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BBL-Samstag

15. Oktober 2016

Würzburg ist besser als es die Tabelle sagt

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Im fünften Anlauf hat es für Würzburg mit dem ersten Sieg geklappt. Wer den Verein an der Tabelle misst, macht jedoch einen Fehler. Auch Jenas Bilanz ist trügerisch. Im Duell mit Oldenburg brauchte es für den K.o. erst die Verlängerung  und natürlich Rickey Paulding. In Hagen machen in dieser Saison nicht mehr nur die leeren Kassen sorgen. Alles Wichtige zu den Samstagsspielen der BBL in der Übersicht.

BG GÖTTINGEN VS TELEKOM BASKETS BONN83:92 (39:44)
Top-Scorer:
Scott Eatherton (19) – Ryan Thompson (21)
Top-Rebounder: Eatherton (5)  – Florian Koch (4)
Top-Assistgeber: Jesse Sanders (7) – Josh Mayo (8)

PHOENIX HAGEN VS GIESSEN 46ERS 76:95 (49:35)
Top-Scorer: Trent Plaisted (20) – Cameron Wells (21)
Top-Rebounder: David Bell (6)  – Thomas Scrubb (10)
Top-Assistgeber: Bell (6) – Wells (6)

WALTER TIGERS TÜBINGEN VS S.OLIVER WÜRZBURG76:83 (36:43)
Top-Scorer:
Barry Stewart (17) – Jake Odum (27)
Top-Rebounder: Gary McGhee (7)  – Vladimir Mihailović (7)
Top-Assistgeber: Jared Jordan (9) – Odum (5)

EWE BASKETS OLDENBURG VS SCIENCE CITY JENA89:81 OT (74:74, 34:30)
Top-Scorer:
Rickey Paulding, Brian Qvale (beide 19) – Marcos Knight (22)
Top-Rebounder: Qvale (9)  – John Little, Knight (beide 8)
Top-Assistgeber: Chris Kramer (9) – Filiberto Rivera (5)


Eine kleine Fallzahl, das lehrt die Wissenschaft, muss stets kritisch beäugt werden. Deswegen sollte man auch aufpassen, wie man die Siegesbilanzen der BBL-Mannschaften nach nur wenigen Spielen interpretiert. Sie können trügerisch sein. Sicherlich spiegeln sie manchmal die Realität wider. Phoenix Hagen etwa hat alle fünf Spiele verloren. Weil Hagen aber selbst gegen Abstiegskandidaten enttäutschte, ist das tatsächlich bedenklich (siehe „Das macht Sorgen“). Der schwache Heimauftritt gegen Gießen bestätigte diesen Eindruck.

Andererorts aber blendet die Bilanz. Würzburg hat die ersten vier Saisonspiele allesamt verloren, im Sportbusiness wird das sofort als Fehlstart abgestempelt. Das kann man auch anders sehen (siehe „Wir kaufen Aktien von“). Im fünften Anlauf hat Würzburg nun gewonnen, musste dafür in Tübingen aber wirklich alle Tricks zeigen:


Jena hat ebenfalls schon vier Niederlagen einstecken müssen. Auch dort zeigt sich gut, warum die Bilanzen täuschen. Jena bereichert die Liga, ihre Spiele sind stets knapp. Um den Aufsteiger zu besiegen, benötigte Oldenburg eine Verlängerung – und natürlich Rickey Paulding.

Göttingen hat vier Spiele in Serie verloren. Der Pleite gegen Bonn gingen jedoch welche gegen Bamberg, Bayern und Oldenburg voraus, was die bloßen Zahlen schon wieder relativiert. Noch ist die Fallzahl eben zu klein, um den Ergebnissen zu vertrauen.

 
Würzburgs Wertpapiere dürften derzeit nicht allzu teuer sein. Die Sportwelt neigt gerne zum Überreagieren. Gemessen wird oft nur an Ergebnissen, weshalb Würzburg viel Kritik entgegenflog, nachdem die ersten vier Spiele in die Hose gingen. Ein prüfender Blick auf die Hintergründe kann solche Aussagen aber anfechten:

Nicht nur der Spielplan hat Würzburg zu schaffen gemacht. Die Guards Jake Odum und Vladimir Mihailović müssen lernen, den Angriff in Kooperation zu dirigieren. Power Forward Marshawn Powell fehlt verletzt. Es wird aber noch etwas dauern, bis Würzburg glänzen kann. Womöglich wird auch der Premierensieg in Tübingen Würzburgs Kritiker nicht entspannen, zu knapp war das Spiel. Das Potential aber ist groß.


Ein bisschen besorgt ist man um Hagen ja stets. Es fehlt einfach das Geld, weshalb die Finanzprüfer der Bundesliga besonders streng nach Hagen blicken. Im letzten Jahr haben sie dem Verein nach Lizenzverstößen sogar Punkte abgezogen. Aus den eigentlich leeren Kassen hat Hagen bisher aber immer viel herauskratzen können. Der angriffslustige Spielstil hat auch in fremden Hallen unterhalten, in Hagen selbst wird das Basketballteam ohnehin verehrt. Bisher galt daher: Hagen wird das schon irgendwie richten, meistens sogar besser als gedacht.

Jetzt scheint die Lage aber bedrohlicher als gedacht. Hagen hat die ersten fünf Spiele verloren, was sich als noch bedrohlicher entpuppt, wenn man die Gegner auflistet: Göttingen, Bremerhaven, Jena, Vechta und Gießen. Zwei Aufsteiger und zwei Mannschaften, die in der Vorsaison gerade so dem Abstieg entgangen sind. Nach der Niederlage gegen Gießen sagte Forward Adam Hess: „Wir sind in einem Loch.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. In Hagen wirken sie derzeit etwas ratlos.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die Importspieler Richard Williams und Jeremy Dunbar verletzt ausfallen. Aber auch mit ihnen wäre Trainer Ingo Freyer mal wieder mit der kniffligen Aufgabe konfrontiert, aus wenig viel zu machen. Die nächsten Gegner werden es ihm jedoch nicht einfacher machen. Sie heißen: Bonn, Würzburg, Berlin, Tübingen, Ulm und München.