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Chikoko, Toppert & Co: Die neuen Teilzeit-Bayern

Von Florian Schmidt-Sommerfeld
@Schmiso

Nach drei Abgängen im Laufe der Saison hat der FC Bayern zum Ende der Wechselfrist gleich doppelt nachgelegt. Small Forward Chad Toppert und Power Forward Vitalis Chikoko sollen die Stammspieler entlasten und im Training dagegenhalten. Im Bayernkader ist deutlich mehr Bewegung als in den letzten Jahren, auch eine Lehre aus der letzten Saison.

AUTOR FLORIAN SCHMIDT-SOMMERFELD

Svetislav und Marko Pesic sind keine Freunde von Nachverpflichtungen. Das Vertrauen in die Spieler, mit denen sie in die Saison gestartet sind, war für Trainer und Geschäftsführer stets ein hohes Gut. Doch in der aktuellen Saison tut sich mehr, gibt es mehr Bewegung im Bayernkader als man das bisher kannte: K.C. Rivers, Vasilije Micic, Andreas Seiferth, Justin Cobbs und nun auch Vitalis Chikoko und Chad Toppert – alles Teilzeit-Bayern.

Letztes Jahr kam und ging einzig und allein Bo McCalebb. Eine neue Philosophie? Eher nicht. Rivers, Micic und Seiferth verließen der Verein auf eigenen Wunsch, deshalb legte Bayern drei Mal nach. „Angesichts der Verletzungsprobleme in der Vergangenheit wollten wir uns einfach absichern“, sagte Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic zu den Verpflichtungen von Chikoko und Toppert zum Auslaufen der Wechselfrist Ende Februar. „Chad ist eine gute Ergänzung, nachdem uns Nihad Djedovic noch mindestens vier Wochen fehlen wird. So hat Nihad jetzt alle Zeit, wieder fit zu werden. Vitalis gibt uns zudem die Möglichkeit, bei Problemen reagieren und vor allem viel belastete Spieler wie Deon Thompson, John Bryant und Dusko Savanovic schonen zu können. Gerade Vitalis ist jemand, der diese Aufgabe versteht und annimmt.

Die Absicht des Vizemeisters ist klar: Zwei bundesligaerfahrene Profis sollen die Dauerbrenner im Spiel entlasten und im Training fordern. Bisher taten das die Nachwuchsspieler Karim Jallow, Sebastian Schmitt und Daniel Mayr. Für sie rückt die zweite Mannschaft nun wieder stärker in den Fokus. „Bayern ist einer der Top-Vereine in Europa. Das ist eine Chance, auf die ich gehofft habe – und zum Glück habe ich sie jetzt“, freute sich Deutsch-Amerikaner Chad Toppert bei seiner Vorstellung am Freitag. Swingman Toppert spielte von 2013 bis zur Abmeldung vom Spielbetrieb im Sommer bei den Artland Dragons. In beiden Bundesligajahren traf er mehr als 50 Dreier pro Saison, mit einer überragenden Quote knapp unter 45 Prozent. Power Forward

Vitalis Chikoko aus Simbabwe ist für Beko BBL-Fans ebenfalls ein alter Bekannter. 2011 kam der 2.09 Meter-Mann aus seiner Heimat nach Göttingen, wechselte im folgenden Sommer zur TBB Trier, wo er bis zur Insolvenz im März 2015 zum effektivsten Spieler des Teams gereift war. „Schon seit ich Basketball in Deutschland gespielt habe, wollte ich für Bayern München spielen“, schwärmt Chikoko, der bis Saisonende unterschrieben hat.
Die Eingewöhnung in München erlebt Chikoko gerade im Schnelldurchlauf „Ich habe das Gefühl, als würde ich schon ein Jahr mit den Jungs zusammenspielen.“ Dabei war sein letztes Jahr eher turbulent. Nach der Insolvenz der TBB Trier im März 2015 wechselte Chikoko nach Italien zu Reggio Emilia und musste sich in der Finalserie um die italienische Meisterschaft mit nur 3:4 geschlagen geben.

