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BBL-Sonntag

8. Januar 2017

Ein Thompson allein ist gegen Bamberg nicht genug

Von Fabian Wenninger

Die Telekom Baskets Bonn sind im Spitzenspiel gegen Bamberg chancenlos, weil Ryan Thompson keine Unterstützung erhält. Ulm spaziert zum nächsten Sieg, Bayreuth stolpert dagegen in Braunschweig. In Oldenburg feiert Rickey Paulding ein besonderes Jubiläum – und Frankfurt gewinnt das Hessen-Derby gegen Gießen. Der Abschluss des 18. Spieltags in der Übersicht.


TELEKOM BASKETS BONN (9-8) VS BROSE BAMBERG (16-1)70:85 (35:46)
Top-Scorer: Ryan Thompson (33) – Leon Radosevic (22)
Top-Rebounder: Yorman Polas Bartolo (7) – Patrick Heckmann (6)
Top-Assistgeber: Josh Mayo (7) – Nikos Zisis, Maodo Lo (je 5)

LÖWEN BRAUNSCHWEIG (4-13) VS MEDI BAYREUTH (13-4)82:63 (38:34)
Top-Scorer: Dyshawn Pierre (19) – Kyan Anderson (18)
Top-Rebounder: Geoffrey Groselle (13) – Nate Linhart (7)
Top-Assistgeber: Carlos Medlock, Pierre (je 3) – Linhart, Robin Amaize (je 3)

FRAPORT SKYLINERS (7-10) VS GIESSEN 46ERS (8-9)65:61 (33:28)
Top-Scorer: Shavon Shields (15) – Cameron Wells (19)
Top-Rebounder: Mike Morrison (7) – Dwayne Evans (9)
Top-Assistgeber: Quantez Robertson (5) – Wells (3)

RATIOPHARM ULM (17-0) VS SCIENCE CITY JENA (6-11)114:83 (63:34)
Top-Scorer: Raymar Morgan (34) – Ermen Reyes-Napoles (16)
Top-Rebounder: Morgan, Taylor Braun (je 5) – Stephan Haukohl (6)
Top-Assistgeber: Braydon Hobbs (12) – Daniel Schmidt (7)

EWE BASKETS OLDENBURG (9-8) VS WALTER TIGERS TÜBINGEN (3-14)86:82 (52:47)
Top-Scorer: Philipp Schwethelm (20) – Stanton Kidd (24)
Top-Rebounder: Brian Qvale (6) – Gary McGhee, Kidd (je 6)
Top-Assistgeber: Chris Kramer (7) – Jared Jordan (11)


Trotz herausragender Einzelkönner ist Basketball im Jahr 2017 immer noch ein Teamsport. Fünf-gegen-Fünf. Wer das besser umsetzt, gewinnt in der Regel auch das Spiel. In Bonn bekam man an diesem Sonntag eher den Eindruck, als müsste sich ein Spieler mit fünf anderen duellieren. Gemeint ist Ryan Thompson, Bonns Go-to-Guy – im wahrsten Sinne des Wortes. Gegen seine ehemaligen Kollegen aus Bamberg zeigte der Amerikaner sein bestes Saisonspiel. Trotzdem siegte der Meister souverän, weil Thompsons Teamkollegen ihn im Stich ließen.

Drei Jahre lang tigerte Raoul Korner in Braunschweig die Seitenlinie auf und ab. Bemessen an dem schmalen Budget durchaus erfolgreich. Korner war das nicht genug, er sah keinen Raum mehr für Entwicklung. Deshalb wechselte er im Sommer nach Bayreuth, wo er binnen kürzester Zeit aus einer Mittelfeld-Truppe ein Spitzenteam geformt hat. Bei seiner Rückkehr nach Braunschweig erlebte Korner allerdings eine böse Überraschung. Mit 69:82 bekam Bayreuth eine deutliche Watschen verpasst. Und Korner? Der war davon sichtlich wenig begeistert.

Zwei Monate sind vergangen, seitdem sich Frankfurt und Gießen zuletzt duellierten. Damals gewannen die 46ers die erste Auflage des Hessen-Derbys in dieser Saison. In Frankfurt hat sich seitdem viel getan. Head Coach Gordon Herbert ist zurück, dazu kamen mit A.J. English und Shawn Huff zwei gefährliche Scoring-Optionen. Alle drei Namen sind auch zu nennen, um Frankfurts 65:61-Erfolg im Rückspiel zu erklären. Herbert, weil er aus vielen Puzzle-Teilen wieder eine herausragende Defensive geschaffen hat. English (14 Punkte) und Huff (13), weil sie Top-Scorer Shavon Shields (15) immer wieder entlasten konnten. Frankfurt hat sich an die Playoff-Plätze herangerobbt – und ist kurz davor, die Vorherrschaft in Hessen zurückzuerobern.

