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Euroleague

DER EUROLEAGUE-BOSS ZUR SITUATION DER BBL IM REFORMIERTEN MODUS

BERTOMEU: "DIE BBL WAR NIE DAFÜR, EINE DEUTSCHE A-LIZENZ ZU VERGEBEN."

Alexander Dechant

Von Alexander Dechant
@alex_thinxpool

Zur kommenden Saison führt die Euroleague ein neues Wettkampfformat ein: Nur noch 16 statt 24 Mannschaften, die vierzügige Gruppenphase wird abgeschafft, stattdessen spielt jeder gegen jeden um den Einzug in die Playoffs. Das Teilnehmerfeld schrumpft, die Anzahl der A-Lizenzträger hingegen nicht – elf der 16 Teams sind dauerhaft qualifiziert, nur fünf Restplätze werden Jahr für Jahr neu vergeben.

Mit dieser Umstrukturierung erstickte die Euroleague nicht nur FIBAs Vision einer ähnlich aufgebauten Champions League im Keim, sie wird auch den europäischen Basketball neu definieren – nicht jeder allerdings begreift diese Neu-Definition als Chance.

Im Rahmen der Präsentation zum Final Four, das im kommenden Mai in Berlin stattfinden wird, nimmt Jordi Bertomeu im Gespräch mit Jannes Schäfer Stellung zu den Themen, die aktuell Basketball-Europa beschäftigen.Jordi Bertomeu, wie bewerten Sie die bisherigen Leistungen der deutschen Euroleague-Teams, der Brose Baskets und des FC Bayern München?

Das gesamte Teilnehmerfeld zeigt, wie hoch die Qualität im diesjährigen Wettbewerb ist. Wir sehen, dass die letzte beiden Champions, Real Madrid und Maccabi Tel Aviv, Probleme haben, und dass Teams wie Bamberg und Bayern mindestens auf einem ebenbürtigen Niveau agieren. Für mich kommt das allerdings nicht überraschend: Die deutschen Teams haben sich in jedem Jahr verbessert, gerade ALBA BERLIN zum Beispiel schaffte es in der abgelaufenen Saison beinahe in die Playoffs. Genau das haben wir erwartet. Und sie werden sich weiter steigern, da bin ich mir sicher.

Wie Sie sagten: ALBA verpasste die Playoffs in der vergangenen Saison nur knapp, nun findet das nächste Final Four in Berlin statt … Warum wurde dennoch Bayern München, nicht ALBA BERLIN mit einer Wildcard ausgestattet?

Weil wir die gleichen Kriterien angelegt haben wie im letzten Jahr, als ALBA eine Wildcard bekommen hat. Unsere Maßstäbe können wir nicht Saison für Saison neu definieren. Als Teil unserer Verpflichtung gegenüber dem deutschen Basketball haben wir eine Regelung implementiert, die es dem Meister erlaubt, sich direkt für die Euroleague zu qualifizieren. Der Zweitplatzierte bekam die Chance, über eine Wildcard am Wettbewerb teilzunehmen. Wenn es um die Vergabe einer Wildcard geht, bewerten wird das Gesamtpaket: Das Wildcard-Team muss in unseren Augen die Zukunft des europäischen Basketballs fördern. Dieses Kriterium erfüllen ALBA BERLIN und der FC Bayern München gleichermaßen. Wenn wir uns also für einen der beiden entscheiden müssen, bekommt derjenige den Vorzug, der im Vorjahr in der Liga besser abgeschnitten hat. Und das war nunmal Bayern. Auch wenn das Final Four in Berlin stattfindet: In unserer Politik müssen wir konsequent sein.

Ab der kommenden Saison wird die Euroleague im neuen Format ausgetragen. Von 16 Mannschaften sind ganze elf mit einer sogenannten A-Lizenz ausgestattet, die zur dauerhaften Teilnahme berechtigt. Warum so viele?

Weil wir mit diesen Teams langfristige Verträge haben, diese müssen wir einhalten. Allerdings muss man auch sehen, dass genau diese Mannschaften 93 % der Euroleague-Titel unter sich verteilen, 90 % der Final-Four- und 95 % der Playoff-Teilnahmen. Sie haben also über Jahre hinweg bewiesen, dass sie langfristig gute Ergebnisse liefern – nicht nur in der Euroleague, sondern auch im nationalen Wettbewerb. Es ist deswegen nicht nur der langfristige Vertrag, sondern auch die sportliche Leistung, die eine so hohe Anzahl von A-Lizenzen rechtfertigt. Genau dafür aber haben wir ein Regelwerk entworfen, das sicherstellt, dass die A-Lizenz-Teams weiter an ihrer Entwicklung arbeiten. Tun sie das nicht, werden sie ihre Lizenz verlieren.

