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Hintergrund

18. Oktober 2016

Asche zu Asche – Phoenix Hagen will Weg in die Planinsolvenz gehen

Jörg Dierkes

Von Jörg Dierkes

Altlasten ziehen die Feuervögel endgültig zu Boden. Abstieg und finanzieller Neuanfang in der Pro A werden angestrebt. Die Hagener wollen, trotz des drohenden 4 Punkte-Abzugs durch die Liga, die Saison zu Ende spielen.

Es ist nicht einmal ein halbes Jahr her, da feierte sich noch ganz Hagen. Sie feierten den Verbleib in der easyCredit Basketballbundesliga. Sie feierten, als erstes Team in der Ligageschichte trotz eines Punktabzuges am grünen Tisch sportlich erstklassig geblieben zu sein. Jetzt ist Katerstimmung.

In dieser Woche will die Geschäftsleitung der Phoenix Hagen GmbH & Co. KG aA, gemeinsam mit einem sogenannten Sachwalter, beim Amtsgericht Hagen die Eröffnung eines Insolvenzplanverfahrens beantragen.

Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass der Bundesligist nicht mehr in der Lage ist, seine laufenden Verbindlichkeiten aus eigener Kraft zu bezahlen. Die Taschen sind leer. Restlos.

Mit Eröffnung einer solchen Planinsolvenz werden laufende Verträge ausgesetzt, die Angestellten des Clubs beziehen bis zu drei Monate Insolvenzgeld. Gleichzeitig behält allerdings die Geschäftsführung die Handlungsvollmacht und wäre, wenn die Einsparungen in etwa die Höhe der Verbindlichkeiten erreicht haben, auch in der Lage das Insolvenzverfahren zu beenden und wieder normal zu wirtschaften.

Dabei ist die Höhe der Schulden unklar. Verschiedene Zahlen werden gehandelt. Als sicher gilt, dass Phoenix Hagen Außenstände im mittleren sechsstelligen Bereich zu verzeichnen hat. Die Liga hat im Lizenzverfahren zur Auflage gemacht, diese Schulden abzubauen. Wegen des schlechten Saisonstartes und der damit verbundenen rückläufigen Zuschauerzahlen ist der Finanzplan für die laufende Saison bereits nach dem fünften Spieltag nicht mehr einzuhalten.

Der vom Aufsichtsrat der Hagener bestellte Sachwalter hat zunächst die Geschäfte übernommen. Eine erste Maßnahme war, allen Beteiligten eine Stellungnahme gegenüber der Öffentlichkeit zu untersagen.


Leider nicht so einfach wie auf dem Spruchband: Phoenix Hagen droht das Aus.


Wie geht es weiter?

Erklärtes Ziel ist, die Bundesligasaison, wenn auch mit verändertem Spielerkader, zu Ende zu spielen. Dass dabei der sportliche Abstieg droht, kalkulieren die Phoenix-Verantwortlichen mit ein. Ziel ist es, so wie es bereits die Gießen 46ers vorgemacht haben, den Club in der Pro A zu sanieren und möglichst rasch einen Wiederaufstieg anzupeilen.

In einer Erklärung seitens der easyCredit BBL zeigte sich der Geschäftsführer Dr. Stefan Holz irritiert. „Die Zahlen, die uns im Oktober fristgerecht vorgelegt wurden, haben sich im Vergleich zu denen aus dem Juli erheblich negativ verändert. Wie es dazu kommen konnte, werden wir nun mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter aufarbeiten“, heißt es in einer ersten schriftlichen Stellungnahme. Klar ist auch, dass mit dem Nachweis des Insolvenzverfahrens Phoenix Hagen gemäß § 17 BBL-Spielordnung in der Tabelle automatisch vier positive Wertungspunkte abgezogen werden. Da Hagen bislang noch ohne Sieg in dieser Saison ist, ist ein Negativvortrag möglich.


Zum nächsten Ligaspiel bei den Telekom Baskets Bonn wird Phoenix Hagen definitiv antreten. Vermutlich auch mit dem bestehenden Spielerkader. Allerdings wird spekuliert, dass sich die Hagener, mit Einleitung der Planinsolvenz durch das Amtsgericht Hagen, von einigen Spielern und eventuell auch von ihrem langjährigen Trainergespann Ingo Freyer und Steven Wriedt trennen werden.

Mit diesen Coaches hat Hagen in den letzten Jahren stets die Liga sportlich halten können. Trotz des bekannt schmalen Budgets und auch trotz des Punkteabzuges in der letzten Saison. Sportlich sind sie erstklassig. Sportlich! Der Phoenix, der aus der der Asche der Brandt Hagen Pleite 2003 gestiegen war, er wird wohl wieder zur Asche.