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Season Preview

9. September 2016

WALTER Tigers Tübingen: Alles auf Reset

Von Fabian Wenninger

Der Trainer, der Taktgeber und zwei Nachwuchstalente – das ist alles, was von den WALTER Tigers Tübingen aus der Vorsaison noch übriggeblieben ist. Geschäftsführer und Sponsor haben keine Lust mehr auf Abstiegskampf. Der Kader wurde mit BBL-Erfahrung bespickt. Im Visier? Ein Mittelfeldplatz. Mindestens.


Den Reset-Knopf gedrückt. „Manchmal ist es wichtig, einen kompletten Neustart zu wagen“, erklärte Geschäftsführer Robert Wintermantel kürzlich auf der Teampräsentation. Seit 2007 hält Wintermantel die Zügel in Tübingen bereits in seinen Händen. Das beste Resultat? Platz 10 in der Saison 2012/13.

Die Rahmenbedingungen in der großen Kreisstadt Tübingen sind freilich anders. Einen Automobilriesen, der kontinuierlich Millionen in den Verein pumpt, gibt es nicht. Größter Geldgeber der Tigers ist die ortsansässige Walter AG. Der Werkzeughersteller für Metallzerspanung subventioniert den Verein nun schon im 13. Jahr. Der Vorstandsvorsitzende Mirko Merlo betont: „Dabei sein reicht uns nicht. Wir wollen auch erfolgreich sein.“
Die Dauerkarte „Abstiegskampf“ wollen sie in Tübingen endlich loswerden. Ein Platz im Mittelfeld soll es am Saisonende sein. Mindestens. Dafür stellte Wintermantel das Team nahezu komplett neu zusammen. Seine schlichte Strategie? Zügig deutsche Spieler an Land ziehen, um sich anschließend gezielt um die „Importspieler“ zu kümmern.
Wintermantel setze dabei vor allem auf gestandene BBL-Profis wie Álvaro Muñoz oder Isaiah Philmore. Auch Barry Stewart oder Gary McGhee kennen die Liga aus früheren Tagen. Besonders McGhee nimmt durch den Abgang von Bogdan Radosavljevic (ALBA Berlin) eine Schlüsselrolle unter dem Korb ein. Angeführt wird Tübingen aber nach wie vor von Jared Jordan. Der beste Vorlagengeber der abgelaufenen Saison ist der einzige Leistungsträger, der den Umbruch überstanden hat. „Ich will kommende Saison noch mehr als Führungsspieler auftreten“, macht Jordan klar.


Heißt nicht mehr Igor Perovic. Sieben Jahre hintereinander war das zum Saisonstart noch so. Doch der Serbe erklärte kurz vor dem Jahreswechsel seinen Rücktritt. Wintermantel reagierte prompt und heuerte Tyron McCoy an. Warum? Weil kaum ein anderer US-Amerikaner die Liga so gut kennt. McCoy kam 1998 nach Deutschland, spielte in Gießen und Oldenburg, wo auch sein Trikot unter der Hallendecke hängt. Seit 2008 beackert er die Coaching-Zonen. Erst als Assistent in Ludwigsburg und Quakenbrück, dann als Cheftrainer, ehe sich die Dragons aus der Bundesliga zurückzogen. Den Abstieg mit Tübingen hat er letztes Jahr noch verhindert. Jetzt will er die Tigers in glorreichere Zeiten führen. „Alles ist möglich“, frohlockt McCoy.

Gibt seit Dezember 2015 die Richtung vor: Tyron McCoy

Der 43-Jährige gilt – auch wegen seiner langjährigen aktiven Karriere – als „players coach.“ Viele Neuzugänge unterstrichen, dass McCoy bei ihrer Entscheidung eine große Rolle eingenommen habe. „Ich will Jungs haben, die sich nicht mit Durchschnitt zufriedengeben“, macht er klar.


„Er stand von Anfang an ganz oben auf unserer langen Liste“, verkündete Wintermann stolz, als Isaiah Philmore die Unterschrift unter seinen Vertrag gesetzt hatte. Der US-Amerikaner mit deutschem Pass war einer der wenigen Lichtblicke in einer katastrophalen Bonner Saison. „Mit welcher Effizienz er unter der den Körben agiert, hat uns sehr beeindruckt.“ Wunschspieler Philmore hat – sofern sein Körper mitmacht – beste Chancen auf eine tragende Rolle unter McCoy.

Robert Wintermantel über Neuzugang Isaiah Philmore

Er war von Anfang an unser absoluter Wunschspieler

Álvaro Muñoz, der neben der spanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wird sicher den ein oder anderen Dreier einstreuen. Mit Mauricio Marin (rent4office Nürnberg/ProA) und Yasin Kolo (Bellarmine Knights/NCAA) stehen McCoy zwei neue Optionen zur Verfügung, die ihr Potential auch auf BBL-Niveau zeigen wollen.
An dieses Level sollen Tim Deschner und Jeferson Hiller langsam herangeführt werden. Die beiden Eigengewächse werden zwar aufgrund der „6+6-Regelung“ meistens im Kader stehen, jedoch kaum Spielzeit erhalten.


Jordan. Nicht Michael, sondern Jared. Tübingens Mastermind mag zwar nicht mehr über den schnellsten Antritt verfügen. Seine Zuckerpässe versüßen uns aber immer noch jeden Basketball-Abend. Es gibt nur wenige Spieler in Europa, die das Feld so überblicken wie Jordan.
Auch ohne Slam-Dunk-Champion Garlon Green hat Tübingen seinen Stammplatz in der Telekom-Basketball-Top10 (wöchentlich auf telekombasketball.de) deshalb sicher. Jordans Traumanspiele können schließlich auch Philmore oder McGhee durch den Ring stopfen.


„Sollte Tübingen verletzungsfrei bleiben, haben sie mit dem Abstieg nichts zu tun. Es war unheimlich wichtig, dass sie Jared Jordan gehalten haben. Er führt die Mannschaft an und macht seine Jungs besser. Das ist vor allem bei so einer Mannschaft wichtig, die komplett neu zusammengestellt wurde.
Sie haben viele Jungs geholt, die schon einmal in der BBL waren. Munoz, McGhee, Stewart. Die haben alle schon Erfahrung in Deutschland gesammelt.
Insgesamt sind die großen Positionen ein bisschen kleiner und variabler besitzt, ähnlich wie in Ulm letztes Jahr. Und es ist immer wichtig für Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte, dass ein Spieler sofort einschlägt. Wenn das funktioniert, landet Tübingen im gesicherten Mittelfeld.“

Name       Alter     Nationalität Position
Jared Jordan  31     USA    Guard
Álvaro Muñoz   25   ESP/GER Forward
Isaiah Philmore 26 USA/GER Forward
Mauricio Marin 22 GER   Guard
Tim Deschner 18 GER   Guard
Jeferson Hiller 17 GER   Guard
Yasin Kolo 24 GER   Center
Stanton Kidd 24 USA   Forward
Gary McGhee  27  USA   Center
Julian Washburn 24   USA   Forward
Barry Stewart  28   USA   Guard
Anthony Myles  24    USA   Guard