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Körners Corner

21. September 2016

Es lebe der Sport!

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

easyCredit BBL, Euroleague, Eurocup und NBA. Der Basketball-Fan wird ab Freitag (18:45 Uhr Auftaktspiel Bamberg-Frankfurt) bei Telekom Basketball massiv verwöhnt. So viel Basketball gab es tatsächlich noch nie zu sehen, live oder auf Abruf. Zeit, sich über die Schönheit des Spiels ein paar Gedanken zu machen. Und über die wichtige Institution Leistungssport. Telekom-Basketball-Kommentator Michael Körner hat sich erstmals auf seiner neuen Spielwiese "Körners Corner" ausgetobt. 

Meine erste Erinnerung an Basketball ist ein dunkler Mantel.

Ich bin sechs Jahre alt und gehe mit meinem Vater in die Hagener Ischelandhalle zum Basketball. Mein Vater nimmt mich an die Hand, versteckt mich unter seinem Mantel und schmuggelt mich so in die Halle. Ob er das Eintrittsgeld für mich sparen wollte oder das Spiel ausverkauft war, ist nicht mehr zu ermitteln. Mein Vater verweigert unter lautem Lachen die Aussage.

42 Jahre später denke ich fast immer an den Mantel, wenn ich eine Basketball-Halle betrete. Wenn ich ankomme sind meistens nur einige Helfer in der Arena, Cheergirls proben ihre Abläufe, dicke Lockenwickler im Haar. Ich brauche mich nicht mehr unter einem Mantel zu verstecken, ich brauche auch keinen Eintritt zu bezahlen. Ich habe das wunderbare Privileg, dass ich in die Halle zur Arbeit gehe. Seit den Kindertagen in Hagen hat sich manches verändert. Aus Turnhallen wurden Arenen. Es gibt VIP-Räume, Sponsorenstände, Merchandising. Aber die wichtigsten Dinge sind gleich geblieben: Die nassgeschwitzten Fans, die hinter ihrer Mannschaft stehen. Der unvergleichliche Jubel, wenn das Heimteam in der Schlusssekunde gewinnt. Die innere Leere, wenn das Lieblingsteam ein entscheidendes Spiel verliert. Die dem Basketball eigene Dynamik und Athletik. Begriffe wie „Mittelfeldgeplänkel“ oder „vorsichtiges Abtasten“ entstammen anderen Sportarten.

Es gibt für mich nichts Schöneres, als Basketball live zu erleben.

Jetzt also Saisonstart. Vor uns steht eine Spielzeit, die es so zuvor noch nicht gab. Die Euroleague allein wird uns 30 Spieltage (zzgl. Playoffs) bescheren, Brose Bamberg mittendrin.  Die Bayern haben eine super starke Mannschaft hingestellt, sie werden der Top-Herausforderer. Ulm hat endlich einen richtig tiefen Kader. Berlin startet zum 67. Mal komplett von vorne. Ein früherer Liga-MVP spielt bei einem Aufsteiger. Neue Saison, neue Geschichten. 


 

MICHAEL KÖRNER

Ich bin ein Sportromantiker. Es ist hoffnungslos.

Als Kommentator bin ich eine Art „Superfan“. Ich setze mich im Vorfeld mit den Teams auseinander und sammel eifrig Informationen. Das Spiel selber darf ich mit guter Sicht plus Monitor verfolgen, die Atmosphäre aufsaugen, vermitteln, schwitzen.

Zehn Minuten beim „tatort“-Krimi deprimieren mich. Zehn Minuten live beim schönsten Sport der Welt motivieren mich.

Hoffnungslose Sportromantik? Ja, natürlich. Aber eben auch unvergleichbar. In Zeiten, in denen ständig über korrupte Funktionäre, gedopte Sportler und betrügerische Systeme berichtet wird, sollte man sich die Freude am Erlebnis des Livesports nicht nehmen lassen.

Neulich habe ich ein seltsames Interview gehört. Prof. Thomas Alkemeyer lamentierte über den Leistungssport mit der Kernaussage: „Eine aufgeklärte Demokratie braucht keinen Leistungssport.“ Und als Vorbilder für unsere Jugend bräuchte man den Sportler auch nicht. Diese Aussagen finde ich unsagbar traurig. Es ist relativ einfach zu erkennen, dass unsere Welt so allmählich aus den Fugen gerät. Ich habe vier Kinder aufwachsen gesehen und ich kann definitiv behaupten, dass Jugendliche Vorbilder und Orientierung brauchen und sogar verlangen. Disziplin, Eifer und Teamfähigkeit, Werte wie sie im Leistungssport vorgelebt werden, sind unverzichtbare Güter. Wenn Training belohnt wird, wenn Teamfähigkeit die Sozialkompetenz erhöht, wenn Selbstvertrauen gestärkt wird, dann sind das für die Entwicklung junger Leute massive Orientierungshilfen in einer ansonsten völlig überladenen und hoffnungslos oberflächlichen Welt. Noch unverständlicher ist die Anmerkung des Professors, dass für Jugendliche eh nur Spektakelsportler Vorbilder sind und nicht etwa die Kanuten. Diese Aussage ist sowohl falsch als auch gefährlich, da es nach moralischer Selbstaufgabe klingt. Wir haben es immer noch selbst in der Hand, welche Werte wir unseren Kindern vermitteln. Den zielorientierten Bausteinen eines Leistungssportlers kann ich da durchaus viel abgewinnen. 

Ich freue mich über jedes Kind, das nach dem Besuch einer Basketballhalle die Lust verspürt, Leistungssport zu betreiben. Oder wenn es sich einfach ein Autogramm oder Selfie vom Aufbauspieler holen möchte. Selbst wenn es unter dem Mantel des Vaters in die Halle gehuscht ist.