Antonio Graves (22)
Top-Rebounder: Dominique Johnson (6)  – Mahir Agva (10)
Top-Assistgeber: Peyton Siva (6) – Graves, Quantez Robertson (7)

GIESSEN 46ERS VS FC BAYERN MÜNCHEN – 68:72 (40:33)
Top-Scorer:
 Justin Sears (13) – Anton Gavel, Maxi Kleber (12)
Top-Rebounder: Dwayne Evans (6)  – Bryce Taylor, Kleber (5)
Top-Assistgeber: Skyler Bowlin, Thomas Scrubb (3) – Gavel (6)

RASTA VECHTA VS PHOENIX HAGEN – 98:96 (51:52)
Top-Scorer:
 Christian Standhardinger (21) – David Bell (27)
Top-Rebounder: Derrick Allen (8)  – Trent Plaisted (12)
Top-Assistgeber: Scott Machado (16) – David Godbold, Plaisted (5)


Die Fans in Berlin und Ulm gehören zu den verwöhnteren der Liga. Die Pfingstferien halten sie sich stets frei, weil ihre Vereine eigentlich immer in die Playoffs einziehen. So manch ein Berliner dürfte dieser Tage aber neidisch nach Ulm blicken. Dort sind Heimspiele in der noch jungen Saison ein Spektakel. 105 Punkte tischten die Ulmer Basketballer ihren Anhängern im Heimauftakt gegen Oldenburg auf. Jetzt folgten 96 gegen Bremerhaven. In Ulm steigt gerade die größte Basketballsause der Liga. Von einem Ulmer lässt sich ein Berliner in Sachen Feiern eigentlich nichts vormachen. Doch in der Hauptstadt fehlt derzeit der Anlass für Party. Auch das zweite Heimspiel hat Alba verloren. Nach der Niederlage gegen durchschnittliche Frankfurter ertönten aus dem Publikum die ersten Pfiffe.

Pfiffe gab es in Gießen keine. Dabei hatten die 46ers ihr Heimspiel erst in den finalen Minuten aus der Hand gaben. Weil das aber gegen den FC Bayern passierte, klatschten die Fans ihnen aufmunternd zu. Einen solchen Zuspruch hätten auch die Spieler von Phoenix Hagen vertragen können. Sie warten weiter auf den ersten Sieg. Auch gegen die Aufsteiger aus Vechta haben sie verloren. Das dürfte auch die Fans in Hagen beunruhigen. In Vechta atmen die Basketballbegeisterten vorerst auf. Endlich hat es geklappt mit dem ersten BBL-Erfolg. Die Sorgen der Berliner hätten aber beide Fanlager gerne.


Die Bayern gewinnen jetzt auch ihre schlechten Spiele. Dass Gießen ihnen überhaupt so lange zusetzen konnte, lag natürlich an den Münchnern selbst. Sie leisteten sich gleich 18 Ballverluste. Das Spiel offenbarte, warum die Bayern-Bosse unbedingt noch einen Spielmacher wollen. Alex Renfroe hat in vier Spielen zwölf Ballverluste produziert, aber nur acht Vorlagen gegeben.

Es mag komisch klingen, aber das fahrige Gießen-Spiel spricht auch für die Bayern. Sie wirken sehr gefestigt, zudem angenehm entspannt. Auch die schlechten Spiele zu gewinnen unterscheidet gute von sehr guten Mannschaften. Trainer Sasa Djordjevic ist dabei, die Bayern wieder in eine sehr gute Mannschaft zu verwandeln. Der Kader scheint dafür bereit. Maxi Kleber überragt. Nicht wenige nennen ihn den „Early-Season-MVP“. Auch Reggie Redding gefällt. Die Bayern werden noch besser werden. In Bamberg beobachten sie das ganz genau.  


Wenn Ulm angreift, schwingt in diesen Tagen etwas Poetisches mit. So schön bringen sie den Basketball im Korb unter. Der Ulmer Angriffsbasketball überzeugt allerdings nicht nur optisch, sondern auch statistisch. Der Blogger Ingo Levin jongliert mit Zahlen, die über den gewöhnlichen Statistikbogen hinausgehen. Er hat für die ersten drei Spieltage die Punktausbeute der BBL-Klubs pro 100 Ballbesitzen veröffentlicht. Offensivrating nennen die Amerikaner das.

Die Formel spuckt aus: Ulm erzielt auf 100 Ballbesitze hochgerechnet mehr als 130 Punkte. Ein unfassbarer Wert. Da kommt selbst der Meister aus Bamberg nicht hinterher. Die Zahlen verraten aber auch, warum Ulm es wohl trotzdem nicht mit Bamberg aufnehmen kann. Der Meister hat nämlich die beste Abwehr der Liga. 70,8 Punkte des Gegners lässt Bamberg pro 100 Ballbesitzen zu. Ulm dagegen erlaubt 123,4 Punkte – der schlechteste Wert der Liga.


Berlins Defensivprobleme. Nun kann man freilich auch die 70 Punkte hinterfragen, die Berlins Offensive gegen Frankfurt zustande brachte. Doch es hakt in der Abwehr. Die Strategien, die sich Trainer Ahmet Caki zurechtgelegt hat, schlagen bisher fehl. Besonders die großen Jungs fallen negativ auf.

Caki will, dass sie gegen das Pick-and-Roll-aggressiv heraustreten. Elmedin Kikanovic und Bogdan Radosavljevic fehlt es dafür einfach an Geschwindigkeit. Frankfurt nutzte das aus. Die schlechte Nachricht für die Berliner ist: Auf sie warten noch sehr viel talentiertere Mannschaften als Frankfurt.