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Season Preview

13. September 2016

Braunschweig: Sprung ins Ungewisse

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Die Basketball Löwen Braunschweig haben vor der neuen Saison versprochen, mehr auf die Jugend zu setzen. Das ist ein ehrenwertes Vorhaben, aber auch ein alternativloses. Denn in Braunschweig ist einfach kein Geld da. Mit den Scheinen sind auch die Stars verschwunden. Dafür ist ein Trainer gekommen, der es allen zeigen will.

Das Sparschwein zerschlagen. Nur um festzustellen, dass dort noch immer kein Geld zu finden ist. Nachdem Hauptsponsor New Yorker vor zwei Jahren aufgehört hatte, das Sparschwein mit großen Scheinen zu füttern, hatte Volkswagen es kurzfristig aufgefüllt. Einen verlässlichen Geldgeber aber sucht Braunschweig seitdem vergeblich. Schon im März schlug der Verein Alarm. 3,5 Millionen Euro hatten die Löwen für die nun beginnende Saison eingeplant, zusammenkratzen konnten sie damals jedoch nur rund 2,65 Millionen. Wer mit Zahlen umgehen kann, weiß: Es fehlen 850.000 Euro. Und wer mit Basketball in Deutschland vertraut ist, versteht: Für einen durchschnittlichen Bundesligaklub ist das eine fette Summe.

Frank Menz

Ein deutsches Programm ist natürlich einfach, wenn man vier, fünf Top-Ausländer hat.

In der BBL tritt Braunschweig trotzdem an. Das leere Sparschwein macht sich aber freilich bemerkbar. Trainer Raoul Korner ist weg, Keaton Grant, Derek Needham, Kenny Frease und die meisten anderen auch. Einen kaufmännischen Geschäftsführer leisten sich die Löwen schon länger nicht mehr. Frank Menz ist nicht nur neuer Trainer, sondern auch Sportdirektor. Die neuen ausländischen Spieler hat Braunschweig in der zweiten Liga (Carlos Medlock, Carlton Guyton), in Österreich (Thomas Klepeisz) oder direkt am US-College (Geoffrey Groselle, Dyshawn Pierre) gefunden. Die meisten deutschen Neuzugänge sind jung und unerprobt – und deswegen auch billig.

Will sich beweisen. Im kleinen Zirkel der Basketballer ist Frank Menz' Fachwissen unbestritten, in der Öffentlichkeit hat sein Ruf gelitten. Das muss er sich auch selbst ankreiden, als Bundestrainer hat er die Nationalmannschaft zwischen 2012 und 2014 nicht vorangebracht. Schuld trifft jedoch auch den Deutschen Basketballbund (DBB), der Menz erst den Rücken gestärkt, nach unsäglicher Posse aber doch zum Nachwuchstrainer degradiert hat. Der Fall Menz ist nur ein Beispiel für die teilweise peinliche Außendarstellung des Verbands.


Frank Menz muss aus wenig viel machen

Jetzt ist Menz als Chef zurück in der ersten Liga. Dort war er zuletzt 2001 mit Weißenfels. „Die Kombination mit Co-Trainer Stephen Arigbabu kann ganz gut funktionieren“, glaubt Telekom-Basketball-Experte Jörg Dierkes. „Aber man muss ihnen Zeit lassen. Ob sie die Zeit haben werden und ob sie die vernünftig nutzen können, ist die große Frage dieser Saison.“

Werden plötzlich wertgeschätzt. Der Talentformer Frank Menz soll die vernachlässigte Jugendarbeit wieder ankurbeln. Das ist ein ehrenwertes Vorhaben, jedoch auch ein alternativloses, wenn das Geld knapp wird. Es ist nicht lange her, da waren New Yorker oder VW wichtige Partner der Löwen, heute ist es der MTV Herzöge Wolfenbüttel, ein ProB-Klub. Dort sollen die jungen Constantin Ebert, Luis Figge und Lars Lagerpusch an den Profibereich herangeführt werden. Im Gegensatz zu Nicolai Simon oder Jannik Freese besitzen sie noch kein BBL-Niveau.

Die Tücken, die Braunschweigs neuer Plan aufweist, sind jedoch offensichtlich. So offensicht, dass Frank Menz sie gleich selbst angesprochen hat. „Ein deutsches Programm ist natürlich einfach, wenn man vier, fünf Top-Ausländer hat, die Bundesliganiveau haben und die die Eckpfeiler, Leistungsträger und Vorbilder sind“, sagt er. „Wenn die Ausländer selber sich beweisen müssen, zu kämpfen haben und sich hier etablieren müssen und junge, deutsche Spieler dazukommen, dann ist es natürlich eine schwierige Konstellation.“

Ein Trainer, der es allen zeigen will. Eine Garde US-Amerikaner, die neu in die BBL stoßen. Ein Haufen junger Spieler, die die Hoffnung eines Vereins sind. Das Geld hat Braunschweig durcheinandergewirbelt. Die Risiken groß, die Spannung aber auch.




„Braunschweig will die Jugendarbeit wieder auffrischen und eigene Integrationsfiguren erschaffen. Dafür muss aber auch Geld investiert werden. Geld, das sie momentan nicht haben oder aus dem Profikader abgezweigt werden muss. Das wollen sie wohl auch tun, inwieweit sich das umsetzen lässt, ist aber unklar. Man braucht dann eben auch vernünftige Jugendtrainer, die auch Geld kosten. Das klingt natürlich prima. Aber gute deutsche Spieler sind auch am teuersten. Und das für einen klammen Verein. Da weiß ich nicht, ob diese Quadratur des Kreises funktioniert.“

Name Alter Nationalität Position
Carlos Medlock 29 USA Point Guard 
Niklas Bilski 18 GER Point Guard 
Luis Figge 19 GER Shooting Guard
Nicolai Simon 29 GER Point Guard
Constantin Ebert 20 GER  Point Guard
Carlton Guyton 26 USA Point Guard 
Samuel Mpacko 18 GER Point Guard
Sid-Marlon Theis 23 GER Power Forward
Lars Lagerpusch 18 GER Power Forward
Geoffrey Groselle 23 USA Center
Jannik Freese 30 GER Center
Tim Schwartz 28 GER Small Forward
Thomas Klepeisz 25 AUT Point Guard
Dyshawn Pierre 22 CAN Small Forward