easyCredit BBL Turkish Airlines EuroCup NBA

BBL-Montag

3. Oktober 2016

FC Bayern – das „B“ steht für Redding

Von Fabian Wenninger

Der 3. Oktober ist ein Feiertag – in diesem Jahr vor allem für die Basketballfans. Alle Alphatiere kamen einheitlich zum Einsatz. Die Bayern geben sich dank Reggie Redding keine Blöße in Göttingen. Ulm rettet den Sieg im Spitzenpiel gegen Berlin über die Zeit. Bamberg bleibt beängstigend gut – und Oldenburg erlebt gegen Vechta beinahe einen Super-GAU.


BG GÖTTINGEN VS FC BAYERN MÜNCHEN 63:94 (32:46)
Top-Scorer:
Scott Eatherton (20) – Maximilian Kleber (19)
Top-Rebounder: Eatherton (11) – Anton Gavel (5)
Top-Assistgeber: Mathis Mönninghoff (4) – Reggie Redding (11)

ALBA BERLIN VS RATIOPHARM ULM 94:98 (44:58)
Top-Scorer:
Dragan Milosavljevic (21) – Per Günther (19)
Top-Rebounder: Milosavljevic, Dominique Johnson (4) – Raymar Morgan (8)
Top-Assistgeber: Peyton Siva (5) – Per Günther (6)

BROSE BAMBERG VS WALTER TIGERS TÜBINGEN 85:45 (47:24)
Top-Scorer:
Darius Miller, Aleksej Nikolic (je 10) – Isaiah Philmore (14)
Top-Rebounder: Patrick Heckmann (6) – Julian Washburn (6)
Top-Assistgeber: Nicolo Melli (4) – Tim Deschner und vier weitere (2)

EWE BASKETS OLDENBURG VS RASTA VECHTA 79:76 (40:29)
Top-Scorer:
Frantz Massenat (18) – Frank Gaines (20)
Top-Rebounder: Chris Kramer (11) – Christian Standhardinger (7)
Top-Assistgeber: Kramer (5) – Scott Machado (10)


Den Abschluss des dritten Spieltags eröffneten mit Göttingen und dem FC Bayern zwei Teams, deren Weste nach zwei Spielen noch unbefleckt war. Relativ schnell wurde klar, dass das rote Exemplar der Bayern weiterhin frisch bleiben würde. Schnell waren die Münchner auf und davon. Zu schnell für die Göttinger, die den Rückstand nie mehr in den einstelligen Bereich schrauben konnten. Das lag vor allem an der Performance von Reggie Redding, der sich zurückmeldete.

Einen wahren Basketball-Krimi bekamen die Zuschauer in Berlin zu sehen. Ihre Albatrosse versuchten bis zum finalen Buzzer, den Rückstand gegen die furios gestarteten Ulmer aufzuholen. Bogdan Radosavljevic, der Berlin bereits am Freitag in Jena einen späten Comeback-Sieg beschert hatte, brachte Berlin wieder in Schlagdistanz. Der Führung, die sich Ulm vor allem in der ersten Halbzeit erspielt hatte, geriet in der Crunchtime arg in Bedrängnis, hatte letztendlich aber bis zum Ende bestand.

Sind auf einem Spielberichtsbogen die Worte „Brose“ und „Bamberg“ zu finden, kommt es aktuell zu keiner „Crunchtime.“ In der Regel laufen die Spiele folgendermaßen ab: Bamberg geht früh in Führung, Bamberg setzt sich ab, Bamberg bleibt uneinholbar, Bamberg gewinnt – mit beinahe doppelter Punktzahl. Diesem Muster entsprach auch das heutige Duell mit den WALTER Tigers Tübingen. 29:7 leuchtete es nach dem ersten Viertel auf der Anzeigetafel. Am Ende hatte sich Bamberg auf 40 Punkte abgesetzt. Tübingens Punktekonto blieb ohne Lokomotive Jared Jordan am Ende bei 45 Zählern stehen. Alles gesagt, oder? Daniel Theis fasst zusammen:

