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Euroleague Gegner-Check

Bamberg gegen Madrid und den königlichen Wunderknaben

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch



Brose Bamberg hat sich nach katastrophalem November-Durchhänger gefangen, gewann zuletzt zwei Partien in Folge. Nach der Pflicht folgt bekanntlich die Kür: Wenn die Franken das Kalenderjahr stark beenden, ist in puncto Playoffs wieder alles möglich. Dazu müssen sie aber Real Madrid und Olympiakos Piräus schlagen. Telekom Basketball überträgt am Dienstag, live aus Madrid ab 20:30 Uhr.


Das Team von Andrea Trinchieri drohte völlig den Anschluss zu verlieren. Ein Beinahe-Sieg gegen ZSKA Moskau und zwei konsekutive Erfolge haben die Franken zurück in die Erfolgsspur geführt. Der Abstand auf die Playoff-Ränge beträgt nach dem überzeugenden 91-83 gegen Anadolu Efes Istanbul nur noch zwei Spiele. Gegen die Türken lieferte Fabian Causeur seine bisher beste Leistung im Bamberger Jersey ab. Der Franzose netzte elf seiner 14 Versuche aus dem Feld für insgesamt 28 Punkte ein. Die Euroleague ernannte zum zweiten Mal in Folge einen Brose-Akteur zum wertvollsten Spieler der Woche. 



Real Madrid hält sich noch auf Tabellenrang zwei, hinter den unantastbaren Titelverteidigern aus Moskau. Zuletzt schwächelte der spanische Rekordmeister aber. Real hat zwei seiner letzten drei Partien verloren, ist in der Tabelle in ein Stechen mit den bilanzgleichen Olympiakos Piräus (Bambergs nächster Gegner am Donnerstag), Baskonia Vitoria Gasteiz und Fenerbahce Istanbul zurück gefallen. Gegen Darüssafaka Dogus setzte es vergangene Woche für das Team von Pablo Laso eine deutliche 68-81 Pleite. Ohne die verletzten Sergio Llull und Anthony Randolph reichte es gegen perfekt eingestellte Türken nur zu einem guten Viertel. Madrid verlor die letzten drei Abschnitte überdeutlich mit 48-64. Lediglich Felipe Reyes (16 Zähler) und Othello Hunter (10) erreichten Normalform bei Madrid, das uncharakteristisch viele Ballverluste beging und magere 23 Prozent von Außen traf.


Sergio Llull (PG)
Luka Doncic (SG)
Jonas Maciulis (SF)
Felipe Reyes (PF)
Gustavo Ayon (C)



Don Draper (Guard)
Rudy Fernandez (Guard)
Andres Nocioni (Guard)
Jaycee Carroll (Guard)
Anthony Randolph (Forward)
Jeff Taylor (Forward)
Trey Thompkins (Forward)
Othello Hunter (Center)


Sergio Llull hätte bereits längst in die NBA wechseln können – liebt aber seinen Status als einer der besten Spieler Europas zu sehr, um für weniger Geld und weniger Spielzeit in den USA anzuheuern. Die Denver Nuggets selektierten den spanischen Nationalmannschafts-Guard in der zweiten Draft-Runde 2009; Houston kaufte den Nuggets die Rechte später ab, kann ihn jederzeit in den Kader holen. Der Haken: Llull muss erst einwilligen, die gigantische Buyout-Summe irgendwie gestemmt werden. Derzeit hat der November-MVP zu viel Spass in Europa. Und sich als einer der am hellsten Sternchen auf dem Kontinent nicht nur für Madrid unentbehrlich gemacht. Auch in diesem Jahr ist der Kombo-Guard der Motor, der die Königlichen antreibt. Mit 18,9 Punkten und 6,0 Assists pro Abend ist er drittbester Scorer und sechstbester Vorbereiter der Saison.


Luka Dončić ist noch nicht alt genug, um wählen zu gehen oder ohne die Einwilligung seiner Eltern einen Vertrag zu unterzeichnen. Auf höchster europäischer Ebene spielt der 17-jährige Slowene aber erwachsene, bis zu doppelt so alte Männer an die Wand. Seit er als 16-Jähriger sein ACB-Debut gab, hat sich der 2,01 Meter Guard stetig verbessert. Er läuft nicht nur mit, sondern ist mit 7,0 Punkten pro Abend einer von Reals Leistungsträgern in der Euroleague. Beim Sieg gegen Zalgiris Kaunas avancierte er mit 17 Punkten und vier Assists zum Matchwinner – inklusive zweier Big Plays in den letzten 90 Sekunden. Dončić gilt zurecht als einen der besten europäischen Talente aller Zeiten. Der Sprung in die NBA-Draft-Lotterie kommt in spätestens zwei Jahren.

6799 Luka Dončić - das 17-jährige Wunderkind!



Madrid hat erst ein einziges Mal in der Historie gegen Bamberg verloren: vor ziemlich genau sechs Jahren. Topscorer waren damals Predrag Suput, Casey Jacobsen und Anton Gavel auf Seiten der Deutschen, Llull bei den Spaniern. Den wird die Defensive des BBL-Champions unbedingt einschränken müssen. Real ist aber mehr als nur der Angriffsdynamo mit der Nummer 23. Gleich acht weitere Akteure erzielen sieben Punkte oder mehr pro Abend. Viel Arbeit also für Trinchieris Truppe, die auswärts 16 Zähler weniger erzielt und sich in der Regel deutlich schwächer präsentiert. Madrid, das auf die Rückkehr von Llull und Randolph hofft, brennt nach einer Schwächephase auf Wiedergutmachung. Vor den eigenen Fans läuft Lasos Team meist zur Höchstform auf (5-1 Siege, 89 Punkte pro Partie). Der Vorteil liegt in einer sicherlich offensiv geprägten Partie zwischen zwei explosiven Attacken bei den Hausherren.