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16. September 2016

ALBA BERLIN: Immer noch ein großes „B“?

Von Fabian Wenninger

Nach vier Jahren bröckelte die Ehe zwischen Sasa Obradovic und ALBA BERLIN. Sportdirektor Himar Ojeda und Geschäftsführer Marco Baldi haben Berlin einen frischen Look verpasst. Druck machen sie dem jungen Trainer Ahmet Caki aber nicht. Er soll ALBA behutsam aufbauen.


Die Scheidung eingereicht. Sasa Obradovic und ALBA BERLIN – das passte nach vier Jahren einfach nicht mehr zusammen. Angedeutet hatte sich das Aus Obradovics spätestens im Playoff-Viertelfinale. Berlin wurde von Frankfurt auf die schlimmste Art und Weise gedemütigt, die der Basketball zu bieten hat. Per „Sweep“ endete eine turbulente Berliner Saison – und auch die Amtszeit des Serben. „Wir sind zu der gemeinsamen Überzeugung gekommen, dass es an der Zeit ist neue sportliche Impulse zu setzen“, wurde ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi in einer Pressemitteilung zitiert, die ALBA Ende Mai veröffentlichte.

Knapp einen Monat später präsentierte Baldi den neuen Impulsgeber. Ahmet Caki soll die Albatrosse in eine neue Ära führen. In die Wege geleitet hatte den Transfer aber nicht Baldi, sondern Sportdirektor Himar Ojeda. Der ehemalige Chefscout der Atlanta Hawks ist erst seit Februar im Amt, demonstrierte mit der Verpflichtung aber seine neue Machtposition im ALBA-Imperium. Baldi vertraut ihm bereits blind.

ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi

Als Himar mit seiner Liste kam und Ahmet ganz oben stand, mussten wir nicht mehr lange darüber nachdenken.

Den freien Sommer nutzte Ojeda, um das Recycling voranzutreiben. Mit Peyton Siva und Dominique Johnson verpflichtete er zwei explosive Amerikaner, die sicherlich auch bei europäischen Topadressen untergekommen wären. Seinen neuen Backcourt hatte sich Ojeda schnell gebastelt. Als Ringbeschützer zog der Spanier A2-Nationalspieler Bogdan Radosavljevic aus Tübingen an Land. Neben ihm wird BBL-Veteran Tony Gaffney auflaufen, der erst vor ein paar Tagen verpflichtet wurde. Den überaus begabten, aber abwanderungswilligen Brandon Ashley strich Ojeda dafür aus dem Kader. Es soll die vorerst letzte Scheidung gewesen sein.


„Hat dieselbe Mentalität und Philosophie wie ALBA“, meint Telekom-Basketball-Kommentator Alexander Frisch. Aber wer ist dieser Ahmet Caki, über den gerade einmal ein zweizeiliger englischer Eintrag in der weltweit größten Enzyklopädie existiert?

Betritt in Deutschland unvertrautes Terrain: Berlins neuer Headcoach Ahmet Caki

In Deutschland ist Caki, der übrigens „Tschaki“ ausgesprochen wird, ein unbeschriebenes Blatt. In der Türkei, seinem Heimatland, keinesfalls. Dort hat er eine steile Karriere als Trainer hingelegt. Mit 18 Jahren begann er seine Trainerlaufbahn, mit 29 hatte er bereits beim heutigen Euroleague-Starter Darüssafaka die Taktiktafel in der Hand. Ab 2014 lernte er von der serbischen Trainerlegende Dusan Ivkovic bei der Traditionsmarke Anadolu Efes Istanbul. Als sein Mentor Ivkovic im März entlassen wurde, stieg Caki zum Cheftrainer auf und führte Efes ungeschlagen in die Finalserie. „Wer sich in der türkischen Liga behauptet, der hat was drauf“, sagt Frisch. Trotzdem entschied sich Caki für ALBA Berlin, weil er sich „auch international beweisen will", wie er selbst sagt.

