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Euroleague Gegner-Check

Bamberg brennt auf Euroleague-Rückrunde

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Wenn die Basketballer von Brose Bamberg eines hatten, dann besinnliche Feiertage. Die Erfolgsserie in der europäischen Königsklasse war idyllisch, die Franken galten vor dem Jahreswechsel als heissestes Team Europas. Zum Rückrundenstart empfängt der Deutsche Meister den FC Barcelona. Telekom Basketball überträgt die Partie am Donnerstag, live ab 19:40 Uhr.


Wenn es läuft, wie bei den Bambergern vor dem Jahreswechsel, dann kann eine Sache absolut niemand gebrauchen: Pausen. Wenigstens war die zwischen den Euroleague-Partien Nummer 15 und 16 nur knapp eine Woche kurz; der Flow-Moment nach vier Siegen aus den vergangenen fünf Partien hält also hoffentlich an. Mit dem überzeugenden 90-75 Auswärtserfolg bei Galatasaray Istanbul schob sich Andrea Trinchieris Truppe bis auf einen Sieg auf den zur Playoff-Teilnahme berechtigenden achten Platz hinauf. Die Klatsche gegen das Team von Tibor Pleiß war der fünfte Blowout in Folge – vier mit glücklichem Ausgang für die Bamberger. Nach den Herzinfarkt-Wochen eins bis sieben gewinnen oder verlieren die Deutschen mittlerweile immer deutlich. Gegen Istanbul lieferte Daniel Theis mit 14 Punkten, 14 Rebounds und 3 Blocks seine beste Saisonleistung ab. Auch Janis Strelnieks (18), Fabien Causeur (15), Nikos Zisis (11) und Nicolo Melli (10) punkteten zweistellig. Brose traf 14 seiner Dreipunkteversuche für 60,9 Prozent von Downtown. Wenn Trinchieris offensivstarke Truppe so gut zielt, ist dieses Team von kaum jemandem zu schlagen – auch nicht auf europäischem Top-Niveau.



Auch Barcelona beendete die Hinrunde mit einem Hoch, dank zweier Siege in Folge gegen Emporio Armani Mailand und Darüssafaka Dogus... ihre erste positive Serie seit Anfang November. Durch den 81-77 Heimerfolg am Tag vor Neujahr verteidigten die Katalanen (7-8) Tabellenrang zehn, rangieren damit einen über den Bambergern (6-9), die eine Niederlage mehr auf dem Konto haben. Gegen die besser postierten Türken konnte Head Coach Georgios Bartzokas zumindest auf zehn seiner wichtigsten Leistungsträger zurück greifen – ein Novum in dieser für „Barça“ pechschwarzen Saison. In Pau Ribas und Stratos Perperoglou fehlen zwei wichtige Flügelspieler langfristig; Big Man Shane Lawal ist ebenfalls komplett raus. Gegen „Daçka“ waren einmal mehr Tyrese Rice (13 Punkte), Ante Tomic (16 Punkte, 5 Assists, 8 von 8 aus dem Feld), Justin Doellman (11) und Andrey Vezenkov (12) die Protagonisten. 


Das Hinspiel entschied Barcelona mit 78-74 knapp für sich. Die Partie im „Palau Blaugrana“ war durchgehend eng und hart umkämpft. Am Ende war die Treffsicherheit von Rice (18 Punkte, 6 Assists, 7-12 FG) und Victor Claver (13 Zähler, 100% aus dem Feld) entscheidend. Causeur und Theis (jeweils 19 Punkte) waren die produktivsten Gäste. Melli verbrachte nahezu den gesamten Abend in Foultrouble. 

 

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Tyrese Rice (PG)
Brad Oleson (SG)
Justin Doellman (SF)
Victor Claver (PF)
Ante Tomic (C)


Juan Carlos Navarro (Guard)
Aleksandar Vezenkov (Foward)
Joey Dorsey (Center)
Jonathan Holmes (Forward)
Peteri Koponen (Forward)
Alex Renfroe (Guard)
Peteri Koponen (Forward)


Bambergs Renaissance ist eng mit den Leistungen von Nicolo Melli verbunden. Der italienische Nationalspieler packte Team und Saison auf seinen Rücken, lieferte einen Monat für die Geschichtsbücher ab. Die Turkish Airlines Euroleague ehrte Melli mit dem MVP-Award für Dezember, den Preis für den wertvollsten Akteur. Der 25-Jährige hat sein Spiel kontinuierlich verbessert und sich längst als einer der besten Big Men des Kontinents etabliert. Im Dezember brachte es der Alleskönner auf 15,6 Punkte, 8,0 Rebounds, 2,3 Assists, 1,2 Steals und 1,0 Blocks im Schnitt. Seine Wurfhand brennt auch nach Weihnachten weiterhin lichterloh – bei mehr als 60 Prozent aus dem Feld und von hinter der Dreierlinie kein Wunder. Obendrein verteidigt der 2,05 Meter Mann stark, sowohl individuell als auch als Helper. Ohne Melli, dessen Qualitäten als Stretch-Vierer nicht nur bei den europäischen Top-Klubs sondern auch in der NBA gierig beäugt werden, wäre Broses Saison vermutlich schon beendet.


Tomic ist einer der frustrierendsten Spieler in Europa. Der 2,18 Meter Hüne kann aber auch dominieren wie kaum ein anderer. Derzeit ist der Kroate „on fire“. In den vergangenen drei Partien erzielte Tomic 17,7 Punkte im Schnitt – bei unglaublichen 82,1 Prozent aus dem Feld. Dazu kamen 5,0 Rebounds und 3,7 Assists. Wenn der Center so auftrumpft, ist Barcelona dank ihm und Elite-Guard Rice als Bartzokas' spielmachender Strippenzieher kaum zu schlagen.



Sieben Mal trafen diese beiden Klubs bisher aufeinander; sechs Mal triumphierte Barça. Am Donnerstag steht viel auf dem Spiel. Die Elite-Verteidigung der Spanier will eine der explosivsten Offensiven weit und breit eindämmen. Bambergs schwache Defensive wird sich gegen die oft harmlose Attacke Barcelonas nicht überanstrengen müssen. Eine solide Team-Leistung mit „normalen“ Wurfquoten sollte also das Momentum erhalten und den nächsten Heimsieg in „Freak City“ klarmachen.