Das heißt, Sie haben das Recht, A-Lizenzen auch innerhalb der auf die nächsten zehn Jahre ausgelegten Partnerschaft zu entziehen?

Ja, das haben wir.

Ein Team, das für die Entwicklung der Euroleague durchaus interessant ist, ist Darussafaka Dogus Istanbul. Darussafaka allerdings hält derzeit keine A-Lizenz, planen Sie langfristig dennoch mit den Türken?

Wir sind uns darüber im Klaren, dass Darussafaka ein interessantes Projekt ist und der Status von Basketball in der Türkei rapide wächst. Deswegen machen wir mit Darussafaka das gleiche, was wir vor Jahren auch mit Mailand gemacht haben: Wir testen sie. Mailand konnte sich bewähren, deswegen haben die Italiener eine A-Lizenz erhalten. Wenn Darussafaka konstant Leistungen bringt, auf und abseits des Parketts, und eine neue Arena baut, dann bekommen sie die gleiche Chance. Hinter dem Klub steht ein großer Investor, der verrückt ist nach Basketball und diesen Prozess kontinuierlich vorantreiben wird. In dieser Saison geht es für sein Team darum, sich zu beweisen. Was daraus in der nächsten oder übernächsten Saison folgt, lässt sich aber heute noch nicht absehen.

Der deutsche Meister war in der Vergangenheit direkt für die Euroleague qualifiziert, bleibt diese Regelung trotz eines kleineren Teilnehmerfelds bestehen?

Wie genau die restlichen Plätze vergeben werden, haben wir noch nicht festgelegt, mir ist es wichtig, hier einen Konsens mit den nationalen Ligen zu erreichen. Darum laden wir alle von ihnen am 2. Dezember zu einem Treffen in Barcelona ein, wo diese Kriterien festgelegt werden sollen. Allerdings sehe ich keine Option, in der der deutsche Meister nicht auch in Zukunft automatisch qualifiziert sein sollte. Der Wettbewerb in der BBL war in den letzten Jahren so hoch, dass wir immer wieder auch ein zweites Team eingeladen haben teilzunehmen. Egal, ob Berlin, Bamberg oder München: Die deutschen Teams haben sich den Startplatz verdient. Ich werde jeder Kritik hieran äußerst bestimmt entgegentreten.

Alexander Reil, Präsident der BBL, kritisierte das neue Konzept mit allein 30 Vorrundenspielen, zu denen zusätzlich zwei Fenster für die Nationalmannschaft der Liga den Spielraum nehmen. Verliert der nationale Wettbewerb dadurch nicht an Bedeutung?

Ich sehe da kein Problem. Im Gegenteil: Ich erinnere mich an eine ähnliche Kritik aus Spanien; dass Real Madrid, der FC Barcelona oder auch Unicaja Malaga und Laboral Kutxa sich bei einer A-Lizenz für den nationalen Wettbewerb nicht mehr interessieren würden. Dennoch ist es Jahr für Jahr wieder ein enges Rennen um die spanische Meisterschaft, die Arenen sind ausverkauft und die Stimmung herausragend. Für mich sind das Spekulationen, für die es in der Realität keine Anhaltspunkte gibt.

Auf der anderen Seite erhöhen wir natürlich die Anzahl der Spiele. Das aber geht auf Kosten der Vereine, nicht der Ligen. Denn wir werden in unserem Spielplan nicht aufs Wochenende ausweichen und wir werden die BBL auch nicht auffordern, die Anzahl von Teams herabzusetzen.

Die FIBA war an diesem Punkt sehr eindeutig: Eine Liga mit 18 Teams sei unmöglich, 16 oder gar 14 Teams seien anzustreben. Wir sehen das anders und bieten zusätzlich die Möglichkeit, sich über die deutsche Meisterschaft direkt zu qualifizieren. Da ist die Tür für jeden offen.

Wird die Euroleague die von der FIBA vorgesehen Fenster für Nationalmannschaften im November und Februar respektieren?

Unsere Teams fordern, dass dieser Punkt diskutiert wird. Bisher allerdings hatte die FIBA keinerlei Interesse daran, in einen Dialog zu treten. Dabei gibt es eine Alternative zu diesen Nationalmannschaftsfenstern. Eine gute Alternative, die sowohl die Pläne der FIBA als auch die Bedürfnisse der Vereine beachtet. Denn die grundsätzliche Idee der FIBA ist ja keine schlechte … Nationalmannschaften sollen Pflichtspiele vor heimischer Kulisse absolvieren, das finde ich gut. Auch weicht man so Überschneidungen mit den Fußballnationalmannschaften aus, auch das finde ich erstrebenswert. Beides könnte man aber auch erreichen, wenn man die Fenster in den Sommer legt: Nationalmannschaft im Juli, wenn die Spieler in bester Verfassung aus ihren Vereinen kommen, und Sommerpause von Mitte August bis September. Denn die Spieler müssen sich ja auch irgendwann mal ausruhen dürfen. Ich habe der FIBA diese Option präsentiert, bis heute aber keine Rückmeldung erhalten.

