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Season Preview

7. September 2016

BG Göttingen: Roijakkers Rasselbande

Von Fabian Wenninger

3 aus 18 – die Preview-Show bei Telekom Basketball geht weiter. Nach den beiden Aufsteigern Vechta und Jena blicken wir auf den Verein, der sich erst in allerletzter Sekunde aus dem Abstiegsstrudel befreit hat: Die BG Göttingen.

Kaum eine Mannschaft hat einen so turbulenten Sommer hinter sich wie die Niedersachsen: Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt vergangene Saison haben die Göttinger Publikumslieblinge und Leistungsträger verloren. Nur der Trainer und ein deutsches Trio haben den Umbruch überstanden – an der sportlichen Situation ändert das aber nichts.

Ein gutes Abführmittel suchen. Zumindest die Fans der Veilchen. Denn sie mussten verdauen, wie ihnen ihre Lieblinge entrissen wurden.

Da wäre natürlich zuallererst Khalid El-Amin zu nennen. Dem unangefochtenen Publikumsliebling wurde – wohl auch aufgrund seines Alters (37) – kein neuer Vertrag vorgelegt. Genauso wie Ian Hummer, dem besten Rebounder. Topscorer Harper Kamp unterschrieb beim Konkurrenten in Bremerhaven. Viel mehr dürfte allerdings der Verlust von Robert Kulawick schmerzen. Der Held, der den Abstieg im April verhindert hatte. Der Mann mit dem blonden Zopf, der anschließend unter Tränen der Stadt und dem Verein seine Liebe gestand. Selbst "Kulle" zog weiter.

4368 | Robert Kulawick: "Ich liebe diese Stadt, ich liebe dieses Team!"

An die neuen Gesichter und Namen wie Darius Carter, Scott Eatherton oder Leon Williams müssen sich die BG-Anhänger erst noch gewöhnen. Zumindest die Veteranen Benas Veikalas und Rückkehrer Adam Waleskowski dürften in Göttinger Kreisen bekannt sein. Ebenso der ehemalige Tübinger Jesse Sanders, der den neuen Strippenzieher im Backcourt gibt.

Während der Kader neu formiert und einer drastischen Verjüngungskur unterzogen wurde, blieb der Posten an der Seitenlinie unberührt. Dort tigert nach wie vor Johan Roijakkers auf und ab. „Er ist die einzige Konstante“, betont Telekom-Basketball-Kommentator Daniel Pinschower.


Es wird nicht einfacher für Head Coach Johan Roijakkers

Seit 2012 ist der Niederländer Roijakkers für den Basketball in der Universitätsstadt verantwortlich, führte den Verein zwei Jahre später zurück in die Bundesliga. In Göttingen ist das Vertrauen in seine Fähigkeiten groß. Daran änderte auch die schwierige vergangene Spielzeit nichts. Als Trainer und Sportdirektor in Doppelfunktion gestaltete der 35-Jährige das Team maßgeblich nach seinen Vorstellungen. Sein Fazit nach dem Trainingsstart: „Wir sind viel besser als letztes Jahr.“
 

Nach dem Abgang von Retter Kulawick sehnten sich die Fans nach einer neuen Identifikationsfigur. Die wurde umgehend verpflichtet – in Person von Andrej Mangold. Der „Verteidigungsminister“ brachte neben seiner Kettenhund-Mentalität aber auch seine Verletzungsanfälligkeit aus Bonn mit. Die bittere Diagnose Mitte August: Kreuzbandriss. Mehrere Monate Pause.

Weil Mangold zum Zuschauen verdammt ist, wird Mathis Mönninghoff sicherlich noch mehr Minuten sehen. Der fünffache Nationalspieler hat sich in den letzten Monaten laut Roijakkers enorm entwickelt, ihm winkt sogar ein Platz in der Starting Five. „Er wird ein wichtiger Spieler für uns sein", sagt der Niederländer.

Malte Schwarz und Dominik Spohr, der sich bereits seit 2013 das Trikot der Lilien überstreift, ergänzen Roijakkers Rotation. Der erst kürzlich verpflichtete Amerikaner Adam Waleskowski, der auch einen deutschen Pass besitzt, wird im dünn besetzten Frontcourt ebenfalls reichlich Spielzeit bekommen. Dagegen werden die Nachwuchstalente Daniel Borchers, Joanic Grüttner und Johannes Menzel nur sporadisch berücksichtigt werden.
 

Göttingen ohne Typen wie El-Amin oder Kulawick? Daran müssen auch wir bei Telekom Basketball uns erst noch gewöhnen. Nach dem turbulenten Sommer gleicht Göttingen einer Wundertüte. Der Inhalt? Jung, hungrig und nur darauf aus, sein Können zu beweisen. Im Oktober warten bereits der FC Bayern, Oldenburg und Berlin. Da muss Roijakkers Rasselbande fast schon die ein oder andere Sensation gelingen, um nicht gleich von Beginn an Richtung Tabellenkeller abzudriften, aber selbst wenn das passieren sollte - Abstiegskampf heißt bekanntlich auch: Intensive und packende Spiele. Vor allem wenn diese in der altehrwürdigen Lokhalle stattfinden, die um die Weihnachtszeit alternativ bespielt wird: Upset-Potenzial!


„Für Göttingen wird es ähnlich schwierig wie im letzten Jahr. Es wird von Anfang an nur um den Klassenerhalt gehen. El-Amin ist weg, Hummer ist weg, Kamp ist weg, Gotbold ist weg. Und auch Robert Kulawick ist weg, der Held in diesem dramatischen Finale. Das ist natürlich ein Problem für die Truppe. Dass sich Mangold verletzt hat, ist ganz blöd. Man kann diesem Team und der ganzen Region nur die Daumen drücken, dass die anderen Neuen einschlagen.

Göttingen ist ein traditioneller Basketball-Standort in Deutschland und die Erwartungen sind dort natürlich immer sehr hoch. Aber Im Umfeld weiß man, was die Mannschaft und der Verein leisten kann. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Abstiegskampf.“
 

Name Alter Nationalität Position
Daniel Borchers 19 GER Guard
Leon Williams 25 NED Guard
Darius Carter 23 USA Forward
Scott Eatherton 24 USA Center
Joanic Grüttner 23 GER Guard
Andrej Mangold 29 GER Guard
Johannes Menzel 19 GER Guard
Mathis Mönninghoff 24 GER Guard
Malte Schwarz 27 GER Guard
Jesse Sanders 27 USA Guard
Dominik Spohr 27 GER Forward
Benas Veikalas 32 LTU Guard
Adam Waleskowski 33 USA/GER Forward