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22. September 2016

Danilo Barthel: Wenn dir die Playoffs einfach nicht mehr reichen

Von Florian Schmidt-Sommerfeld
@Schmiso

Danilo Barthel hat einen langen, harten Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft hinter sich und muss jetzt direkt beim FC Bayern Gas geben. Die Konkurrenz auf der Position des Power Forward ist groß, aber genau so will es der 24-Jährige. Playoffs mit Frankfurt reichen Barthel nicht mehr, er will Titel mit dem FC Bayern holen.

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Sehr aufgeräumt kommt Danilo Barthel zu seiner ersten Pressekonferenz als Spieler des FC Bayern, was durchaus überraschen darf. Der Sommer mit der Nationalmannschaft hat Spuren hinterlassen, vor allem in Barthels neuem Zuhause in München, das er erst am Montag bezogen hat. „Es steht alles noch kreuz und quer in der Wohnung, in den nächsten Tagen werde ich ein bisschen räumen. Meine Freundin schreibt noch Examen in Frankfurt, das muss ich noch alleine machen.“ Noch schläft Barthel zwischen Kisten auf seiner Matratze. Die Herausforderung Einrichtung dürfte für den Neu-Münchner aber nur ein kleines Hindernis bleiben, im Nationaltrikot hat er diesen Sommer ganz andere Schlachten geschlagen. "Uns war allen bewusst, dass wir in den letzten zwei Spielen liefern müssen, sonst hätte vier Jahre lang sozusagen keine Nationalmannschaft stattgefunden. Das hat uns Stärke gegeben“, blickt Barthel einige Tage zurück, auf das drohende Aus in der Qualifikation für die Europameisterschaft.
 

Danilo Barthel

Wir haben uns im Training geprügelt.


Der Druck nach den Niederlagen gegen Holland und Dänemark im dritten und vierten Spiel war riesig. "Wir waren zum Teil nervös. Aber da wir den ganzen Sommer als Team zusammengeblieben sind, haben wir uns nichts anmerken lassen“, resümiert Barthel, eine der Stützen des DBB-Teams in diesem Sommer. „Vor allem der Wechsel im Training hat den Unterschied gemacht“, erklärt der Power Forward die Leistungssteigerung in den letzten beiden Spielen, die souverän mit 20 Punkten gegen Österreich und 31 Punkten gegen Holland gewonnen wurden. „Wir haben wirklich geackert und physisch gearbeitet. Man kann fast sagen: Wir haben uns im Training geprügelt. Da lagen häufig Leute auf dem Boden. Das konnten wir gut ins Spiel übertragen.“


Die vielen Absagen – Dennis Schröder, Maik Zirbes, Per Günther, Maximilian Kleber, dazu die Abreise von Tibor Pleiss – haben die deutsche Mannschaft mächtig ins Wanken gebracht. „Das ist schade, weil Kontinuität das Wichtigste ist“, sagt Barthel über die Absagen, besonders mit Blick nach vorne. „Die Sommer müssen genutzt werden, um sich kennen zu lernen. Besonders mit dem neuen Spielplan in Zukunft, mit Quali-Spielen in der Saison, da werden keine großen Fenster für Trainingseinheiten sein."
 

Danilo Barthel zum Thema DBB

Es wäre gut, wenn der Stellenwert der Nationalmannschaft wieder nach oben rückt


Die Diskussion über das Standing der Nationalmannschaft bei den Spielern wird in ganz Basketball-Deutschland heiß diskutiert. "Ich verstehe die ein oder andere Absage“, erklärt Danilo Barthel, hebt aber den Finger: „Es wäre aber gut, wenn der Stellenwert der Nationalmannschaft wieder so nach oben rückt, dass alle alles dafür tun, im Sommer für die Nationalmannschaft zu spielen." Dass der Stellenwert der Nationalmannschaft „schon mal höher war“, fällt auch dem 24-Jährigen auf, Sorge um die DBB-Auswahl hat er aber nicht.  „Es gibt genug Leute, für die es eine Riesenehre ist, den Adler auf der Brust zu tragen. Gerade auch für mich." Nationaltrainer Chris Fleming hat bereits angekündigt, die Quali-Spieler auch bevorzugt mit zur EM zu nehmen. Für Barthel nach dem schwierigen Sommer der richtige Schritt. „Es ist gut, dass es anerkannt wird, dass man die Quali gespielt hat. Nicht wie in den letzten Jahren, als das nicht so viel gezählt hat. Hauptsache es wurde geschafft, aber nicht beachtet, dass die Spieler ihren Sommer dafür geopfert haben.“

