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BBL-Samstag

22. Oktober 2016

Auch Ludwigsburg kann Ulms Offensive nicht stoppen

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Sechstes Spiel, sechster Sieg: Ulm Superoffensive vermöbelt die BBL-Konkurrenz weiter. Selbst Ludwigsburgs Defensivguru John Patrick findet keine Lösung. Berlin wendet die nächste Ligapleite gerade so ab. Und: Bayreuth reiht sich hinter den Top-3 ein. Alles Wichtige zu den Samstagsspielen des sechsten Spieltags in der Übersicht.  


RATIOPHARM ULM VS MHP RIESEN LUDWIGSBURG – 97:80 (48:34)
Top-Scorer: Per Günther (21) – Tekele Cotton, David McCray (beide 13)
Top-Rebounder: DeSean Butler (8) – Johannes Thiemann (5)
Top-Assistgeber: Braydon Hobbs (6) – McCray (5)

ALBA BERLIN VS BG GÖTTINGEN – 91:87 (44:39)
Top-Scorer: Elmedin Kikanovic (20) – Alex Ruoff (16)
Top-Rebounder: Dragan Milosavljevic (5) – Darius Carter (12) 
Top-Assistgeber: Peyton Siva (9) – Leon Williams (9)

BASKETBALL LÖWEN BRAUNSCHWEIG VS WALTER TIGERS TÜBINGEN – 70:98 (34:46)
Top-Scorer: Carlos Medlock (13) – Garlon Green (17)
Top-Rebounder: Geoffrey Groselle (11) – Gary McGhee (8)
Top-Assistgeber: Medlock (4) – Jared Jordan (8)

RASTA VECHTA VS EISBÄREN BREMERHAVEN86:90 (49:41)
Top-Scorer: Scott Machado (19) – Ivan Elliott (22)
Top-Rebounder: Philipp Neumann, Christian Standhardinger (6) – Elliott (11)
Top-Assistgeber: Machado (9) – Jordan Hulls (11)

GIESSEN 46ERS VS MEDI BAYREUTH82:100 (29:50)
Top-Scorer: Justin Sears (17) – De'Mon Brooks (21)
Top-Rebounder: Sears (9) – Assem Marei (7)
Top-Assistgeber: Skyler Bowlin (7) – Bastian Doreth (6)


Im Basketball wird viel über Rollen diskutiert. Der sechste Spieltag der Bundesliga ist angebrochen und jede Rolle wird langsam besetzt.

Ratiopharm Ulm bestätigt bisher, was sie vor der Sommerpause losgetreten haben. Ulm spielte damals famose Playoffs, scheiterte erst im Finale gegen Bamberg. Heuer will der Vizemeister die Marktführer Bamberg und Bayern erneut herausfordern – was bisher gut klappt. Alle sechs Ligaspiele hat Ulm gewonnen, ihr Angriff ist der beste der Liga. Da fanden selbst die Ludwigsburger, die vom Defensivtaktiker John Patrick angeleitet werden, kein Mittel. 97 Punkte fingen sie sich ein. Offensiv bleibt Ulm weiter unerreicht.

Eine etwas andere Rolle hat sich Alba Berlin wohl gewünscht. Zwar verhinderten die Hauptstädter die dritte Niederlage in Serie noch gerade so, gegen ersatzgeschwächte Göttingen plagte sich Berlin aber erneut lange. Erst in den finalen Minuten setzte sich Alba ab. Der neue Spielmacher Peyton Siva führte Berlin mit cleveren Abspielen zum Sieg. Siva ist so schnell wie kaum ein anderer BBL-Spieler, als Anführer taugte er bisher aber nicht wirklich. Die Schlussphase gegen Göttingen – wo BG-Neuzugang Alex Ruoff (16 Punkte) übrigens die Rolle zugesprochen wird, die ihm in Ludwigsburg verweigert worden war – deutete an, dass Siva die Rolle des Anführers besetzen kann.

Die Basketball Löwen Braunschweig scheinen derzeit mit einer Rolle in der BBL überfordert. Ihre Gegner reiben sich die Hände, für sie ist es die Chance, einen Punkte-Highscore aufzustellen. Bayreuth demonstrierte das vor einer Woche. Am Ende strahlte ein 96:48 auf der Anzeigetafel. An diesem Wochenende war Tübingen an der Reihe – und fertigte Braunschweig mit 98:70 ab.

