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8. September 2016

Eisbären Bremerhaven: Hält der Machowski-Effekt?

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Die Vergangenheit hat gelehrt: Im ersten Jahr sind die Tricks des Trainers Sebastian Machowski immer aufgegangen. Nachdem er Bremerhaven im Frühjahr vor dem Abstieg bewahrt hat, durfte er sich im Sommer austoben. Er hat den Kader ausgemistet und die Philosophie ausgetauscht. Aber hat er auch den Erfolg gesät?


Auf Sebastian Machowski gehört, den neuen Befehlshaber in Bremerhaven. „Wir haben im letzten Jahr nicht geglänzt und in den letzten drei Jahren nicht geglänzt“, hat Geschäftsführer Jan Rathjen kürzlich dem „Weser Kurier“ gestanden. „Deshalb machen wir mit Sebastian Machowski als neuem Trainer einen kompletten Neuanfang.“ Nun gibt es wahrlich schlechtere Optionen, als auf Machowski zu hören (siehe: Der Trainer).

Er hat die Eisbären im Frühjahr vor dem Abstieg bewahrt. Im Verein wird er bewundert. Jan Rathjen etwa schwärmt: „Für uns ist es ein Glücksfall, dass wir ihn überhaupt bekommen haben.“ Das ist ein Satz, der viel verrät über Machowskis Machtposition. Im Sommer hat er sie ausgespielt. Nur zwei Spieler sind geblieben, Fabian Bleck und Waverly Austin.

Der Rest ist weg. Auch Kyle Fogg, der beste Scorer der Liga. Machowski hat sich eine eigene Mannschaft zusammengebaut. Mit dabei sind Harper Kamp und Ivan Elliott. Sie haben ihre BBL-Tauglichkeit schon in Göttingen und Hagen demonstriert. Quincy Diggs und Jordan Hulls müssen das noch nachweisen. Diggs hat sich in Österreich als MVP hervorgetan, Hulls in Belgien mit einer fantastischen Freiwurf-Serie (75 von 78 über die Saison). Die Fachleute rätseln noch, was das wert ist. Auch Arne Malsch. Der Telekom-Basketball-Kommentator sagt: „Bremerhaven ist die ganz große Wundertüte.“



Wird in diesen Tagen oft gelobt. Vor allem von Jan Rathjen. Der Eisbären-Geschäftsführer sagt zum Beispiel: „Er ist ein sehr erfahrener Trainer mit viel Qualität, der immer erfolgreich gearbeitet hat.“ Das muss er auch sagen, schließlich hat er Machowski eingestellt, trotzdem ist an seinen Worten was dran.

Geschäftsführer Jan Rathjen

Er ist ein sehr erfahrener Trainer mit viel Qualität, der immer erfolgreich gearbeitet hat.

Bei seinem BBL-Premierenjob in Braunschweig hat Machowski nicht nur die örtliche Playoff-Dürre beendet, sondern in der ersten Runde direkt Titelverteidiger Oldenburg überrumpelt. Das hat Eindruck hinterlassen, denn Oldenburg hat Machowski später selbst verpflichtet. Fast wären sie darauf zusammen Meister geworden, aber Bamberg machte den Spielverderber. Im letzten Jahr war Oldenburg dann die Laune vergangen, nach einer Niederlagenserie entließen sie Machowski. Das war ihm zuvor noch nie passiert.

In Bremerhaven setzte der Machowski-Effekt wieder ein: Er machte eine Mannschaft auf Anhieb besser – und umschiffte die Abstiegszone. Jetzt will er mit den Eisbären einen neuen Kurs einschlagen. Die Zeit besitzt er, im Sommer hat er einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben.
 



Sind mit Risiko behaftet. Lars Wendt kommt aus der ProA, Adrian Breitlauch sogar aus der ProB. Letzterer hätte den idealen Namen, um einen Fitnesskanal auf YouTube zu starten, ob es für die BBL genügt, ist ungewiss. U-20-Nationalspieler Sebastian Schmitt war Profi des FC Bayern, hat da aber fast nie gespielt. David Brembly hat auf jeden Fall Bundesliga-Niveau, sich aber schon wieder den Mittelfuß gebrochen. „Er hätte die Möglichkeit, in Bremerhaven etwas zu verändern“, glaubt Arne Malsch. Vorerst bleibt es beim Konjunktiv.



Weil das kleine Bremerhaven sogar den Superreichen der Sportwelt trotzt. In einem Testspiel haben die Eisbären die Nationalmannschaft Katars geschlagen. Ganz im Gegensatz zu den Sportfürsten des Wüstenstaats hat Sebastian Machowski eine nachhaltige Idee im Kopf. Er strebt Teambasketball an. Das klingt irgendwie immer überambitioniert, seitdem Andrea Trinchieri mit Bamberg neue Maßstäbe gesetzt hat. Aber Bremerhaven muss ja nicht Bamberg sein.
 

 

Telekom-Basketball-Kommentator Arne Malsch

Bremerhaven ist die ganz große Wundertüte.

„Bremerhaven hat einen kompletten Umbruch hinter sich nach einem wirklich desaströsen Jahr. Was ihnen jetzt bevorsteht, ist hoffentlich ein bisschen Ruhe. Sebastian Machowski konnte seine eigenen Vorstellungen miteinbringen. Es gibt jetzt klassische Aufbauspieler und nicht gnadenlose Scorer wie Jerry Smith oder Kyle Fogg, der ihnen im Zweifel im Alleingang noch ein paar Spiele gerettet hat. Das soll es nicht mehr sein. Sie wollen jetzt mehr Teambasketball spielen und dann können sie wesentlich besser da stehen als in der letzten Saison.“
 

Name Alter Nationalität Position
Adrian Breitlauch 22 GER Guard
Evan Smotrycz 25 USA Forward/Center
Fabian Bleck 23 GER Forward
Jordan Hulls 26 USA Guard
Quincy Diggs 26 USA Guard/Forward
Ivan Elliott 29 USA Forward
Lars Wendt 23 GER Guard
Waverly Austin 25 GER Center
Harper Kamp 28 USA Forward/Center
David Brembly 23 GER Guard/Forward
Sebastian Schmitt 20 GER Guard