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BBL-Freitag

17. März 2017

46ers schlagen Jena: Mit ein giesschen Glück und Geschick

Von Sebastian Ulrich

Ein bereits entschiedenes Spiel, das fast nochmal kippt. Jena verliert ohne ihren verletzten Star Marcos Knight letztendlich knapp. Gießen schnüffelt wieder an den Playoffs: Jena gegen Gießen in der Übersicht.


SCIENCE CITY JENA VS GIESSEN 46ERS - 71:77 (30:44)
Top-Scorer: Immanuel McElroy (21) - Cameron Wells (17)
Top-Rebounder: Oliver Clay, Kenneth Frease (beide 6) - Dwayne Evans (8)
Top-Assistgeber: McElroy (4) - Skyler Bowlin (8)


Das Halbzeitfazit überlassen wir heute einfach folgendem Screenshot aus der Halbzeitpause:

So. Genug der Bestrafung für Jena-Fans. In der zweiten Hälfte wurde dann schließlich alles anders. Plötzlich lief das Bällchen, die Dreier fielen – und Science City war wieder voll da. Die erste Führung des Teams von Björn Harmsen notierten die Statistiker 4:30 Minuten vor Ende des letzten Viertels. Am Ende reichte es nicht zum Sieg, aber zumindest zum zustimmenden Nicken aller Beobachter.


Jena. In diesem Spiel. Nachdem sie sich zunächst grandios verabschiedet hatten. Bereits zwei Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit waren die Blöcke der anwesenden Presse befüllt, der Sieg für Gießen in die Tabelle eingetragen. Doch Jena schaffte es, sich ohne Go-to-Guy Marcos Knight wieder zurück in die Partie zu beißen. Kurz vor Schluss taumelten die 46ers arg, wurden aber erst durch einen einfachen Verleger von McElroy und dann durch einen wilden Dreier in der Offensive am Leben gehalten. So gewinnt Denis Wucherer auch das zweite Spiel seit seiner Ankündigung, nach der Saison Schluss machen zu wollen. Dieses Mal war etwas Massel dabei.


Ballin‘ Bowlin! Der Skyler, ganz im Gegensatz zu der Skyler von Breaking Bad, macht einfach Spaß beim Zusehen. Vor allem in der Form, die der Point Guard heute auf die Platte legte. Karriere-High in erzielten Dreiern (4), geholten Rebounds (5), dazu acht Assists. Leider fiel auch Bowlin, wie der Rest seiner Truppe, im zweiten Durchgang so ein bisschen in sich zusammen. Wenn der 27-Jährige aber noch öfter so eine Performance zaubern kann wie heute, dann kann Gießen sein Gerüst in der kommenden Saison um den Amerikaner herum aufbauen.


Der Immanuel. In mehrerer Hinsicht. Der Kant natürlich, wie immer mit seinem kategorischen Imperativ, der auf Basketball umgemünzt in etwa lautet: Baller die Dreier stets so, wie du deinen Nebenmann die Dreier ballern sehen willst. Hier kommt Immanuel II ins Spiel: Der McElroy. Denn Jenas Small Forward, ganz Ohr, begann ab der Mitte des dritten Viertels brennend heißzulaufen und damit seinem Team das Comeback zu ermöglichen. Dass es dann ausgerechnet er war, der vierzig Sekunden vor Ende den Anschluss auf einen Punkt per relativ simplen Korbleger verpasste, ist wohl als Kritik der "Kritik der reinen Vernunft" durch die Basketballgötter zu sehen. Ein Spiel, das Sportler und Philosophen eint, wer hätte jemals damit gerechnet?


Musculus Fiber Militem. Die Muskelfaser des Knights. Denn die entschied sich vor Spielbeginn kurzfristig, den Geist zumindest teilweise aufzugeben. Jenas Topscorer Marcos Knight musste sich kurz vor Tip-Off aus dem Line-Up verabschieden. Nicht nur er, sondern das gesamte Offensivspiel von Science City war damit über zweieinhalb Viertel zum Lahmen verdammt. Die Anpassungen von Björn Harmsen um die klaffende Lücke auf der Point Guard Position herum, begannen erst sehr spät zu zünden, zu spät. Ohne Knight ist Jena ein anderes Team. Eine Realität, an die Science City sich wohl nächste Saison gewöhnen müssen wird.