Die Kehrseite des Sommers im Nationaltrikot bekommt Barthel jetzt selbst zu spüren. Ins Training beim FC Bayern steigt er viel später ein als die meisten seiner neuen Teamkollegen „Natürlich ist es wenig Zeit. Ich habe mich aber auch während der Nationalmannschaft vorbereitet, mir die Systeme angeschaut, um einen leichteren Start zu haben. Ich habe ein gutes Gefühl, die erste Trainingseinheit am Dienstag lief gut. Es war echt leicht mitzutrainieren.“ Statt Voigtmann, Theis und Lo heißen die Teamkollegen jetzt Booker, Kleber, Gavel und Co. „Ich komme in eine Mannschaft, die sich in der Vorbereitung ein bisschen gefunden hat. Ich stoße zu keiner Mannschaft, die neu ist. Es ist gut, Kernspieler zu behalten, wichtige Spieler wurden verlängert, neue Puzzleteile sind dazugekommen. Das ist alles sehr sehr stimmig“, lobt Barthel.


Noch gar nicht so lange her: Danilo Barthel (Mitte) gegen Bayerns Paul Zipser (mittlerweile Chicago Bulls)

Der stimmige, tief besetzte Kader bedeutet für Barthel aber auch: weniger Spielzeit und eine neue Rolle. In Frankfurt war Barthel unangefochtener Starter auf der Vier, legte zuletzt in 22 Minuten Spielzeit knapp zehn Punkte pro Spiel auf und griff vier Rebounds. „Meine Rolle wird sich erst über die nächsten Wochen definieren. Natürlich weiß ich, dass auf den großen Positionen große Konkurrenz herrscht, aber ich habe mich in den letzten Jahren so entwickelt, dass ich es auch in der Nationalmannschaft vom Backup zum Starter geschafft habe. Letztlich ist es auch nicht wichtig, ob man startet oder von der Bank kommt, so lange man gute Impulse bringt.“ Auf der Vier starten dürfte Nationalmannschaftskollege Maximilian Kleber, der, als er dann endlich auf dem Feld stand, in Bayerns schwacher Saison 2015/16 eines der weniger Glanzlichter war. Barthel kämpft mit den anderen Neuzugängen Vladimir Lucic und Alex King um die weiteren Spielanteile.

„Ich bringe Aggressivität, Kämpferwillen, gute Verteidigung, ich rede viel auf dem Feld. Auf der Vier habe ich Inside Vorteile gegen kleinere, schmächtigere Spiele, von Außen kann ich meine Ahtletik beim Drive ausspielen“, beschreibt Barthel seine Stärken und benennt damit auch seinen Vorteil gegenüber Lucic (2,04 Meter) und King (2,01), die auch als Small Forward auflaufen können. Mit 2,07 Meter und seinem Körperbau hat er Gardemaß für einen Power Forward der alten Schule, sein Ballhandling ist aber auf dem Level der neuen Generation Vierer, die ein Stück kleiner sind.
 

Danilo Barthel

Kann in Frankfurt nicht mehr auf der Ebene spielen, wo ich spielen will.


Danilo Barthel bildete in Frankfurt zusammen mit Center Johannes Voigtmann und Guard Konstantin Klein ein junges deutsches Dreigespann, von dem die meisten BBL-Teams nur träumen können. In den letzten beiden Jahren spielte Frankfurt stark auf, die drei jungen Deutschen wurden schon mit Anfang 20 zu gestandenen BBL-Startern, mehr noch: Voigtmann (jetzt in Spanien bei Laboral Kutxa Vitoria) und Barthel entwuchsen den Skyliners regelrecht. „Ich wollte den nächsten Schritt machen. Ich habe in Frankfurt nicht mehr gesehen, dass ich auf der Ebene spielen kann, wo ich spielen will.“

Was Barthel genau damit meint wird endgültig klar, als er nach seinen Zielen mit dem FC Bayern gefragt wird: „Ich bin hierhergekommen, um Titel zu gewinnen. Playoffs zu erreichen, das ist für mich kein Ziel.“ Eine Zielsetzung die aus dem FC Bayern-Handbuch stammen könnte. Eine Zielsetzung, die sich nur wenige Vereine in Deutschland auf die Fahnen schreiben können. Eine Zielsetzung, die aber in München erwartet wird. „Natürlich gab es auch andere Angebote“, sagt Barthel, „aber nach den Gesprächen hatte ich ein sehr gutes Gefühl und es ging schnell. Bayern sehe ich als Topclub in Europa und ich weiß, dass alles sehr gut organisiert ist.“ Danilo Barthel scheint bereits gut angekommen in München, nur eines muss er dann doch selbst organisieren: Das Einräumen seiner neuen Wohnung.