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Euroleague

17. November 2016

Bambergs internationale Auftritte machen sprachlos

Von Fabian Wenninger

48 Stunden nach der Last-Minute-Pleite gegen Belgrad liefert Bamberg in Vitoria drei Viertel lang ein nahezu perfektes Euroleague-Auswärtsspiel. Am Ende setzt es dennoch die sechste Niederlage im achten Auftritt – weil ein alter Bekannter für die Gastgeber dominiert und Bamberg momentan eine entscheidende Qualität fehlt.


BASKONIA VITORIA GASTEIZ (5-3) VS BROSE BAMBERG (2-6)81:74 (32:47)
Top-Scorer: Johannes Voigtmann (20) – Darius Miller (16)
Top-Rebounder: Johannes Voigtmann (9) – Nicolo Melli (12)
Top-Assistgeber: Shane Larkin (6) – Nikos Zisis (5)


Vitoria, Spanien, 21:11 Uhr Ortszeit: Wir schreiben das nächste Kapitel von Bambergs internationaler Horror-Show. Es mag hart klingen, aber der Spielverlauf lässt kein anderes Urteil zu. Auch bei Baskonia Vitoria Gasteiz hält Bamberg ein Spiel bis in die Schlusssekunden offen, erneut kann Trinchieris Team ein Spiel zu seinen Gunsten entscheiden. Wie schon zwei Tage zuvor gegen Belgrad misslingt das. Es ist ein Déjà-vu der unangenehmsten Sorte, das den Franken Spieltag für Spieltag momentan widerfährt. Schuld daran sind nur sie selbst.


Bambergs fehlende Reife, ein Spiel konsequent zu Ende zu spielen. Ein Spiel zu closen, wie es die Amerikaner charmant ausdrücken. Alle fünf Spiele, die Bamberg vor dem Auftritt im Baskenland verloren hatte, endeten mit vier Punkten oder weniger Differenz. In Vitoria leuchteten am Ende 81:74 vom überdimensionalen Videowürfel an der Hallendecke. Sieben Punkte Differenz. Ein Ergebnis, das trügt. Denn noch nie war die Chance für Bamberg so groß, ein Spiel für sich zu entscheiden. Zur Halbzeit führte der deutsche Meister mit 15, nach dem dritten Viertel immerhin noch mit acht Punkten. Ein tadelloses Auswärtsspiel der Bamberger in 30 Minuten. Was danach folgte, war ein Schlussviertel, das ratlos macht. Da wäre zum einen die flatternde Hand von Daniel Theis zu nennen, der vier Freiwürfe hintereinander an den Ring setzte. Oder Nicolo Melli, der nach einer überragenden ersten Halbzeit offensiv komplett untertauchte. Oder Maodo Lo, der viele wichtige Würfe traf und am Ende sogar das Vertrauen von Trinchieri bekam, das Spiel in die Verlängerung zu schicken. Ehe er seinen Wurf überhaupt abfeuern durfte, trat er mit seinem Fuß über die Seitenlinie. Eine Szene, die sinnbildlich für Bambergs verkorkste Schlussphase steht.


Sucht man als neutraler deutscher Basketball-Fan an diesem Abend nach einem Strohhalm, fand man diesen in Johannes Voigtmann. Der Nationalspieler, dessen Wechsel von Frankfurt nach Spanien im Sommer kritisch beäugt wurde, erlebt bei Baskonia derzeit die beste Phase seiner Karriere. Dabei kam Voigtmann gegen Bamberg zunächst nur schwer in Tritt: Zwei Punkte und ein Block lautete seine Ausbeute in den ersten 20 Minuten, dazu bereitete ihm der flinkere Nicolo Melli immer wieder Schwierigkeiten. Nach dem Seitenwechsel wurde er von seinem Coach Alfonso Alonso allerdings unter den Korb beordert. Auf der 5, seiner Parade-Position, blühte Voigtmann regelrecht auf – und mit ihm auch seine Teamkollegen. Baskonia gewann die zweite Halbzeit mit 49:27, weil Voigtmann laut Kommentator Michael Körner „am Ende überall war.“ An der Dreierlinie, im Low-Post oder als Ringbeschützer – seine Präsenz schüchterte Bamberg regelrecht ein. Da ist es kaum verwunderlich, dass er schließlich 20 Punkte und 9 Rebounds hinter seinem Namen Spielberichtsbogen notierte, Comeback-Sieg inklusive. Aus Sicht von Voigtmann hätte der Abend nicht besser laufen können.


Nach den zuletzt bitteren Niederlagen war es für Bamberg eigentlich Pflicht, von diesem Auswärtstrip ins Baskenland mit einem Sieg im Gepäck zu landen. So wartet am Gepäckband allerdings nur ein Koffer mit den Zahlen zwei und sechs. Das ist die Bilanz, die Bamberg nach acht Spieltagen in Europas Eliteklasse vorweist. Jede einzelne der sechs Niederlagen wäre vermeidbar gewesen, hätte Bamberg in der Schlussphase einen kühlen Kopf bewahrt. Dass die Spieler dazu durchaus in der Lage sind, haben sie bereits unter Beweis gestellt. Im vergangenen Jahr glückten Bamberg – damals noch im Top16 – mehrere Comeback-Siege, manche davon wurden gar mit einem Gamewinner in der Schlusssekunde eingetütet. Vielleicht wäre es hilfreich, diese Video-Tapes aus irgendeiner Schublade in Andrea Trinchieris Schreibtisch zu kramen. So oder so wird das italienische Trainer-Genie zukünftig vor harte Proben gestellt. Will Bamberg noch Platz 8 ins Visier nehmen, der gerade noch zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, müssen schleunigst Erfolgserlebnisse her.

6052 | Laboral Kutxa - Brose Bamberg