An einer Finalserie möchten sie auch in Berlin wieder teilnehmen. „Es wird Zeit brauchen“, erklärt Baldi im Telekom-Basketball-Interview. „Ein neuer Trainer heißt immer eine neue Handschrift. Aber wir glauben, dass es eine sehr gute Zusammenarbeit wird.“


Wollen sich beweisen. Allen voran Niels Giffey. Der Nationalspieler hat ein absolutes Seuchenjahr hinter sich. Die komplizierte Verletzung an der Plantarsehne seines linken Fußes scheint endlich auskuriert. „Das Gesicht von ALBA Berlin“, wie ihn Telekom-Basketball-Kommentator Alexander Frisch umschreibt, startet komplett fit in eine Saison, in der sich möglichst eine Frage beantworten soll: Bleibt er ein Rollenspieler oder schafft er den Schritt zu einem absoluten Anführer?


Gelingt Niels Giffey der Sprung zum Leistungsträger?

Der Makel „ewiges Talent“ haftet nach wie vor auch noch an Bogdan Radosavljevic. In Tübingen konnte der 2,13 Meter lange Schlacks überzeugen, aber kann er den hohen Ansprüchen in Berlin gerecht werden?
Ismet Akpinar hat da schon weniger Druck. Der 21-jährige Aufbauspieler hat in der letzten Saison einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Die Beine hochlegen wird aber auch er nicht. Akeem Vargas muss sich seinen exzellenten Ruf als Kettenhund nach seiner Rückkehr von der Nationalmannschaft unter Caki neu verdienen. Für Jonathan Malu, der in der vergangenen Saison in Bremerhaven nur selten Spielzeit bekam, dürfte es in der Hauptstadt nicht unbedingt erschwinglicher werden.


Neue Ära, neues Zeitalter, neue Dynastie? Berlin startet nach der Trennung von Sasa Obradovic wieder komplett bei null. Strippenzieher Ojeda hat nichts unversucht gelassen, um den einstigen Serienmeister wieder ein Stück näher an Bamberg und Bayern zu hieven. Kann Berlin wieder in die Riege der großen „B’s“ aufsteigen? Welche Philosophie wird Wunschtrainer Caki den Albatrossen einimpfen? Und gelingt Niels Giffey endlich der langersehnte Durchbruch? Zumindest letzteres wird  die ganze Basketball-Nation aufmerksam verfolgen.


Telekom-Basketball-Kommentator Alexander Frisch

Berlin muss sich von der Vorstellung freimachen, zu den großen Drei zu gehören.

„Man muss sich in Berlin freimachen von der Vorstellung, dass man zu den großen Drei gehört. Jetzt beginnt wieder ein völlig neuer Prozess. Ahmet Caki passt zu dieser Entwicklung. Er bringt viel Erfahrung für sein Alter mit, verfügt aber trotzdem über die Autorität und das Gefühl, mit Spielern umgehen zu können. Unter ihm wird ALBA schneller spielen. Es ist ein bisschen mehr Freiheit im Angriff. Peyton Siva und Dominique Johnson werden uns gefallen. Ich bin gespannt darauf, welchen Beitrag die deutschen Spieler leisten, besonders Niels Giffey. Das könnte sein Jahr werden.“

Name Alter Nationalität Position
Niels Giffey 25 GER SF
Jonathan Malu 23 GER PF
Peyton Siva 25 USA PG
Ismet Akpinar 21 GER PG
Elmedin Kikanovic 28 BIH PF/C
Akeem Vargas 26 GER/USA SG
Malcolm Miller 23 USA SF/PF
Engin Atsür 32 TUR/GER PG/SG
Bogdan Radosavljevic 23 GER C
Dragan Milosavljevic 27 SRB SG/SF
Dominique Johnson 29 USA SG
Paul Carter 29 USA SF/PF
Tony Gaffney 31 USA PF