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Analyse

19. Oktober 2016

Bamberg-Gegner Kazan: Der Backcourt ist Trumpf

Seb Dumitru

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Die Bamberger müssen die knappste aller Euroleague-Niederlagen (66:67 gegen Fenerbahce Istanbul am ersten Spieltag) schnell zu den Akten legen: Mit UNICS Kazan gastiert der russische Vizemeister – und ein äußerst schlagbarer Gegner – in der Brose-Arena. Für Sieg Nummer eins muss Bamberg jedoch sicherer treffen als vergangene Woche. Telekom Basketball überträgt das Spiel am Donnerstag live ab 19:30 Uhr, Kommentator ist Frank Buschmann.


UNICS Kazan, zweitbestes Team in der russischen Liga VTB hinter Euroleague-Primus ZSKA Moskau. Kazan dominierte in der Vergangenheit im Eurocup, ist im unterklassigeren der europäischen Wettbewerbe mit 109 Siegen sogar das zweiterfolgreichste Team aller Zeiten. Nach einem Jahr Abstinenz kehrt UNICS in die Euroleague zurück und peilt dank seines erfahrenen Kaders die Playoffs an. Die erreichte es auf Anhieb während seiner ersten Teilnahme in der Saison 2011/12.


Die Russen hielten im Auftaktspiel gegen den FC Barcelona nicht nur lange mit, sondern im Schlussviertel 6:30 Minuten vor dem Ende sogar eine riesige 14-Punkte Führung in der Hand. Dass die Hausherren diesen bereits sicher geglaubten Sieg gegen ein Top-Team aber noch herschenkten, wiegt schwer. Barcelona dominierte in Person von Juan Carlos Navarro, gewann Abschnitt vier mit 26-12 überdeutlich und stibitzte am Ende den 63-69 Auswärtssieg. Keith Langford (14 Punkte) war UNICS’ bester Scorer, Latavious Williams verbuchte ein Double-Double (12 Punkte, 15 Rebounds).



Anton Ponkrashov (PG), Keith Langford (SG), Coty Clarke (SF), Pavel Antipov (PF), Artsiom Parakhouski (C)



Quino Colom (Guard), Latavious Williams (Forward), Kostas Kaimakoglou (Forward), Evgeny Voronov (Guard)



UNICS Kazan hat einen Großteil seiner Vorjahresrotation zurückgebracht, ging also mit viel Kontinuität in diese neue Euroleague-Saison. Selbst die Neuzugänge Antipov und Voronov haben bereits einmal für den Klub gespielt und kennen sich aus. Das offensive Prunkstück dieser Mannschaft ist der spielstarke Backcourt, verankert vom Trio Keith Langford, Quino Colom und Anton Ponkrashov. Langford ist der Scorer, Colom der Vorbereiter, der solide Ponkrashov vereint beides in sich. Im Frontcourt lebt Kazan von der Athletik seines US-Amerikaners Latavious Williams, der zu den besten Reboundern des Kontinents zählt, der Spitzfindigkeit des Griechen Kostas Kaimakoglou, sowie Coty Clarke – einem weiteren US-Boy, der die D-League dominierte und sogar zehn Tage für die Boston Celtics in der NBA auflief.



Keith Langford. Der ehemalige NBA- und D-League-Spieler (San Antonio Spurs, Austin Toros) ist nicht nur Kazans bester Offensivakteur, sondern der beste aktive Euroleague-Karriere-Scorer überhaupt. 15,7 Punkte pro Partie unterstreichen Langfords ausgeprägtes Näschen für den Korb. Bei jedem seiner bisherigen Engagements, sei es für Maccabi Tel Aviv, Emporio Armani Mailand, Virtus Bologna oder Khimki Moskau, musste der athletische Kombo-Guard oft die duale Rolle des Spielmachers und Punktesammlers übernehmen. Auch in Kazan laufen viele Angriffe über den explosiven ex-Teamkollegen von Bambergs Nicolo Melli (Mailand) und Nikos Zisis (UNICS).


Im Eins-gegen-Eins nur schwer zu stoppen: Keith Langford


Quino Colom. Der kreative Spanier/Andorraner ist das Sahnehäubchen im UNICS Angriff. Seine spektakuläre Spielweise reisst Fans oft von den Sitzen und das gesamte Team mit. No-Look Pässe, Pullup-Dreier aus dem Dribbling oder Assists durch die Beine des Gegners... seine körperlichen Nachteile macht Colom mit großem Spielwitz und einem hohen Basketball-IQ wett. Der 27-Jährige führte den Eurocup bei den Vorlagen an und darf zum ersten Mal auf der größten europäischen Bühne beweisen, dass er höheren Aufgaben durchaus gewachsen ist.



Obwohl Kazan hauptsächlich über seine Guards Dampf macht, können auch die großen Jungs vom High Post Teile der Offensive initiieren und Pashutins Vorgaben auf dem Parkett umsetzen. Vielseitige, wurfstarke Big Men ermöglichen dem Coach außerdem, Smallball zu spielen und das Feld breit zu machen; Clarke, Antipov und Kaimakoglou trafen am ersten Spieltag jeweils mindestens einen Dreier.
 


Der Kader ist weder in der Spitze noch in der Breite auf Euroleague-Top-Niveau. Langford und Colom sind als Spielmacher alles andere als perfekte Regisseure, leisten sich manchmal schwerwiegende Fehlentscheidungen. Die Crunchtime-Niederlage gegen Barcelona ging vor allem auch auf ihre Kappe. Coach Pashutin ist kein gewiefter Taktiker und findet nicht immer die passende Mischung, um den Ertrag seiner Truppe zu maximieren.
 


UNICS Kazan gilt für so gut wie alle Beobachter als zu schwach, um die Runde der letzten Acht zu erreichen, zählt für viele sogar zu den drei schlechtesten Teams im Wettbewerb. Die unnötige Niederlage gegen Barcelona tat dem Selbstvertrauen obendrein gar nicht gut. Bamberg bekommt es also mit einem Gegner zu tun, der in fast allen Prognosen und Rankings hinter den Deutschen geführt wird. Alles andere als ein Heimsieg in der Brose-Arena wäre eine Überraschung.

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