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Körners Corner

26. April 2017

Allheilmittel Playoffs? Finger weg, Fußballer!

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Vor einigen Monaten gab es in der Fußballszene eine Diskussion zum Thema Playoffs. Angesichts der Bayern-Dominanz in der Bundesliga sei die reguläre Saison doch so langweilig, unkten manche Beobachter, man könne doch Playoffs einführen. So wie beim Basketball oder Eishockey. Das sei immer so spannend. Die Gegner wetterten, Playoffs seien eine künstliche und überdies unsportliche Aufblähung. Karl-Heinz Rummenigge verwarf schließlich den Ansatz mit der Begründung „Eine Idee aus der Mottenkiste.“ Und mit Blick auf die Rolex: „Das haben wir schon vor 15 Jahren diskutiert. Kommt nicht in Frage.“ 

Da finden sich schon einige diskussionswürdige Ansätze:

Fußball ist langweilig
Das ist sicherlich richtig. Oder sagen wir es so: Es ist längst nicht immer so spannend wie man aufgrund des hiesigen Aufmerksamkeitsgrades vermuten könnte.
Nach der weltweit dutzendfach bewiesenen Aussage „Geld schießt Tore“ müssen wir uns mit Folgendem abfinden: Die finanzstärksten Vereine leisten sich die teuersten Spieler, sind erfolgreich und ziehen die Sponsoren an wodurch sie noch reicher und erfolgreicher werden. Sprich: Der FC Bayern wird Meister. Während in anderen Ligen immerhin noch drei, vier Teams um den Titel kämpfen, ist es in Deutschland aktuell tatsächlich sehr einseitig. Die Bayern scheinen auf Jahre den nationalen Titel abonniert zu haben. Mal abgesehen davon, dass es für die gleichmäßige Verteilung von Geld auf dem gesamten Planeten keine Lösung gibt (da sie im System auch nicht vorgesehen ist), scheint es aber für den Zuschauer in der aktuellen Situation alles andere als langweilig zu sein. Denn Spannung wird auch durch den Aufbau anderer Dramaturgien generiert: Aufstieg, Abstieg, Europa-Qualifikation oder einfach auch nur die Herausforderung, gegen ein Top-Team zu gewinnen. Selbst die Tatsache, dass die Mehrzahl der Spiele rein spieltechnisch nicht unfassbar aufregend ist, scheint so richtig niemanden zu interessieren.

Playoffs fördern die Spannung
Ja, natürlich sind Playoffs spannend. Sie basieren auf dem K.O.-System, dem ultimativen sportlichen Wettkampfkick. Aus zwei mach eins. Sie geben den Underdogs die Chance, die Favoriten aus dem Wettbewerb zu kegeln. Eine Playoff-Serie entwickelt eine eigene Dynamik und fördert Rivalitäten. Zudem wächst die Spannung mit zunehmender Dauer einer Auseinandersetzung. Es kulminiert unter Umständen in einem an Drama nicht mehr zu überbietenden Showdown eines entscheidenden letzten Spiels. 

Playoffs sind unsportlich
Das Hauptargument der Playoff-Gegner: Das beste Team der Saison wird unter Umständen um seinen Lohn gebracht. Es gewinnt in der regulären Saison alle Spiele rauf und runter und verliert dann aufgrund einer kurzzeitigen Formschwäche eine Serie und ist draußen.
Aufgrund der mir persönlich innewohnenden Sportromantik, habe ich sogar ein gewisses Verständnis für diese Argumentation.

Aber der „Nur-Glühbirnen-erzeugen-warmes-Licht“-Fraktion sei gesagt: Nein. Auch LEDs. Manchmal muss man einfach wohlgewonnene Überzeugungen über den Haufen werfen. Playoffs sind jedenfalls niemals unsportlich.

Sie sind der zweite Teil einer Saison und wer dann schwächelt, der schwächelt im zweiten Teil der Saison. So einfach ist das. Außerdem sollte zumindest ab einer "Best-of-Five"-Serie dem tatsächlich stärkeren Team auch die Möglichkeit des Gesamterfolgs gegeben worden sein.

Playoffs sind eine Idee aus der Mottenkiste
Mal abgesehen davon, dass das Wühlen in einer Mottenkiste sehr spannend sein kann: Playoffs müssen nicht sein. Nur weil durch die zeitweilige Dominanz eines Clubs die sportliche Meisterfrage frühzeitig geklärt ist, muss man nicht das Spielsystem revolutionieren. Erst recht nicht, wenn es mit dramatischen Spielplanänderungen einhergehen würde.

Wir Menschen mögen Rituale. Und die Fußball-Bundesliga ist so ziemlich das deutscheste Sportritual überhaupt. Hier zieht ja schon eine Welle der Empörung durchs Land, wenn ein Spiel nicht am Samstag um 15:30 Uhr stattfindet.

Fußball braucht keine Playoffs. Fußball braucht überhaupt keine Veränderungen. Es gibt sicherlich zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten: Zeitstrafen statt gelber Karten, flexiblere Spielerwechsel, Abseits erst ab Höhe 16er etc. Aber eine Sportart, die 150 Jahre gebraucht hat, um dem Schiedsrichter ein Hilfsmittel für den richtigen Mauerabstand an die Hand zu geben (lang lebe das Freistoßspray!) und trotzdem immer noch zu den erfolgreichsten weltweit gehört, braucht vermutlich nur den Fortbestand geltender Regularien.

Wohingegen wir Basketballer uns weiterhin dauerhaft darüber ergötzen werden, wie ein Sportereignis 0:0 ausgehen kann. UND JETZT SOLLEN BITTE ENDLICH DIE PLAYOFFS BEGINNEN.