Chikoko wollte und sollte bei italienischen Vizemeister bleiben, im Spätsommer kam überraschend alles anders. „Sie haben das Management und die Coaches gewechselt und wollten, dass ich mir ein neues Team suche. Für mich war es schon ziemlich spät, es war im August und die meisten Kader in der Serie A waren voll. Aus Verona bekam ich dann ein gutes Angebot.“ So ging der Power Forward in die zweite italienische Liga, die Bundesliga hat er dabei nie aus den Augen verloren. „Ich habe mir ein paar BBL-Spiele angesehen, vor allem Bayern, Bamberg und Berlin – die großen Teams. Da herrscht ein großer Wettbewerb.“

Auch Chad Toppert stand im Sommer 2015 auf einmal ohne Verein da, als die Artland Dragons vom Spielbetrieb abgemeldet wurden. Auch sein deutscher Pass – Topperts Großvater emigrierte einst aus Rostock in die USA - verhalf dem Wing nicht zu einem neuen Vertrag in Deutschland. „Ich hatte keine wirklich guten Angebote“, erklärt der 30-Jährige, den es in die USA zu den Reno Bighorns zog. Topperts Vertrag in München läuft nur über zwei Monate.

„In Europa ist alles sehr professionell, besser als in der D-League, finanziell ist es auch besser.“ In Quakenbrück spielte Toppert zuletzt knapp 14 Minuten pro Partie, in München dürfte er vor allem während des Ausfalls von Nihad Djedovic auf Spielzeit kommen. Richtung Playoffs wird die Rotation allerdings kürzer, dann wird der neue Wing eher im Training gebraucht. Dazu kommt: Mit 30 Jahren kann sich der Deutsch-Amerikaner noch einmal in der Bundesliga zu präsentieren. „Ich hatte viel Erfolg in der NBA Development League, mein Team stand auf dem ersten Platz. Aber ich wusste gleich: Das ist eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen kann. Und nach dem, was ich bisher gesehen habe, war es definitiv die beste Entscheidung.“

Topperts Stärken: Sein Wurf und sein Basketball-IQ, dafür ist er wie er selbst sagt nicht der Schnellste. Toppert weiß um seine kleine Rolle: „Die Mannschaft ist schon sehr erfolgreich, ich will da nichts durcheinanderbringen. Einfach reinkommen, meine Rolle spielen, den anderen Pausen geben.“ Chikoko schließt sich an: „Ich will viel Energie in die Defensive bringen." Als siebter Ausländer wird der 25-Jährige nur im Wechsel mit den anderen im Kader stehen, sein Vertrag läuft aber bis Saisonende.  „Ich spiele Defense, hole Rebounds – darauf konzentriere ich mich, ab und an kann ich auch scoren.“  Beim Spiel am Sonntag gegen den Mitteldeutschen BC wollen beide ihr Debüt im Bayerntrikot geben. „Ich hoffe es und bin für alles bereit“, so Chikoko. „Ich werde mich bereithalten und denke, dass ich einige Minuten bekommen werde“, ergänzt Toppert.

Nach dem Abgang von K.C. Rivers hat der FC Bayern "den Markt beobachtet", wie Marko Pesic immer wieder wissen ließ. Ein dicker Fisch vom Kaliber Rivers ist dabei nicht ins Netz gegangen und doch haben die Münchner aus der letzten Saison ihre Lehren gezogen. Durch die andauernde Verletzungsmisere konnte vergangene Saison im Training nie die volle Intensität erreicht werden - es fehlten dafür schlicht die Spieler. Und die fitten Akteure dagegen mussten im Wettbewerb sehr viele - vielleicht zu viele Minuten spielen. Damals verzichtete der FC Bayern auf Nachverpflichtungen und blieb bekanntlich ohne Titel. In der laufenden Saison wurde dagegen drei Mal nachgebessert.

Sollte es dieses Jahr zum Meistertitel reichen, könnten Chikoko und Toppert das Zünglein an der Waage gewesen sein. Und die Philosophie in Sachen Nachverpflichtungen weiter verändern.