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#Meinung

19. April 2017

Darum ist Basta mit Rasta, jetzt kommt der Osten!

Jörg Dierkes

Von Jörg Dierkes

… also, ich habe Bluthochdruck. Das bedeutet ich sollte meine Gefühle nicht aufstauen. Wut, Ärger, Freude und Mitgefühl müssen raus, möglichst rasch. Weniger Kaffee und Abnehmen helfen auch, ich weiß. Bin dabei! Aber trotzdem, Achtung! Es folgt Meinung!  

Da ist man als Journalist der Neutralität verpflichtet, aber ein bisschen Wehmut ist dann doch vorhanden.

Sie sind so voller Euphorie in die Saison gestartet. Der selbsternannte geilste Verein der Welt wollte das Basketballoberhaus so richtig durchmischen und allen in der Republik klar machen, dass da irgendwo zwischen Oldenburg und Osnabrück doch noch was im Nirgendwo existiert. Der erste Spieltag am 23. September 2016 war dann aber schon ein mächtiger Schlag vor den Bug. Denn der designierte Absteiger Nummer eins, die Basketball Löwen Braunschweig, entführte ziemlich deutlich beide Punkte aus dem aufstiegsbedröhnten Vechta.

Bereits damals erwähnte ich in meinem Kommentar, dass es bei Vechta noch nicht zusammenpasst. Entweder löteten alle wie irre von draußen oder jeder zog mit Ball in eine überfüllte Zone. Jedenfalls bewegte sich kaum einer ohne Ball.

30 Spieltage später ist das immer noch das Problem der Rastaner und es jetzt zu beheben, wäre zu spät. Basta mit Rasta, nach Hagen steht nun auch rechnerisch, theoretisch blablabla…Kurz: Vechta ist abgestiegen.

Zwei Siege aus 29 Spielen = Abstieg!

Zwei Siege in 31 Spieltagen sind einfach viel zu wenig. Selbst der annullierte Erfolg über Phoenix Hagen hätte sie nicht gerettet.

Für dieses mickrige Abschneiden gibt es natürlich zig Gründe. Letztlich bleibt, dass der Aufstiegscoach Andreas Wagner eine Truppe aus jungen Wilden und erfahrenen Veteranen zusammengestellt hat, die so nicht funktionierte. Rasta ist bis heute kein Team und das ist in beinahe jedem Spiel zu spüren.

Sie haben alles versucht. Rasch wurden jene ausgesondert, die nicht zu passen schienen. Im Falle von Scott Machado sogar sehr unzweideutig. Doch alle Nachverpflichtungen brachten ebenfalls nicht die Wende und erwiesen sich als Nieten.

Mehrfach waren sie knapp dran. Schnupperten in einigen Spielen am Erfolg, doch in der Crunchtime verweigerten sie ein ums andere Mal einen Sieg.

Ultima Ratio war dann noch der Trainerwechsel. Etwas resigniert musste aber auch der Neue, Doug Spradley, jüngst einräumen, dass es auch ihm nicht gelungen ist, eine Mannschaft mit Spirit aus dem bunten Haufen zu formen.

Geile Fans und super Stimmung trotz Erfolgslosigkeit

Insgesamt ein typischer Fall von: Schade! Denn das komplette Umfeld hätte mehr verdient. Der Verein ist gesund und sympathisch, die Fans sind Extraklasse und absolut erstligareif. Der Rasta Dome ist ausverkauft und ein Hexenkessel. Kurz, das Arbeiten in Vechta macht richtig Spaß und wird mir echt fehlen. Auch der Blick aufs Stoppelfeld direkt neben der Halle. Dort sind nämlich auch für das ungeübte Auge eines Städters immer ein paar Rehe oder Fasanen zu entdecken.

Vechta tritt also wieder die Reise zurück in die Pro A an. Und was kommt hoch? Offenkundig der wilde Osten. Der Mitteldeutsche Basketball Club ist Meister der regulären Spielzeit, hat in den Playoffs mit einem Sweep das Halbfinale gegen Kirchheim erreicht.

Gotha hat den Vize Crailsheim rausgehauen und trifft im anderen Semifinale auf Chemnitz.

Bundesliga goes east!

Selbst wenn es nicht zu einem Finale Ost gegen Ost kommt, weil Kirchheim die Überraschung glückt, dann würde ein Aufsteiger per Wildcard gesucht, denn Kirchheim hat keine Erstligalizenz beantragt.

Nur über diesen Weg, so scheint es, hat der Westen der Republik noch eine Chance, denn Crailsheim, Trier und Köln haben ihre Bewerbung auf eine Lizenz im Oberhaus eingereicht.

Trotzdem scheint es so, dass die Liga sich weiter nach Osten und Süden verschiebt. Und noch ist ja auch nicht klar, ob alle bestehenden Bundesligisten saubere Zahlen eingereicht haben. Die schlechten Erfahrungen, die alle in dieser Spielzeit mit dem Fall Hagen gesammelt haben, sollten dem Lizenzligaausschuss eine Lehre sein. Sie waren nicht schuldlos an dem Debakel, dass zwei Drittel der Saison mit nur 17 Mannschaften absolviert wurde.

Ach ja, Phoenix Hagen, die haben übrigens eine Lizenz für die Pro A beantragt. Angeblich steht ein Millionenetat auf sicheren Füßen. Vielleicht nehmen die Hagener ja zusammen mit Vechta dann wieder Kurs auf den gemeinsamen Aufstieg.