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Euroleague-Donnerstag

05. Januar 2017

Bamberg besiegt auch Barcelona: Der magische Melli

Telekom Basketball Redaktion

Von Telekom Basketball Redaktion

Bamberg bleibt das heißeste Euroleague-Team und besiegt den FC Barcelona mit 85:65. Das klingt nach weniger zittern als es tatsächlich war. Erstmals sehen die Bamberger Fans Jerel McNeal, ein anderer Spieler aber überragt. Alles Wichtige zum Spiel.


BROSE BAMBERG (7-9) VS FC BARCELONA LASSA (7-9)85:65 (40:31)
Top-Scorer: Darius Miller, Janis Strelnieks (beide 20) – Tyrese Rice (19)
Top-Rebounder: Melli (13) – Justin Doellman, Brad Oleson (beide 5)
Top-Assistgeber: Fabien Causeur, Jerel McNeal (beide 5) – Juan Carlos Navarro, Rice (beide 4)


Die 20 Punkte Vorsprung lassen nicht erahnen, wie sehr die Fans von Brose Bamberg am Donnerstagabend gebibbert haben. Das blieb ihnen auch im neuen Jahr nicht erpart, obwohl ihr Team eine fast perfekte erste Halbzeit spielte. Sogar Barcelonas Hünen Ante Tomic hatte Bamberg irgendwie im Griff. Zwar hängte der seinem Bewacher Vladimir Veremeenko, den Bambergs Cheftrainer Andrea Trinchieri nur deswegen ihn die Startformation befördert hatte, ein Foul nach dem anderen an. Das mit dem Punkten klappte aber nur selten. Damit war Tomic im Star-Kader Barcelonas aber nicht allein. Die Bamberger Abwehr gab sich streng, nur 31 Punkte ließ sie trotz hohem Spieltempo zu.

7216 Brose Bamberg - FC Barcelona Lassa

Bamberg jagte dem fünften Sieg aus sechs Spielen entgegen. Im Angriff glückte plötzlich alles. Die Fans verfielen in Euphorie. Und doch sind auch im neuen Jahr die Erinnerungen an die bitteren Euroleague-Pleiten aus 2016 nicht vergessen. Sie durchströmten die Köpfe der Zuschauer, als Barcelona im Schlussviertel plötzlich nur noch mickrige sechs Punkte hinter Bamberg lag, nachdem es zuvor schon beinahe 20 gewesen waren. Doch die Offensivkünstler Darius Miller und Janis Strelnieks waren mit wichtigen Würfen zur Stelle. Auch Daniel Theis verwandelte einen bedeutenden Dreier. Solche Würfe hatten vor wenigen Monaten noch ihr Ziel verfehlt. Vielleicht ist 2017 wirklich alles anders.


Nicolo Melli. Können wir uns die leisten? Vermutlich nicht. Werden die überhaupt noch steigen? Egal. Kein Bamberger bekommt so viele Euroleague-Minuten wie der Italiener. Dass liegt vermutlich nicht daran, dass Andrea Trinchieri Mellis Bart so schön findet.

Ohne Melli ist Bamberg aufgeschmissen. Melli kann fast jeden ersetzen, ist selbst aber unersetzlich. Er verankert die Abwehr, verteidigt auch flinke Gegenspieler geschickt. Im Angriff macht er, was gerade gebraucht wird. Bamberg hat genug talentierte Offensivspieler, also arbeitet Melli ihnen zu.

7213 Nicolo Melli: Bambergs Allzweckwaffe hautnah!

Im zweiten Viertel gegen Barcelona erlebten die Zuschauer so einen typischen Melli-Moment: Der Italiener fing einen Bodenpass ab, dribbelte den Ball selbst nach vorne, wo er Strelnieks mit einem perfekten Zuspiel bediente. Als der Dreier des Letten am Ring abprallte, war Melli selbst schon wieder in Reboundposition und tippte den Ball in den Korb. Melli braucht keinen Step-Back-Dreier, um zu elektrisieren. Er hat seine ganz eigene Art der Magie.

Derartiges bleibt nicht verborgen. Die Euroleague kürte Melli zum MVP des Monats Dezember. Sein Vertrag in Bamberg läuft aus. Fast jeder Euroleague-Klub wird sich um Melli bemühen. Es wird die Bamberger Chefs viel Geld kosten, ihren wohl besten Spieler zu halten. Wenn er denn will.


Jerel McNeal kann eine große Hilfe sein. Weil dem Bamberger Neuzugang die Spielpraxis fehlte, konnte man nur rätseln, wann und wie er dem deutschen Meister tatsächlich weiterhelfen könnte. Im Duell mit Barcelona setzte Trinchieri das neueste Mitglied seiner Guard-Armada erstmals ein. Und dem Trainer dürfte gefallen haben, was McNeal beitrug. Es waren keine spektakulären Plays, aber sehr clevere. Hier eine gute Bewegung in der Verteidigung, da ein kluger Extrapass im Angriff.

McNeal hat angedeutet, was er kann. Trinchieri wird ihm Verantwortung anvertrauen. Langsam, aber sicher. Die Euroleague-Playoffs sind keine Utopie, Bamberg hat das Zeug, unter die besten Acht zu kommen. McNeal wird das Vorhaben weiter voranbringen. Das hat aber auch Konsequenzen, die nicht allen gefallen dürften. Die Einsatzminuten der deutschen Nationalspieler Lucca Staiger, Maodo Lo und auch Patrick Heckman werden weiter sinken. Lo und Heckmann spielten schon gegen Barcelona keine Sekunde.