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Kochs Kolumne

11. Oktober 2016

Haushoch überlegen und immer wieder motiviert?

Stefan Koch

Von Stefan Koch

Vier Spiele, vier Siege mit einer durchschnittlichen Differenz von 36 Punkten. Zugegeben, den ganz großen Prüfstein hatte Brose Bamberg noch nicht in dieser Saison, aber die Dominanz des Titelverteidigers ist für viele Konkurrenten bereits jetzt alarmierend. Ich wurde deshalb schon gefragt, wie man es schafft, dass eine Mannschaft, die dermaßen überlegen ist, trotzdem die Motivation hochhält. Die Antwort lautet zunächst einmal, dass nicht „man“ es schafft, sondern Andrea Trinchieri es schafft. Der Italiener ist ein Meister darin, die Klaviatur der subtilen Zwischentöne zu spielen und seine Spieler darüber extrem gut auf die anstehenden Aufgaben zu fokussieren. So wie ich den Bamberger Coach einschätze, findet er wahrscheinlich inhaltlich, in der Wortauswahl und im Ton der Ansprache immer wieder neue Nuancen, um seinen Spielern die Notwendigkeit engagierten Basketballs zu vermitteln. Denn dass dies kein Automatismus ist, weiß jeder, der schon einmal ernsthaft Sport getrieben hat.

Am Freitag beim Derbysieg in Würzburg wurde deutlich, dass auch die vermeintliche Übermannschaft der Bamberger der durch und durch menschlichen Versuchung unterliegen kann, nicht mit der notwendigen Konzentration in ein Spiel zu starten. Der Coach merkte das nach der Begegnung an und ergänzte: „In den ersten drei Spielen hatten wir keine Probleme, die wir lösen mussten, heute schon. Wir können daraus lernen. Wie wir heute gespielt haben, reicht noch nicht für die Euroleague, wir haben noch Arbeit vor uns.“ Bezüglich der Motivation für die Mannschaft trifft er damit folgende Aussagen: Wenn wir uns nicht 100% anstrengen, können wir Probleme bekommen (Warnung). Aber wir haben die Qualität, um diese Schwierigkeiten lösen zu können (Zuversicht). Es muss uns aber auch klar sein, dass wir noch viel vorhaben und vor uns haben (Ausblick und Ziel).

Dieser Ausblick Euroleague ist natürlich vor allem für die etablierten Spieler ein Antrieb. Sie wissen, auf welch einem herausragenden Niveau dieser Wettbewerb gespielt wird und dass dort noch ganz andere Abende auf sie warten. Dafür sind sie nach Franken gepilgert. Im Wortstamm von Motivation findet man Motiv. Wer Menschen motivieren will, muss ihre Motive kennen. Ich bin sicher, dass die Euroleague für viele Bamberger Akteure ein ganz wichtiges Motiv bei der Vertragsunterzeichnung war. Für junge Spieler wie Leon Kratzer und Louis Olinde hingegen ist die easyCredit BBL eine Chance und Herausforderung für die sie bereit sind, alles zu geben. Spieler in unterschiedlichen Stadien ihrer Kariere zu haben, ist hilfreich um zu entsprechenden Anlässen über verschiedene Energiebereitsteller zu verfügen.

Stefan Koch

Nichts motiviert einen Spieler so stark wie die Bereitschaft der Coaches, ihm zu helfen, sich individuell zu verbessern.

Nichts motiviert einen Spieler so stark wie die Bereitschaft der Coaches, ihm zu helfen, sich individuell zu verbessern. In Bamberg arbeitet neben dem Coaching Staff für das Team mit Stefan Weissenböck noch ein hervorragender Individualtrainer.

Menschen brauchen eine Motivation, wenn Dinge mit Risiken und potenziellen Problemen verbunden sind. Wer die Besteigung eines Achttausenders im Alleingang und ohne Sauerstoff ins Auge fasst, benötigt eine Motivation. Wer jedes Spiel haushoch gewinnt, benötigt ebenfalls eine Motivation, die Motivation aufgrund der Überlegenheit, nicht in schlechte Gewohnheiten zu verfallen.

Es gibt Spieler, denen es nicht immer leicht fällt, sich für jedes Training und für Partien gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller zu motivieren. Als ich Tyrese Rice 2010 zu den Artland Dragons holte, war ich mir in der Vorbereitungsphase zeitweise unsicher, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Tyrese war im Training manchmal fahrig, ihm unterliefen Leichtsinnsfehler. Als wir das erste Vorbereitungsspiel absolvierten, sah ich den wahren Tyrese Rice. Nachdem er schon im ersten Viertel seinem Gegenspieler drei Knoten in die Beine gespielt hatte, grinste mich mein Assistant Coach Tyron McCoy nur an und sagte: „He is a gamer.“ Tyrese spielte danach eine bärenstarke Hauptrunde, die er mit überragenden Playoffs krönte. Er liebte und brauchte die große Bühne, was er allerspätestens bei seinem unglaublichen Euroleague Final Four mit Maccabi Tel Aviv 2014 unterstrich, als er völlig zurecht als MVP ausgezeichnet wurde.

Chuck Eidson spielte ebenfalls in großen Spiel groß. Legendär sind seine 40 Punkte im fünften Playoff-Spiel 2005 in Köln. Auch er hatte großartige Spiele auf Eurocup- (MVP des Wettbewerbs) und Euroleague-Parkett (bester Spieler für Maccabi im Finale 2010 gegen Barcelona). Im Training war der „Chuckster“ ein guter Arbeiter, aber kein überragender wie ein Tyron McCoy oder ein Anton Gavel. Aber während Tyrese Niederlagen im Training locker wegsteckte, waren sie für Chuck kaum zu verdauen.

Er wollte einfach nicht verlieren, das war ein Antrieb für ihn. Bei Ty McCoy und Tono Gavel war die intrinsische Motivation so stark, dass es nie etwas anderes als Volldampf gab. Es gibt immer unterschiedliche Typen in einer Mannschaft. Ihre Motive zu kennen, ist für den Coach essentiell, um motivieren zu können – egal ob man einen Abstiegs- oder einen Meisterschaftskandidaten betreut, egal ob man vier Mal mit vierzig verloren oder gewonnen hat.