Die Vorherrschaft in ganz Basketball-Deutschland gehört derzeit ratiopharm ulm. Das untermauerte der Tabellenführer eindrucksvoll gegen Science City Jena. Nach den ersten 20 Minuten, in denen sich Ulm auf 39 Punkte abgesetzt hatte, war dieses Duell im Prinzip entschieden. Einmal mehr überragend: MVP-Anwärter Raymar Morgan (34 Punkte). Da fiel es kaum ins Gewicht, dass Per Günther erneut mit Rückenproblemen ausfiel. Ulms Anführer glänzte während des 18. Ulmer Erfolgs im 18. Saisonspiel dafür an anderer Stelle (siehe „Wischen wir bei Tinder nacht rechts“).

Deutlich knapper als erwartet gestaltete sich das Aufeinandertreffen zwischen Oldenburg und Tübingen. Nur vier Punkte trennten den Playoff-Anwärter und das an Ergebnissen gemessen mieseste Team der Liga am Ende. Tübingen traf exzellent von außen (12/23) und hatte mit Neuzugang Stanton Kidd (24 Punkte) einen Spieler, den Oldenburg nicht in den Griff bekam. Oldenburg rettete den Sieg nur dank 13-Punkte-Polsters aus dem dritten Viertel ins Ziel. Grund zu feiern gab es am Ende trotzdem, vor allem für Rickey Paulding. Der Publikumsliebling erzielte seinen 5000. Punkt in der BBL – natürlich alle für „Pauldingburg.“


Unterstützung für Ryan Thompson. Bonns Top-Scorer war gegen Bamberg im Prinzip auf sich alleine gestellt. 33 Punkte bedeuteten für ihn zwar einen neuen Saison-Bestwert, führen aber gleichzeitig auch auf das Unvermögen seiner Kollegen zurück. Nur Julian Gamble (15 Punkte) scorte noch zweistellig, hatte dafür aber enorme Probleme mit Bambergs beweglichem Center Leon Radosevic. Eine noch größere Baustelle bildete sich allerdings an der Dreierlinie: Alle zehn Versuche, die Bonn in der ersten Halbzeit von dort aus Richtung Bamberger Korb feuerte, klatschten an den Ring. Erst Josh Mayo erlöste die Fans im dritten Viertel mit seinem ersten erfolgreichen Distanzwurf. Bonns Bilanz besserte sich dennoch kaum: Am Ende wurden zwei verwandelte Dreier notiert – und 17 vergebene. Da reicht sogar Thompsons Explosion nicht aus, um gegen den deutschen Meister zu bestehen.


Braunschweigs Erfolg gegen Bayreuth. Wie groß die Lücke zwischen Raoul Korners ehemaligen und seinem aktuellen Team sein kann, hatte das erste Duell im Oktober gezeigt. 96:48 ballerte Bayreuth Braunschweig damals aus der Oberfrankenhalle. Weil Korner aber ein kluger Trainer ist, warnte er dem Wiedersehen: „Unser größter Feind ist das Hinspiel.“ Und tatsächlich war diese Lücke am 8. Dezember – zumindest für einen Tag – vollkommen verschwunden.

Braunschweig besiegte Bayreuth, weil die Gastgeber genauso spielten, wie es die Gäste üblicherweise tun: Mehr Entschlossenheit, mehr Aufopferungsbereitschaft, mehr Siegeswille als der Gegner. Belegbar ist das im Basketball besonders am Rebound-Duell, das Braunschweig deutlich gewann (41:33). Stellvertretend für diesen Willen stand Geoffrey Groselle, der nicht nur ein Double-Double (13 Punkte, 13 Rebounds) auflegte, sondern auch fünf Würfe abschmetterte. „Braunschweig hat uns heute einfach überpowert“, stellte Robin Amaize ernüchternd fest. „Sie haben mit mehr Energie gespielt. Das ist uns in dieser Saison noch nicht passiert.“

Kennt man Raoul Korner, wird das Bayreuth sicher so schnell auch nicht mehr passieren.


Per Günther. Weil sich Ulms Identifikationsfigur derzeit nicht sportlich messen darf (Günther plagen Rückenprobleme), verfolgte er die Spiele seiner Kollegen zuletzt von der Bank aus. Im Heimspiel gegen Jena wechselte Günther aber kurzerhand seinen Sitzplatz. Runter von der Bank, ab ans Kommentatoren-Pult zu Telekom-Basketball-Reporter Michael Körner.

Günther fachsimpelte nicht nur, sondern konnte aufgrund des eindimensionalen Spielverlaufs auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Und weil es ihm hinter dem Mikro so gut gefiel, blieb er sogar das komplette Spiel. An dieser Stelle eine Anmerkung der Redaktion: „Lieber Per, wir sehen dich gerne als Co-Kommentator, aber noch lieber bist du uns wieder zurück auf dem Feld.“