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BBL-Sonntag

16. Oktober 2016

Bayern rückt die Machtverhältnisse zurecht

Von Fabian Wenninger

Im Gipfeltreffen der Erzrivalen erteilt der FC Bayern ALBA BERLIN eine Lehrstunde und glänzt mit fantastischem Ballmovement. Deutlich knapper setzt sich Ulm in Frankfurt durch und bleibt ebenfalls ungeschlagen. Fast erwischt hätte es die euroleague-geschlauchten Bamberger in Bremerhaven. Ludwigsburg holt den vierten Sieg in Folge. Der Abschluss des fünften Spieltags im Überblick.


FC BAYERN MÜNCHEN VS ALBA BERLIN 97:58 (43:25)
Top-Scorer: Ondrej Balvin, Bryce Taylor (je 14) – Dragan Milosavljevic (15)
Top-Rebounder: Vladimir Lucic, Maxi Kleber, Balvin (je 5) – Tony Gaffney (7)
Top-Assistgeber: Devin Booker (5) – Peyton Siva (5)

FRAPORT SKYLINERS VS RATIOPHARM ULM 73:79 (35:39)
Top-Scorer: Mahir Agva (15) – Raymar Morgan (17)
Top-Rebounder: Shavon Shields (11) – Dominique Sutton, Morgan (je 8)
Top-Assistgeber: Kwame Vaughn (6) – Sutton, Per Günther, Taylor Braun (je 4)

EISBÄREN BREMERHAVEN VS BROSE BAMBERG87:93 (53:47)
Top-Scorer: Jordan Hulls (18) – Lucca Staiger (17)
Top-Rebounder: Quincy Diggs (8) – Nicolo Melli (6)
Top-Assistgeber: Jordan Hulls (5) – Janis Strelnieks (11)

MHP RIESEN LUDWIGSBURG VS RASTA VECHTA 90:77 (46:42)
Top-Scorer: Tekele Cotton, David Gonzalvez (je 16) – Christian Standhardinger (19)
Top-Rebounder: Jack Cooley (10) – Devin Searcy und drei weitere (je 4)
Top-Assistgeber: Wes Washpun, Gonzalvez, Cooley (je 3) – Scott Machado (9)


Es ging um’s Prestige. Bayern gegen ALBA. Zwei Teams, die sich nicht leiden können. Hier ein Ellbogen, da ein fies gestellter Block, auch Rudelbildungen gehören bei diesen Duellen nicht selten dazu. Heute nicht. Dafür gab es feine Zauberpässe, akrobatische Flugeinlagen und Dunks, Dunks, Dunks. Von den Bayern ja, von ALBA nein. Das Spitzenspiel wurde seinem Namen nicht gerecht. Berlin wurde besonders in der zweiten Hälfte vorgeführt, bekam mehrfach eine bayerische Watschen verpasst. Im sportlichen Sinn, versteht sich.

Dass die Liga an der Spitze nicht zu einer bayerischen Zwei-Klassen-Gesellschaft verkommt, dafür hat ratiopharm ulm gesorgt. In Frankfurt zeigten sich die Ulmer gut erholt von der deutlichen Pleite im Eurocup in Valencia unter der Woche. Durch den knappen Erfolg bei den Skyliners bleibt Ulm auf Augenhöhe mit Bayern und Bamberg.

Apropos Bamberg. Ja genau, die schon wieder. Zum dritten Mal innerhalb von fünf Tagen mussten die Spieler von Andrea Trinchieri ran. Fast hätte es den ersten Ausrutscher der Saison gegeben. Auf der Eisscholle in Bremerhaven tat sich der Meister in den ersten zwanzig Minuten extrem schwer. Eine vermutlich nicht ganz sanfte Halbzeitansprache von Trinchieri später fand Bamberg wieder seinen Touch – vor allem Lucca Staiger. Bambergs BBL-Bilanz bleibt deshalb vorerst unantastbar.

Deutlich souveräner meisterten die MHP Riesen Ludwigsburg ihre Aufgabe gegen Aufsteiger RASTA Vechta. Wie schon in den Spielen zuvor überzeugend: Das neue Traum-Duo Tekele Cotton und Jack Cooley. Wie schon in den Spielen zuvor daraus resultierend: Ein Sieg auf der Anzeigetafel für Ludwigsburg, bereits der vierte in Folge. Bahnt sich da etwa ein Déjà-vu wie im Vorjahr an, als Ludwigsburg die Liga aufmischte?