Sehen Sie das neue Format mit nur 16 Teams potenziell als eine Art europäische Conference unter dem Dach der NBA?

Nein, unsere Vision beschreibt eine gesamteuropäische Liga. Diesen Prozess leiten wir in der kommenden Saison ein. Was daraus in zehn oder zwanzig Jahren wird, weiß ich nicht, aber als potenzieller Teil der NBA sehen wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht. Erstmal freuen wir uns, dass wir ein einzigartiges Produkt schaffen, das sportartenübergreifend so nicht existiert in Europa.

Durch die Vergabe von elf dauerhaften A-Lizenzen schließen Sie gleichzeitig allerdings viele Teams mehr oder weniger kategorisch aus. Denken Sie nicht, dass Sie damit dem Basketball in strukturschwächeren oder kleineren Ländern schwer schaden?

Wir müssen eine hohe Qualität gewährleisten, die kann man nicht einfach erzwingen. Die deutschen Teams sind hierfür ein gutes Beispiel: In harter Arbeit haben sie über viele Jahre bewiesen, dass sie in die Euroleague gehören. Heute bezweifelt das keiner mehr. Deswegen wird dem Eurocup in Zukunft eine noch höhere Bedeutung zukommen: Wer in diesem anspruchsvollen Wettbewerb den Titel gewinnt, hat sich die Teilnahme sportlich verdient. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Gespräche mit Teams, die in der Euroleague spielen wollten, es dann aber nicht einmal in die zweite Runde des Eurocups geschafft haben. Natürlich respektieren wir die Motivation, aber müssen auch die realen Verhältnisse beachten – woher kommen denn die dominanten Teams der näheren Eurocup-Vergangenheit? Aus Spanien und Russland. Ich sehe da oben keine französischen oder slowenischen Vereine. Wer im Eurocup dominiert, spielt auch in der Euroleague. Wer nicht, gehört auch nicht auf das nächsthöhere Level.

Kommt für Sie eine der deutschen Topmannschaften auf lange Sicht als A-Lizenzträger infrage?

Die Kriterien für eine A-Lizenz sind Resultat aus sportlichen Erfolgen und der Größe des Marktes, in dem sich ein Team befindet. Darunter fallen Vereine wie Real Madrid, der FC Barcelona, Maccabi Tel Aviv und ZSKA Moskau ganz ohne Frage. In Deutschland ist das leider nicht so einfach.

ALBA BERLIN hat eine tolle Stadt, eine großartige Arena und gehört zu den bestorganisierten Teams in Europa – aber das letzte Mal, dass sie Deutscher Meister wurden, ist sieben Jahre her. Auf der anderen Seite haben wir Bamberg: Sehr einzigartig, ein sehr kleiner Markt, aber sportlich unglaublich erfolgreich. Wie könnten wir Berlin eine A-Lizenz ausstellen, Bamberg aber nicht? Dazu kommt natürlich Bayern München: eine große Marke, sehr gut organisiert und ein starkes Team. Das macht es nicht einfacher.

Dass der dominierende Verein – anders als in Israel oder Russland zum Beispiel – fehlt, macht den sportlichen Wettbewerb in Deutschland attraktiver, wirkt sich aber auch auf die Vergabe einer A-Lizenz aus. Hinzu kommt dass wir in der Vergangenheit viele Gespräche mit der BBL hatten, die aber nie dafür war, eine A-Lizenz nach Deutschland zu vergeben.

Warum das?

Weil die BBL glaubte, dass darunter die Qualität der Liga zu leiden hätte. Je offener der Prozess zur Qualifikation für die Euroleague, desto mehr Wettbewerb, so die Theorie. Ich weiß allerdings nicht, ob die Liga damit Recht hat. In Spanien zum Beispiel haben A-Lizenz-Teams 39 der letzten 42 Meisterschaften gewonnen. Sieht das so aus, als würden diese Mannschaften die Motivation verlieren? Ich glaube nicht. In Russland oder Israel ist es das gleiche Bild: Egal, ob A-Lizenz oder nicht, hier wollten Teams selbst Freundschaftsspiele um jeden Preis gewinnen.

Herr Bertomeu, vielen Dank für das Gespräch.