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BBL-Sonntag

23. Oktober 2016

Oldenburg ärgert Bamberg: Alles, nur nicht zimperlich

Von Fabian Wenninger

Die EWE Baskets Oldenburg machen es Brose Bamberg bis zum Schluss richtig unangenehm. Am Ende setzt sich dennoch der Meister durch – weil Oldenburg die Zeit abläuft. Im NRW-Derby bezwingt Bonn Phoenix Hagen. Die Gäste plagen aber weitaus größere Sorgen.

Der Abschluss des 6. Spieltags im Überblick.


BROSE BAMBERG VS EWE BASKETS OLDENBURG 83:77 (42:36)
Top-Scorer: Elias Harris (15) – Chris Kramer, Rickey Paulding (je 17)
Top-Rebounder: Daniel Theis (7) – Chris Kramer (5)
Top-Assistgeber: Janis Strelnieks (7) – Chris Kramer, Rickey Paulding (je 5)

TELEKOM BASKETS BONN VS PHOENIX HAGEN95:85 (51:53)
Top-Scorer: Filip Barovic (24) – David Bell (18)
Top-Rebounder: Konstantin Klein, Filip Barovic (je 7) – Owen Klassen, Trent Plaisted (je 8)
Top-Assistgeber: Josh Mayo (5) – David Bell (4)


Bamberg bleibt national unbesiegt. Dieser Satz lässt sich auch nach sechs Spieltagen nicht um-schreiben. Die EWE Baskets Oldenburg hätten dafür allerdings fast gesorgt. Bis zur Schlussminute hielten die Gäste mit, brachten Bamberg arg ins Wackeln. Als sich die Chance ergab, das Spiel per Dreier auszugleichen und in die Verlängerung zu schicken, fand Chris Kramer beim Einwurf allerdings keinen Abnehmer.

Noch immer ohne Erfolgserlebnis ist Phoenix Hagen. In diesen schwierigen Tagen, in denen es auch abseits des Feldes nichts zu feiern gibt, hätte dem Tabellenschlusslicht ein Sieg sicher gut zu Gesicht gestanden. Zur Halbzeit führten die Feuervögel in Bonn sogar knapp, ehe ihnen am Ende wieder die Federn Puste ausging. Sportlich abgeschlagen, dazu finanziell vor dem Ruin – Phoenix Hagen durchlebt die schwierigste Phase der Vereinsgeschichte.


Chris Kramer. Ja, richtig gelesen! Trotz des spielentscheidenden Ballverlusts kurz vor Schluss. An dem war der Veteran auch nur zur Hälfte beteiligt, weil sich Rickey Paulding, für den der Spielzug angesagt war, schlichtweg nicht von Daniel Theis freimachen konnte.
Vielmehr war es Kramer zu verdanken, dass Oldenburg bis zum Schluss auf Tuchfühlung mit Bamberg blieb. Der Dauerbrenner der EWE Baskets stand wie in den letzten Wochen erneut fast über die komplette Spielzeit auf dem Parkett. In der Defensive beackerte er Bambergs Guards effektiv, stellte Zisis und Strelnieks über weite Strecken kalt. Offensiv wuselte sich Kramer immer wieder geschickt zu teils enorm schwierigen Punkten. Am Ende führte er Oldenburg in allen relevanten Kategorien an.

5440 | Bamberg-Oldenburg: Chris Kramer


Der Arbeitsnachweis des Bamberger Teamarztes. Müsste er in diesem Fall aber eigentlich. Gleich zweimal musste Dr. Andreas Först im ersten Viertel ran. Erst nahm er Nicolo Melli mit in die Kabine, weil sich dieser bei einem Zusammenstoß am Auge verletzt hatte. Als er den blutenden Italiener versorgt und gerade entlassen hatte, kam mit Fabien Causeur schon der nächste Patient mit klaffender Wunde angerannt. Frei nach dem Motto: Doppelt (getackert) hält besser! Sowohl Melli als auch Causeur konnten nach nur wenigen Minuten wieder auf das Feld zurückkehren und halfen, den Bamberger Erfolg einzutüten. Wir vergeben deshalb den Titel des heimlichen MVP's an Dr. Andreas Först.


Weitaus fataler hat es Phoenix Hagen getroffen. Sechs Spiele, sechs Niederlagen, -4 Punkte. Die sportliche Krise ist in Hagen derzeit trotzdem nur Randnotiz. Unter der Woche wurde bekannt, dass dem Traditionsverein der Existenzverlust droht. Geschäftsführer Patrick Seidel, der seit Anfang September die Zügel in der Hand hält, wusste davon offenbar bereits bei seinem Amtsantritt: „Diese Herausforderung war mir bewusst“, erklärte er in der Halbzeitpause des Auswärtsspiels in Bonn im Telekom-Basketball-Interview. Neue Informationen über die Aufarbeitung der laufenden Plan-Insolvenz konnte Seidel nicht nennen. Er appellierte vielmehr an die Fans, welche die DNA des Vereins seien, ihren Club weiter zu unterstützen.

Die Anhänger, die sich auf die Reise nach Bonn gemacht hatten, stimmten dagegen mehrmals Sprechchöre gegen die Vorsitzenden an. Einige Banner hingen absichtlich umgedreht, um auf den chaotischen Zustand in Hagen hinzuweisen. Sie erweckten den Eindruck, dass die Kluft zwischen Verein und Fans eher größer als kleiner geworden ist.

In der schwierigsten Lage befinden sich derzeit die sportlichen Angestellten des Vereins, allen voran die Spieler. Sie warten – Stand Sonntagabend – seit einer Woche auf ihre Gehälter, wie Geschäftsführer Seidel bei Telekom Basketball verlauten ließ. Ob sie ihr Arbeitgeber überhaupt noch bezahlen kann, ist ungewiss. In Bonn stand dennoch eine Mannschaft auf dem Feld, die sich über 40 Minuten geschlossen präsentierte. „Wir wollten heute zeigen, dass wir auf keinen Fall aufgeben“, sagte der junge Marcel Keßen nach der Niederlage. Sucht man nach dieser chaotischen Woche in Hagen nach einer positiven Nachricht, findet man sie im Zusammenhalt des Teams.