Das Spitzenspiel. Das wär es nämlich nur auf dem Papier. Die Bayern zauberten, ALBA kassierte eine historische Pleite. In 23 Duellen mit dem Intimfeind aus München setzte es noch nie eine so deutliche Demütigung. „Wir haben ohne Selbstbewusstsein gespielt“, erklärte Nationalspieler Niels Giffey sichtlich gefrustet. „Das steht uns überhaupt nicht.“ Zwar haben die Berliner Verantwortlichen vor der Saison klargestellt, dass man sich nicht auf einer Stufe mit den Münchnern sieht. ALBA setzt auf Entwicklung, auf einen langfristigen Prozess. Das Spiel in München und auch die Niederlagen zuvor gegen Ulm und Frankfurt haben gezeigt, dass sich das Team von Ahmet Caki noch im Beta-Stadium befindet. In der BBL ist ALBA dadurch in die untere Tabellenhälfte abgerutscht. Bleibt zu hoffen, dass Berlin im Eurocup gegen Bilbao (Mittwoch ab 20:20 Uhr LIVE bei Telekom Basketball) wieder sein zweites Gesicht zeigt.


Das Ballmovement des FC Bayern. Nach allen Regeln der Korbkunst nahmen die Münchner den Rivalen aus der Hauptstadt auseinander. Belegbar ist das vor allem mit Blick auf dem Spielberichtsbogen: 28 Assists verteilte das Team von Sasa Djordjevic. Jeder Spieler, den der Serbe von der Leine ließ, brachte den Ball mindestens einmal auch im Korb unter. Das gefiel auch seinem Vorgänger Svetislav Pesic, der sich im Telekom-Basketball-Interview bestens gelaunt zeigte. Wie Pesic sieht Djordjevic übrigens auch den Schlüssel zum Erfolg in der Verteidigung. „Wir haben stark und aggressiv begonnen und über die gesamte Partie großartige Defensiv-Arbeit gezeigt“, erklärte der Djordjevic im Anschluss. Bei solchen Aktionen hat ein Trainer aber auch nichts nichts zu meckern.


 Lucca Staiger. Ohne Staigers Shooting-Skills hätte Brose Bamberg vermutlich die erste Niederlage einstecken müssen. Keine 48 Stunden nach dem aufreibenden Auftritt bei Fenerbahce Istanbul wirkten die Bamberger bei den Eisbären Bremerhaven komplett entkräftet. Lediglich Staiger, der in Istanbul nur gute drei Minuten auf dem Feld stand, hätte als einer der wenigen noch Power und Feingefühl in Handgelenk. Seine unwiderstehlichen Dreier halfen besonders in der zweiten Hälfte, als sie Bamberg am dringendsten brauchte. Am Ende standen 17 Punkte hinter Staigers Namen im Spielberichtsbogen – und der wohl schwerste Sieg Bambergs in der bisherigen Saison.


Bamberg ist verwundbar. Selbst der Meister, der über den tiefsten Kader der Liga verfügt, steckt die Doppelbelastung nicht einfach weg. Die Trips in die großen Metropolen Europas werden Trinchieris Team alles abverlangen. Dass dann die Akkus im BBL-Alltag nicht ganz aufgeladen sind, können Vereine ohne internationale Einsätze glatt ausnutzen. Bremerhaven hat es in der ersten Halbzeit vorgemacht, sich gegen die müden Bamberger eine Führung erarbeitet. „Es ist enorm schwer, den Schalter von Euroleague auf Bundesliga umzulegen“, gestand ein ausgepumpter Lucca Staiger. Auf Rollenspieler wie Staiger wird es in solchen Situationen öfter ankommen. Sie müssen den Stars wie Darius Miller, Nicolo Melli oder Nikos Zisis Pausen gönnen, ohne den Erfolg zu gefährden. Können Staiger & Co. nicht glänzen, ist Bambergs erster Ausrutscher in der BBL nur eine Frage der Zeit.