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Kochs Kolumne

14. Juni 2017

And the winner is: Bamberg!

Stefan Koch

Von Stefan Koch

Glückwunsch an den alten und neuen Deutschen Meister. Seit drei Spielzeiten genieße ich das Privileg, die Spiele der Basketball-Bundesliga bei Telekom Basketball kommentieren zu dürfen. Die Antwort auf die finale Frage nach dem Titelträger lautet auch in dieser Saison so wie in den beiden Jahren davor. Manche Dinge sind so, wie sie sind. Fast ist man geneigt, Gary Linekers Zitat („Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“) als Erklärung umzuformulieren, indem man „Fußball“ durch „Basketball“, „22“ durch „10“, „90“ durch „40“ und „Deutschen“ durch „Bamberger“ ersetzt. Im Sport gilt beständiger Erfolg als besonders schwierig und wird deshalb auch entsprechend anerkannt und bewundert. Auf der anderen Seite wird er aber häufig auch mit dem Makel der Langeweile versehen. Trotz der siebten Bamberger Meisterschaft innerhalb von acht Jahren können wir aber auf eine aufregende Spielzeit zurückblicken, die mit Lizenzentzug von Phoenix Hagen auch einen schmerzhaften und nachdenklich machenden Tiefpunkt zu überstehen hatte. Nach dem letzten Saisonspiel möchte ich heute gerne ein paar Fragen beantworten, die an mich herangetragen worden sind.

Was macht die "Schönheit" des Bamberger Spiels aus?

Die Bamberger verstehen es auf einem unfassbar hohen Niveau einen erarbeiteten Vorteil weiter auszubauen. Es sind nicht ihre Angriffssysteme, die sie vom Rest der Liga separieren, sondern wie sie die aus der ersten Aktion entstandene Situation weiterentwickeln. Der Vorteil wird mit jedem folgenden Block, Pass oder Dribbling ausgebaut. Das geschieht dadurch, dass die Spieler schnelle (die Akteure wissen schon bevor sie den Ball fangen, was sie tun werden) und richtige Entscheidungen (häufiger als bei anderen Teams wird der Ball an die sinnvollste Station weitergeleitet) treffen. Wenn die Verteidigung einmal rotiert, ist es unmöglich, gegen die Schnelligkeit und Präzision des Bamberger Passspiels wieder klare Zuordnungen zu finden. Das sind die Grundlagen dieser Ballstafetten, die wir zurecht als schön und ästhetisch wahrnehmen.

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Warum hat Ulm als Hauptrundenprimus nicht das Finale erreicht?

Es ist toll für die Liga, dass die Ulmer mit einem deutlich kleineren Budget bewiesen haben, dass es möglich ist, mit den beiden Finanzgiganten zu konkurrieren. Die Siegesserie spricht für die Qualität des Programms, das unter Thorsten Leibenath eine bewundernswerte Konstanz auf hohem Niveau gefunden hat. Obwohl Per Günther und Co keinen Titel gewonnen haben, werte ich die Saison als großen Erfolg. Die Verletzung von Tim Ohlbrecht und der Ausfall von Da’Sean Butler in den Playoffs waren letztendlich nicht zu kompensieren. Allerdings wäre die Finalteilnahme trotzdem möglich gewesen. Die Niederlage im zweiten Spiel der Halbfinalserie nach einem 27-Punkte-Vorsprung zur Pause hat dieses Duell zugunsten von Oldenburg entschieden.

Stefan Koch über das Spielmacher-Problem des FC Bayern

Benötigen die Bayern einen dominanten Point Guard oder sollten sie ihr Spiel nach Bamberger Vorbild organisieren?

Warum haben die Oldenburger das Finale erreicht?

Weil sie besagte Partie gegen Ulm mit einem unglaublichen Kraft- und Willensakt noch gedreht haben, und weil sie zum Ende der Hauptrunde ihren Rhythmus gefunden und zum richtigen Zeitpunkt ihren besten Basketball abgerufen haben.

Warum sind die Bayern hinter den Erwartungen zurückgeblieben?

Der designierte Bamberg-Herausforderer hat sich im Saisonverlauf gesteigert, für manche Experten sogar in einem solchem Maße, dass er vor den Playoffs als größter Titelkandidat galt. Nach der schon schwierigen Berlin-Serie kam die Ernüchterung gegen Bamberg. Die Trinchieri-Schützlinge konnten wenn nötig in einen höheren Gang schalten (von Spielmodus in Gewinnmodus), die Bayern nicht. Die Besetzung der Spielmacherposition bei den Bayern zog sich als Thema über die komplette Saison. Schon jetzt wird für die kommende Spielzeit gefragt, ob die Münchner einen dominanten Pointguard benötigen, oder ob sie den Spielaufbau nach Bamberger Vorbild organisieren sollten?

Stefan Koch über den entlassenen Berliner Trainer Ahmet Caki

Eine Chemie hat sich weder zwischen ihm und dem Management noch zwischen ihm und den Spielern entwickelt.

Wer waren die positiven Überraschungen?

Ulm, Bayreuth und Gießen. In Bayreuth hat Raoul Korner mit klarer Struktur und Rollenverteilung eine neuformierte Mannschaft auf Platz vier geführt, die über weite Strecken der Saison mit nur fünf Ausländern gespielt hat.

Bei den Gießen 46ers schaffte es Denis Wucherer trotz Mini-Etat und schwächerem spielenden Personal als im Vorjahr erneut an die Playoff-Tür zu klopfen.

Was war das größte Missverständnis?

Die Verpflichtung von Ahmet Caki. Vor der Spielzeit wurde der Türke als „Wunschtrainer“ von ALBA Berlin angepriesen, im Verlaufe der Saison entwickelte sich weder zwischen ihm und dem Management noch zwischen ihm und der Mannschaft eine Chemie.

Jetzt steht mit Aito Garcia Reneses ein ganz großer internationaler Name an der Seitenlinie. Der bereits 70 Jahre alte Spanier hat eine Ehrfurcht einflößende Erfolgsbilanz vorzuweisen, aber auch noch nie außerhalb seines Heimatlandes gearbeitet. Die Entwicklung in Berlin dürfte von den Medien und Fans ähnlich genau beäugt werden wie die in München.