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Euroleague Gegner-Check

13. Dezember 2016

Back to Back in Nürnberg?

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Der Befreiungsschlag vergangene Woche gegen Maccabi Tel Aviv war für Bamberg überlebensnotwendig. Gegen Anadolu Efes Istanbul wollen die Franken eine Serie daraus machen. Der Schlüssel zum Sieg wird die Arbeit an den Brettern sein. Telekom Basketball überträgt die Partie am Donnerstag, live ab 20:25 Uhr.


Gegen Maccabi Tel Aviv gelang dem Deutschen Meister der lange ersehnte Befreiungsschlag. Dank einer Galavorstellung von Nicolo Melli dominierte Bamberg vom Sprungball bis zum finalen Buzzer. Das ungefährdete 85:70 war nicht nur der erste Erfolg nach fünf Niederlagen in Serie, sondern zugleich der erste Auswärtssieg überhaupt. Melli, der in dieser Spielzeit 13,8 Punkte und 8,4 Rebounds pro Abend beisteuert, erwischte einen Sahnetag. Dem italienischen Big Man gelang auf dem Weg zu 27 Punkten, 14 Rebounds und sechs Dreiern einfach alles. Der MVP-Award für den besten Performer des elften Spieltags war folgerichtig. Darius Miller (12) und Leon Radosevic (11) punkteten ebenfalls zweistellig für die Franken, die nach ihrem dritten Saisonsieg zumindest die rote Laterne an Galatasaray Istanbul abgeben konnten. Das Momentum verpuffte wenige Tage später wieder, als Brose Bamberg am 13. Spieltag der easyCredit Basketball Bundesliga seine erste Niederlage einstecken musste. Beim bis dato ebenfalls ungeschlagenen Tabellenzweiten Ratiopharm Ulm unterlag der achtmalige deutsche Meister mit 63-78.


Anadolu Efes hat sich nach katastrophalem Fehlstart (0-3) mit sechs Siegen aus den letzten acht Partien als ernstzunehmender Playoff-Aspirant festgespielt. Die Handschrift von Head Coach Velimir Perasovic ist mehr und mehr erkennbar. Istanbul schlägt schwächere und ebenbürtige Gegner, ohne sich Blöße zu geben; vier der fünf Niederlagen setzte es gegen die Top-Fünf Teams Moskau, Fenerbahce, Olympiakos und Baskonia. In Woche elf überlebte Efes einen Heim-Thriller gegen den FC Barcelona. Big Plays von Bryant Dunston und Tyler Honeycutt machten den 72-68 Comeback-Sieg in einer wilden Schlussphase möglich. Jayson Granger (16 Zähler, fünf Assists) und Thomas Heurtel (14 Punkte, drei Assists) waren die Protagonisten beim momentanen Spitzenreiter der türkischen TBL-Liga.


Thomas Heurtel (PG) // Jayson Granger (SG) // Derrick Brown (SF) // Cedi Osman (PF) // Bryant Dunston (C)


Alen Omic (Center) // DeShaun Thomas (Forward) // Brandon Paul (Forward) // Furkan Korkmaz (Guard) // Tyler Honeycutt (Guard)



Thomas Heurtel ist mit 27 Jahren im besten Basketballer-Alter. In Istanbul hat sich der französische Nationalspieler dank seiner Fähigkeiten als Scorer und Vorbereiter unersetzlich gemacht. Seine 5,7 Assists pro Abend sind gut genug für Rang sieben; nur Derrick Brown erzielt bei Efes mehr Punkte als Heurtel, dem Freund und Feind exzellentes Spielverständnis und einen hohen Basketball-IQ attestieren. Unter Coach Perasovic erhält der treffsichere Legionär die Freiheit, die wichtigen Entscheidungen zu treffen. Will Bamberg die Durchschlagskraft des viertbesten Euroleague-Angriffs abfedern, muss der Fokus darauf liegen, die Kreise von Heurtel einzuengen.


Efes dominiert an den Brettern, greift sich die meisten Rebounds aller 16 Teams (im Schnitt 38,3 pro Abend). Vor allem offensiv malochen die Türken wie Berserker, führen die Liga mit großem Abstand an. Bamberg wird als reboundschwächstes Team hier Extraschichten schieben müssen, um dem explosiven Efes-Angriff nicht zusätzliche Scoring-Gelegenheiten zu schenken. Istanbul spielt modernen, teamdienlichen Basketball. Die dritthöchste Assist-Rate und fünf Spieler im zweistelligen Punktebereich machen Perasovics Einheit zu einem unberechenbaren Gegner, der zur Zeit mit sehr viel Selbstvertrauen agiert.


Zu knacken ist das Team vom Bosporus über effizienten Offensiv-Ball. Bamberg muss den Druck hoch halten und Istanbuls Verteidiger am und abseits vom Ball beschäftigen. Die Abwehr lässt 86 Punkte im Schnitt zu – drittschwächster Wert pro Abend, fünfschwächster nach fortgeschrittenen Metriken. Ebenfalls bedenklich sind Wurfauswahl und Treffsicherheit am vorderen Ende des Parketts. Wenn die Franken ihre defensive Intensität nutzen, um die Gäste zu schweren Würfen zu zwingen, steigen die Siegeschancen proportional an. Nur Barcelona und Belgrad haben eine schlechtere True Shooting Quote als Efes.



Melli fällt als einem der besten Glasputzer der Euroleague besondere Verantwortung zu. Er muss der Anführer kollektiver Rebound-Arbeit sein. Es ist essentiell, das eigene Brett zu dominieren und zweite Chancen für die Gäste zu minimieren. Bamberg will nach dem überzeugenden Kantersieg in Tel Aviv nachlegen, will gegen ein klares Playoff-Kaliber einen Aufwärtstrend starten. Gelingt gegen die zur Zeit sehr gut aufgelegte Truppe des letztjährigen Final Four Coaches Perasovic ein Statement-Sieg, könnten die Deutschen vielleicht sogar das Crunchtime-Trauma des ersten Saisondrittels ad acta legen.