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Euroleague-Donnerstag

20. Oktober 2016

Bambergs Heimpremiere: „Nicht gut, aber schmeckt großartig!"

Von Fabian Wenninger

Das war knapp! Schon so oft gehört, aber so treffend für Bambergs zweiten Euroleague-Auftritt. Außenseiter Unics Kazan bereitet dem deutschen Meister über weite Strecken große Schwierigkeiten. Das macht Andrea Trinchieri fassungslos. Am Ende beweist sein Team aber starke Comeback-Qualitäten.


Top-Scorer: Janis Strelnieks (17) – Keith Langford (24)
Top-Rebounder: Nicolo Melli, Darius Miller (7) – Coty Clarke, Artsiom Parakhousi, Latavious Williams (je 7)
Top-Assistgeber: Nikos Zisis (12) – Anton Ponkrashov (7)


Bamberg gewinnt seine Heimpremiere. Für viele nicht überraschend, war Gegner Unics Kazan doch als schlagbar eingestuft worden. Doch die Russen erwiesen sich als eine deutlich kniffligere Aufgabe als angenommen. Weil Keith Langford und Coty Clarke früh für Kazan dominierten, lief Bamberg zwischenzeitlich sogar einem zweistelligen Rückstand hinterher. Das Ballmovement, das Trinchieris Team so perfektioniert hat, kam kaum zustande. Erst spät im vierten Viertel gelang es Bamberg durch Einzelaktionen von Darius Miller, Nikos Zisis und Janis Strelnieks, das Spiel an sich zu reißen. In der Schlussphase brachten die Gastgeber das Spiel von der Linie nach Hause. Die Belohnung gab's später von Freak City:


Das zweiköpfige Backcourt-Monster. Namentlich Nikos Zisis und Janis Strelnieks. Griechische Gelassenheit und lettische Kaltschnäuzigkeit in Kombination. Beide Guards hatten an Bambergs Comeback im vierten Viertel großen Anteil. Zisis als ordnende Hand (12 Assists), Strelnieks als eiskalter Vollstrecker (17 Punkte). Da gerät selbst der Fan des Bundesliga-Rivalen ins Schwärmen.


Gegen einen vermeintlichen leichteren Gegner in Europas Eliteklasse tat sich Bamberg extrem schwer. Das sonst so ausgeklügelte Passpiel stagnierte größtenteils. Die 21 Assists, die am Ende im Spielberichtsbogen notiert wurden, täuschen. Trinchieri schüttelte immer wieder den Kopf, verzog das Gesicht, haderte mit dem nervösen Auftritt seinen Teams. „Wir haben schrecklich gespielt, aber am Ende mit Intensität und Energie noch gewonnen“, fasste der Italiener sichtlich ausgepumpt zusammen.


Die Rebound-Schwäche der Bamberger. 13 Offensiv-Rebounds pflückte sich Kazan, allein Latavious Williams fünf davon. Der Bulldozer der Russen trieb Bambergs Große mit seiner Physis zur Verzweiflung. „Wir spielen wie paralysiert“, klagte Trinchieri schon in der Halbzeitpause. Immer wieder entstanden dadurch zweite Wurfchancen, die besonders Langford und Clarke nutzen konnten. Nur die Quote ihrer Distanzwürfe (4/17) dürften sich die Gäste bei der Analyse ankreiden. Die physische Spielweise von Williams forderte aber auch seinen Tribut: Er foulte in der Schlussphase aus. Das spielte Bamberg enorm in die Karten.


Jetzt aber Schluss mit Kritik. Schließlich hat Bamberg auch gezeigt, dass man ein so enges und umkämpftes Spiel noch drehen und die Punkte sichern kann. Was vor einer Woche in Istanbul noch nicht gelang, glückte Trinchieris Team jetzt. Gewonnen, aber nicht geglänzt. Oder wie es der sprachgewandte Bamberger Head Coach anschließend ausdrückte:

Andrea Trinchieri

Es sah nicht gut aus, aber es schmeckt großartig.
5377 | Brose Bamberg - Unics Kazan