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Euroleague-Freitag

30. Dezember 2016

Bamberg besiegt Gala: Das heißeste Team Europas?

Von Christopher Meltzer

Zwischenzeitlich waren es 25 Punkte Vorsprung: Bamberg hat Galatasaray Istanbul auseinandergenommen. Vier der letzten fünf Spiele hat der deutsche Meister jetzt für sich entschieden. Obwohl erst vor zehn Tagen in Madrid chancenlos, gehört Bamberg zu den heißesten Mannschaften der Euroleague. Alles Wichtige zum 15. Spieltag in der Übersicht.


GALATASARAY ISTANBUL (4-11) VS BROSE BAMBERG (6-9)75:90 (38:47)
Top-Scorer: Austin Daye (22) – Janis Strelnieks (18)
Top-Rebounder: Alex Tyus (8) – Daniel Theis (14)
Top-Assistgeber: Sinan Guler (7) – Fabien Causeur, Strelnieks (beide 4)


Die Bamberger Offensive ist auf den Dreipunktewurf ausgelegt. Und wenn dieser derart mechanisch ins Ziel fällt, wie es am frühen Freitagabend der Fall war (am Ende: 14/23, was 60,9 Prozent entspricht), ist es auch in der europäischen Königsklasse schwer, etwas gegen den deutschen Meister auszurichten. Der Euroleague-Elite ist freilich zuzutrauen, es in einem Wettschießen mit Bamberg aufzunehmen. Teams wie Galatasaray Istanbul haben es da schon schwerer.

Die Türken tummeln sich am Ende der Euroleague-Tabelle. Am Freitag zeigte sich auch wieso. Vor Probleme stellte Bamberg eigentlich nur die Länge und das Fingerspitzengefühl des deutschen Nationalspielers und Ex-Bambergers Tibor Pleiß. Weil der jedoch schnell in Foulprobleme geriet, war Trinchieri dieses Hindernis zügig los.

Bamberg konnte sich auf die Tiefe des Kaders verlassen. Fünf Spieler punkteten zweistellig, gleich sieben Spieler trafen mindestens einen Dreier. Trinchieris Taktik geht dann besonders auf, wenn seine Schützen das Feld in die Breite ziehen. In Istanbul gelang das hervorragend. Und an manchen Tagen klappt auch mal ein bisschen mehr:


Die Minuten, in denen Tibor Pleiß auf dem Feld stand. Die nutzte er, um zu beweisen, warum er den Oklahoma City Thunder vor ein paar Jahren mal einen NBA-Draftpick wert war. Im Angriff war Pleiß nicht zu stoppen. Bambergs Verteidiger mühten sich nicht nur mit seiner Länge (2,18 Meter) ab, sondern auch mit seinem feinen Fingerspitzengefühl. Wenn Pleiß einen Hakenwurf absetzt, sieht das stets sehr elegent aus. Im Eins-gegen-Eins ist das kaum zu verteidigen. Auch den Distanzwurf versenkt er verlässlich. Im Duell mit Bamberg machte der Center 15 Punkte, leistete sich aus dem Feld nur einen Fehlwurf.

Klingt sehr gut, das Problem aber ist: Pleiß stand nur etwas über 14 Minuten auf dem Feld. Schon in der ersten Halbzeit handelte sich der Nationalspieler drei Fouls ein. Bamberg attackierte Pleiß in der Defensive bewusst, gegen die flinken Gegner war der Big Man oft einen Schritt zu spät. Tibor Pleiß kann immer noch ein Spieler von höchstem europäischen Format sein. So leicht ausschalten lassen wie am Freitag darf er sich dafür aber nicht.


Bambergs Euroleague-Lauf beeindruckt. Zwischenzeitlich hatte der deutsche Meister mal fünf Spiele in Serie verloren. In letzten fünf Partien wiederum sammelte Bamberg vier Erfolge ein. Zwar war die eine Pleite ernüchternd (72:95 in Madrid), ansonsten aber verzückt Trinchieris Team. Nachdem zu Saisonbeginn jedes Spiel in den finalen Sekunden entschieden wurde, gewinnt Bamberg jetzt auch mal deutlich. 15 Punkte Vorsprung gegen Tel Aviv, 14 gegen Olympiakos, 15 gegen Galatasaray. Der achte Tabellenplatz – der erste, der für die Playoffs berechtigt – ist aus Bamberger Sicht nur einen Sieg entfernt.

Blickt man nur auf die Zahlen, könnte man festhalten: Bamberg gehört zu den heißesten Teams Europas. Nur Vitoria sowie die griechischen Topteams Olympiakos und Panathinaikos haben in den vergangenen fünf Spielen ähnlich abgeliefert. Der Euroleague-Abschlussbericht für 2016 sagt: Bamberg ist voll auf Kurs.