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Körners Corner

12. Oktober 2016

Hosen runter: Wir reden über Geld!

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Kohle. Moneten. Zaster. Pinkepinke. Asche. Mäuse. Euronen. Flocken. Steine. Pulver. Penunzen. Moos. Begriffe haben wir viele für das liebe Geld. Aber darüber zu reden fällt uns schwer. Erst recht, wenn es das eigene Geld ist. Aber wissen wie viel alle anderen haben, wäre schon interessant. Michael Körner hat einen Wunsch. Mehr Geld Transparenz.

Mein Schwager ist vor über einem Jahr in die USA gezogen. Per Zufall stieß er in der örtlichen Bücherei auf das Telefonbuch der Gegend. Neben Name, Adresse und Telefonnummer ist dort auch aufgelistet, ob jemand unter 35 Jahre alt ist, zwischen 35 und 50 oder über 50 Jahre alt ist.

Und wie viel er verdient.

Kein Witz. Hier die Kopie einer Seite aus dem Telefonbuch. Ich hab dann doch mal die Namen unkenntlich gemacht.

Es wird nicht der exakte Verdienst aufgelistet, aber es wird in drei Kategorien unterteilt. Einkommen unter $50.000, zwischen $50.000 und $100.000 und über $100.000 pro Jahr.

Noch krasser in Schweden. Hier kann man beim Finanzamt anrufen und fragen was der Nachbar verdient. Oder wer auch immer. Und bekommt prompt Antwort.
In Deutschland undenkbar, in den USA oder Schweden schert das niemanden. Im Gegenteil. Es ist tatsächlich so, dass einem ein vergleichsweise hoher Verdienst nicht geneidet wird, sondern anerkennend zur Kenntnis genommen wird. Nach dem Motto: Der verdient viel Geld, der hat´s einfach drauf.  In Schweden ist man der Ansicht, dass transparente Einkommensverhältnisse das Bewusstsein für Ungerechtigkeiten schärfen.

Zum Thema:

Zwei Fragen werden mir von Außenstehenden immer wieder gestellt.

„Wie ist denn der Stefan Raab so?“

„Wie viel verdient eigentlich ein Basketballer?“

Ich hatte das Vergnügen, mit Stefan Raab über acht Jahre 40 Sendungen („TV Total Pokerstars.de Nacht“) zu produzieren. Tatsächlich haben viele gedacht, das wäre mein eigentlicher Job und ich würde täglich beim Raab auf dem Sofa sitzen.

Die Frage nach dem Verdienst eines Basketballers wurmt mich jedes Mal. Denn ich weiß es nicht. Wer ist der bestbezahlte Spieler der easyCredit BBL? Vermutlich Darius Miller. Aber ich weiß es wirklich nicht. Spielerverträge sind nicht öffentlich, über Budgets wird nur spekuliert, kurzum: Über Geld spricht man nicht.

Das ist schade. Zu wissen wie viel ein Spieler verdient, ist eine ausgezeichnete Information, da sie extrem viel über seinen Stellenwert aussagt. Es ist schlicht sein Marktwert.

Und es gehört zum Geschäft eines Profisportlers, dass er sich an seinem Marktwert messen lassen muss.

In den USA sind die Gehälter der NBA-Spieler öffentlich. Tatsächlich hilft es bei der Berichterstattung. Relationen sind offenkundig, Vertragsdetails lassen Rückschlüsse auf mittel- und langfristige Planungen zu. Nicht zu vergessen: Spekulationen wird ein Riegel vorgeschoben.

Hundertfach wird auch hier in der BBL hinter vorgehaltener Hand über Zahlen diskutiert und über Ausstiegsklauseln philosophiert. Gerüchte werden verbreitet, die sich bekanntlich hartnäckiger halten können als die simple Wahrheit. Als im vergangenen Jahr ein türkischer Journalist eine eifrig recherchierte Liste der „50 bestverdienenden Basketballer Europas“ veröffentlichte (mit Gehaltsangaben), glühte sein Handy wie das Samsung Galaxy Note 7. Agenten und Sportdirektoren machten ihm die Hölle heiß, kaum eine Zahl war angeblich korrekt. Brutto wurde mit netto verwechselt usw. usw. Keine zwei Tage später waren die Angaben zu den Gehältern von der Liste entfernt worden.

Es ist aber wohl auch eine Mentalitätsfrage. In Deutschland gilt der Tenor: „Was ich verdiene geht keinen was an.“ Ich schätze, dass sicherlich 90% der Deutschen so denken und ihren Lohnzettel nicht in der Öffentlichkeit zeigen möchten. Genauso ungern wird darüber gesprochen, was man für eine Partei wählt. Auch ein Tabuthema in diesem Land.

Thorsten Leibenath

Wenn man Spielergehälter öffentlich macht, dann muss man auch Autos und Wohnungen dazurechnen.

Die Sache mit den Spielergehältern ist allerdings auch ein wenig kniffelig. Es gibt ein Grundgehalt und fast immer auch noch eine Wohnung und ein Auto dazu. „Wenn man Gehälter öffentlich macht“, so Ulms Trainer Leibenath letzte Woche zu mir, „dann muss man auch Autos und Wohnungen dazurechnen.“ Denn die zusätzlichen Incentives der Vereine verwässern fast immer die eigentliche Entlohnung. Eine Wohnung in München hat dazu noch einen höheren Wert als in Hagen. Und was ist mit Prämien im Falle von Playoffs, Meisterschaft oder Nichtabstieg?

Trotz allem bin ich der Meinung, dass Sportlergehälter öffentlich gemacht werden sollten. Vielleicht sollte man sogar noch einen Schritt weiter gehen. Immer wieder hört man von Agenten und Beratern, die hinter den Kulissen eifrig mitverdienen und allergrößtes Interesse daran haben, nichts, aber auch gar nichts an die Öffentlichkeit zu geben. Aber wer verdient an wem? Wie viel Prozent gehen in welche Tasche? Ohne jedem Spielerberater unterstellen zu wollen, dass er schmarotzend durch die Sportlerszene geistert, aber auch in diesem Bereich wäre eine gesunde Transparenz sicherlich hilfreich.

Am Ende sollten Fans und Sponsoren wissen wo ihre Gelder landen. Und der Journalist sollte aufgrund maximaler Informationen das Geschehen abbilden und darüber berichten können. Auch für den Sportler selbst ergeben sich neue Vergleichs- und Einschätzungsmöglichkeiten. Transparenz ist immer gut.

Also gehe ich mit gutem Beispiel voran:

Ich wähle die FDP. Und ich verdiene, naja, das ist schwer zu sagen. Ich bin ja Freiberufler. Da sind die Monate sehr unterschiedlich. Ich hatte schon Monate, da habe ich nichts verdient, ja, wirklich. Scarlett Johansson bekommt für ihren neuen Film „Ghost in the Shell“ übrigens 17.5 Mio Dollar. Was lächerlich ist für eine Göttin.

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja. Stefan Raab. Ja, der ist sehr nett.