Zurück nach Bayreuth: Dort leistet Trainer Raoul Korner formidable Arbeit. Im Sommer verließ er Braunschweig, wohl bewusst um die finanziellen Nöte, die sich dort auftun. Bayreuth gehört nicht zu den Superreichen, die Gelder reichen jedoch, um eine Mannschaft zusammenzustellen, die in der Rollenverteilung der BBL vorne mitmischt. In Gießen knackte Bayreuth die 100 Punkte – und holte den fünften Sieg im sechsten Spiel.

Den meisten BBL-Aufsteigern bleibt in ihrem ersten Jahr nur eine Rolle im Abstiegskampf übrig. Auch Vechta geht es da nicht anders. Zwar hält der Neuling stets gut mit, doch nähert sich ein Spiel dem Ende, lässt Vechta sich abhängen. Das war auch gegen Bremerhaven nicht anders. Bis ins letzte Viertel lag Vechta vorne, doch die finalen zehn Minuten entschieden die Eisbären mit 31:16 für sich.


Ulm ist sehr viel unberechenbarer als noch in der Vorsaison. Natürlich verfügt der Vizemeister über altbekannte Einzelkönner. Per Günther dirigiert Angriffe wie kaum jemand in der Liga, an guten Tagen ist er nicht zu stoppen. Raymar Morgan vernascht seine Gegenspieler regelmäßig unter dem Korb. Es scheint jedoch, als habe Ulm sich aus alten Abhängigkeiten befreit. Per Günther muss nicht mehr alles machen. Thorsten Leibenaths Kader ist so talentiert wie wohl nie zuvor. Nur taucht das im Boxscore nicht auf, wenn Chris Babb einen wunderbaren Extrapass spielt oder Taylor Braun gute Helpdefense liefert. Geredet wird nämlich trotzdem über Per Günther – er weiß nunmal, wie man unterhält:

5392 | Per Günther: "Ich will eine Straße in Ulm!"

Ulm kann aber noch besser werden: Augustine Rubit, der vielleicht beste Ulmer in den vergangenen Playoffs, fehlt noch verletzt. Schon jetzt entblößt die Ulmer Offensive die Konkurrenz, mit Rubit dürfte sie noch furchteinflößender werden. Der BBL kann das nur gut tun. Denn Bamberg und Bayern drohen der Konkurrenz zu enteilen.


Bayreuth. Es ist verblüffend, was der neue Trainer Raoul Korner in nur wenigen Sommermonaten geschaffen hat. Nur Ulm ist es gelungen, sein Team zu schlagen. Man kann anführen, dass Bayreuths Kontrahenten ansonsten nicht von höchstem Format waren. Doch die Aufsteiger Vechta und Jena sind unangenehme Gegner, Würzburg und Gießen besitzen Qualität. Richtig ist aber auch: Auf die großen Prüfungen wartet Korner noch. 

Bayreuths Basketballer dürften aber gerüstet, ihr Spiel hat System. Raoul Korner hat schon früh eine feste Neuner-Rotation etabliert. Der Verein hat entschieden, auf einen sechsten Ausländer zu verzichten. Das hat freilich auch finanzielle Gründe, doch Korner vertraut dem deutschen Kern um Andreas Seiferth, Steve Wachalski und Bastian Doreth. Der junge Robin Amaize hat zudem viel Potential. Derzeit machen aber die Ausländer, die Korner aufbietet, den Unterschied. Nate Linhart ist einer der besten Spieler der ersten BBL-Wochen. Joseph Lewis, Kyan Anderson und De'Mon Brooks spulen viele Minuten ab.

Es gehört auch immer ein Risiko dazu, die Verantwortung auf wenige Schultern zu verteilen. Eine einzige Verletzung kann viel verändern. Doch dieses Risiko müssen mit Ausnahme von Bamberg, Bayern und vielleicht Ulm alle Bundesligisten eingehen. Es scheint, als könnte sich Bayreuth hinter dieser Elitengruppe einreihen.