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Euroleague Gegner-Check

Bamberg gegen die Legende von Piräus

Seb Dumitru

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Keine Zeit zum Verschnaufen: Doppelspielwoche in der europäischen Elite-Liga! Bambergs deutliche Niederlage am Dienstag bei Real Madrid hat die Franken wieder in die Realität zurückgeholt. Das Duell gegen Spitzenteam Olympiakos Piräus verspricht nicht einfacher zu werden. Telekom Basketball überträgt die Partie am Donnerstag, live ab 19:30 Uhr.


Die Früchte hingen hoch, am Dienstag bei Real Madrid – trotz Momentums nach zuletzt zwei Siegen in Folge. Der Deutsche Meister musste beim spanischen Champion ohne Regisseur Fabian Causeur antreten. Was folgte, war die bescheidenste Brose-Leistung in der laufenden Saison. Bei den tiefen Madrilenen, die zwischenzeitlich auf über 30 Punkte davonzogen und ungefährdet mit 95:72 gewannen, dominierte vor allem das Jahrhundert-Talent Luka Dončić (16 Punkte, 6 Rebounds, 5 Assists, 3 Steals in 19 Minuten). Die Leistungen von Lucca Staiger (18 Zähler), Daniel Theis (15) und Maodo Lo (13) waren nicht genug für Bamberg, das in Europas Eliteklasse wieder in der harten Realität angekommen ist – Platz 13 von 16. Das Duell gegen Spitzenteam Olympiakos Piräus verspricht nicht einfacher zu werden.


Aufgrund der aufreibenden Doppelbelastung in Bundesliga und Euroleague sahen die Bamberger dringenden Bedarf, ihren Backcourt zu verstärken. Am heutigen Mittwoch unterschrieb Kombo-Guard Jerel McNeal einen Vertrag über zwei Monate mit Option bis Saisonende. Der 29-Jährige aus Chicago lief bereits in Griechenland, Italien, Belgien und China auf. In der nordamerikanischen NBA-Entwicklungsliga NBDL zählte er zwischen 2011 und 2015 zu den besten Spielern weit und breit. Bei den Phoenix Suns schnupperte McNeal sogar 36 Minuten NBA-Luft. Wann er für Trinchieris Truppe fit ist, steht noch nicht so recht fest. McNeal hat in dieser Saison noch keine Spielminute absolviert. 



Piräus baute mit dem 73:65 gegen Roter Stern Belgrad seine aktuelle Siegesserie auf vier in Folge aus und schob sich in der Tabelle auf Rang drei vor - bilanzgleich mit Real Madrid und Baskonia Vitoria (9-4). Die Griechen haben sechs ihrer vergangenen sieben Partien gewonnen. Obwohl beeindruckende Erfolge gegen absolute Spitzenteams bisher nicht im Spielplan zu finden sind, entledigen sich die Mannen von Head Coach Ioannis Sfairopoulos schwächerer Gegner routinemäßig. Macht sie das zum Top-Favoriten auf den Titel? Nein. Das neue Format, mehr Marathon als Sprint, kommt einem der älteren Teams des Wettbewerbs aber zugute. Die Playoffs scheinen angesichts der bisherigen Leistungen wieder einmal locker drin zu sein. Und wer weiss: vielleicht startet der Back-to-Back-Champion von 2012 und 2013 dort einen letzten großen Run unter der Leitung von Point Guard Legende Vassilis Spanoulis.


Vassilis Spanoulis (PG)
Vangelis Mantzaris (SG)
Kostas Papanikolaou (SF)
Georgios Printezis (PF)*
Khem Birch (C)


Erick Green (Guard)
Matt Lojeski (Guard)
Ioannis Papapetrou (Forward)
Nikola Milutinov (Center)
Patric Young (Center)

 

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Sie nennen ihn „Gott“: Vassilis Spanoulis ist in die Jahre gekommen, bleibt aber weiterhin das Metronom, das seinen Farben den Takt vorgibt. Auch mit 34 Lenzen legt einer der besten und am höchsten dekorierten europäischen Spieler aller Zeiten absolute Fabelwerte auf. „Kill Bill“ ist mit durchschnittlich 13,6 Punkten zehntbester Scorer der Liga. Seine 6,6 Assists pro Abend sind gut genug für Rang drei. In beiden Kategorien führt er sein Team an. Immer noch. Spanoulis hat in Europa alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, spielte für die Houston Rockets in der NBA, hat also alles gesehen, ist der Inbegriff von „clutch“. Will Bamberg die Griechen schlagen, müssen die Hausherren den Kopf der Schlange abtrennen.


Piräus stellt die beste Defensive im laufenden Wettbewerb, lässt nur 74,5 Punkte pro Partie zu. Auch beim Defensivrating platzieren die Hellenen auf der Eins. Sie rebounden gut und sind sehr diszipliniert. Im Gegensatz zu simplen Zerstörer-Teams kann Olympiakos jedoch auch scoren, erzielt genauso viele Punkte pro Abend wie Trinchieris Truppe. Spanoulis liefert bekanntlich fast immer ab. Auf Matt Lojeski und seine bisher 11,4 Punkte im Schnitt wird nach der Verletzung von Georgios Printezis noch mehr Verantwortung zukommen - Verantwortung, die der Belgier offensichtlich zu tragen bereit ist (18 Punkte gegen Belgrad). Erick Green, Kostas Papanikolaou und Top-Rebounder Khem Birch sind die anderen Leistungsträger für Sfairopoulos.


Vier Mal standen sich Brose Bamberg und Olympiakos Piräus bisher gegenüber. Drei Mal konnten die Franken als Sieger vom Parkett gehen. Um diese Serie auszubauen, werden in Freak City mehrere Duelle ausschlaggebend sein. Nicolo Melli muss unter den Brettern dominieren, muss den Roten nach dem Ausfall von Printezis in der Zone wehtun. Darius Miller muss sich schnellstens von seiner schlechtesten Leistung im Brose-Trikot erholen (null Punkte, 0-5 FG) und vorne wieder erste Scoring-Option sein. Mit Ausnahme von zwei katastrophalen Auftritten (in Kaunas und Madrid) hat Bamberg jedem Gegner Paroli geboten. Ein Heimsieg gegen Olympiakos wäre ein weiterer Beweis - und ein Big Point auf dem Weg zurück ins Playoff-Rennen.