Blieb noch ein ungeklärtes Ergebnis. Oldenburg gegen Vechta, Traditionsverein gegen Aufsteiger. 35 Minuten entsprach das Nordwest-Derby auch den Kräfteverhältnissen. Oldenburg führte komfortabel mit 16 Punkten. „Das Ding ist durch,“ flüsterten sich die treuen Anhänger zu, einige machten sich schon auf den Heimweg. Doch in den verbleibenden Minuten sollte sich aus einem souveränen Heimsieg noch ein richtiges Drama entwickeln. Das „kostet Nerven“ (siehe unten!).


Reggie Redding. Nach vier Jahren in Tübingen und Berlin hatte es Redding 2014 nach Istanbul verschlagen. Weil das dortige Leben in diesen Tagen leider alles andere als sicher ist, stieg er im Sommer wieder in den Flieger nach Deutschland. Das Ziel? München. „Es ist toll wieder hier zu sein. Ich habe Deutschland sehr vermisst“, gestand Redding im Postgame-Interview. Da funkelten seine Augen, die Mundwinkel hatte er zu einem breiten Grinsen nach oben gezogen. Er hatte auch alle guten Gründe dafür.
16 Punkte schenkte Redding der BG Göttingen zuvor ein. Seit seiner Ankunft in München ist der Amerikaner aber noch viel mehr als ein reiner Scorer. Im System von Sasa Djordjevic fungiert er oft als Ballführer. Das er das kann, hat er spätestens in Göttingen gezeigt. Imposante elf Vorlagen verteilte Redding an seine Teamkollegen, nicht wenige davon spektakulär.

„Es ist einfach, wenn man mit guten Spielern zusammenspielt, die das Spiel verstehen“, reichte Redding das Lob an seine Teammates weiter. Er gibt nicht viel darauf, sich selbst zu rühmen. Dafür macht ihm seine Arbeit momentan einfach zu viel Spaß.


Ulm hat den Spieß komplett umgedreht. Nach dem katastrophalen Saisonstart im letzten Jahr stehen Per Günther & Co. nach drei Spieltagen mit der perfekten Ausbeute da. Keine Selbstverständlichkeit, hießen die letzten Gegner doch Oldenburg und Berlin. Speziell die ersten 20 Minuten in der Hauptstadt, als Ulm sensationelle 58 Punkte gelangen, haben gezeigt: Der Einzug in die Finals war kein Zufall. Ulm ist und bleibt ein Spitzenteam.

In höhere Tabellenregionen möchte auch wieder ALBA BERLIN vorstoßen. Das Potenzial ist zweifelsohne vorhanden, nur kann es das Team von Ahmet Caki momentan noch nicht über die vollen 40 Minuten abrufen. Besonders defensiv leistet sich Berlin – wie auch im dritten Viertel in Jena – teilweise noch eklatante Aussetzer. Gelingt es, diese Schwächephasen zukünftig abzustellen, kann sich ALBA mit den Alphatieren messen.


Oldenburgs grobe Fahrlässigkeit. Gegen Rasta Vechta führten die EWE Baskets souverän, ehe ihnen zum Teil haarsträubende Fehler unterliefen. Gemeint sind vor allem die Turnover. Ganze 22(!) Mal gaben sie den Ball unfreiwillig aus den Händen, 15 Mal davon direkt in die der Gäste aus Vechta. Angetrieben von Top-Scorer Frank Gaines (22 Punkte) startete der Aufsteiger eine Schlussoffensive, die es ohne die tatkräftige Mithilfe der Oldenburger so vermutlich nicht gegeben hätte. Denn bis auf die Steals war das Team von Mladen Drijencic Vechta in jeder Kategorie meilenweit überlegen. Zum Super-GAU kam es letztendlich nur nicht, weil ausgerechnet der ehemalige Oldenburger Scott Machado seine Freiwürfe nicht traf. So bleibt nach der Niederlage in Ulm am Samstag zumindest nur ein Auge blau.