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Stefan Koch analysiert

17. April 2017

EuroLeague-Playoffs Live - Wer stoppt Real und CSKA?

Stefan Koch

Von Stefan Koch

Das Mammutprogramm von 30 Hauptrundenspielen liegt hinter den EuroLeague-Teilnehmern. Während sich die ausgeschiedenen Teams nun auf ihre nationalen Wettbewerbe konzentrieren können, geht für die acht Playoff-Qualifikanten der Terminirrsinn in dieser Woche weiter. Sportlich war das Niveau der Regular Season absolut beeindruckend: Es war technisch und taktisch phasenweise zum Zunge schnalzen.

Auch wenn der europäische Basketball einen anderen Ansatz verfolgt als die NBA, so gab es auch mehr als genug spektakuläre Aktionen von Spielern zu bewundern, den man ohne Zögern das Prädikat „Star“ auf die Stirn stempeln kann. Nicht alle dieser Ausnahmekönner werden bleiben, da sie mit ihren Leistungen Begehrlichkeiten auf der anderen Seite des Atlantiks geweckt haben. Dazu zählt auch Brad Wanamaker, der seinen in Bamberg begonnenen Aufstieg zu einem Ausnahmekönner in Istanbul fortgesetzt hat. Die deutschen Fans, die Darüssafaka nicht so häufig gesehen haben, konnten sich bei unseren Übertragungen an den letzten beiden Spieltagen ein Bild davon machen. Telekom Basketball überträgt in den Playoffs ein Spiel pro Viertelfinal-Runde und das komplette Final Four Live aus Istanbul.

So positiv das Fazit bezüglich der sportlichen Qualität ausfällt, bleibt doch anzumerken, dass dieses Hauptrundenformat Spielern und Coaches zu viel abverlangt. Derzeit besteht aber wenig Hoffnung, dass diese Einsicht bei den Verantwortlichen groß genug ist, um eine entsprechende Veränderung vorzunehmen.

 

Wie ausgeglichen Europas Eliteliga ist, lässt sich daran ablesen, dass die beste Mannschaft immerhin sieben Partien verloren hat.

Bevor ich mich mit den Playoffs befasse, verdienen die Bamberger noch ein paar Worte für ihre tolle EuroLeague-Saison. Sieben Niederlagen mit drei oder weniger Punkten zeigen wie dicht die Schützlinge von Andrea Trinchieri an der europäischen Spitze sind, vor allem wenn man bedenkt, dass man sich beiden Topteams erst in letzter Sekunden geschlagen geben musste. Die Franken waren spielerisch besser als Rang 13, den sie am Ende einnehmen. Wie ausgeglichen Europas Eliteliga ist, lässt sich daran ablesen, dass die beste Mannschaft immerhin sieben Partien verloren hat.

Als ich mir vor der Saison das Feld betrachtet habe, gab es für mich mit CSKA Moskau, Real Madrid und Fenerbahce Istanbul drei Favoriten. Während die beiden letzten Titelträger erwartungsgemäß die Hauptrunde an der Spitze abschlossen, gab es beim türkischen Meister mehr Sand im Getriebe als erwartet. Das lag auch an den vielen Verletzungen, aber nicht nur. Mit dem fünften Platz hat die Mannschaft von Zelimir Obradovic im Viertelfinale keinen Heimvorteil. Das gilt übrigens für alle drei Istanbuler Teams. Das Final Four wird in der türkischen Hauptstadt stattfinden. Entsprechend ist es vor den extrem fanatischen Fans am ehesten einem Lokalmatador zuzutrauen, Real oder CSKA zu stürzen. Aber dafür muss man erst einmal das Viertelfinale überstehen:
 


Die Madrilenen sind der klare Favorit in diesem Duell, auch wenn Darüssafaka einen starken Schlussspurt hingelegt hat. Real hat in der gesamten Rückrunde nur zwei Spiele verloren. Darüssafaka hat Wanamaker, Madrid den MVP-Kandidaten Sergio Llull. Allein dieses Duell dürfte es wert sein, die Begegnungen zu verfolgen. Die Spanier verfügen aber einfach über mehr Waffen, unter anderem mit dem 18jährigen Ausnahmetalent Luka Doncic und dem Superathleten Anthony Randolph. Vielleicht gewinnt Dacka ein Spiel, mehr aber auch nicht. Hintergrund-Informationen zum Euroleague-Projekt "Darüssafaka" gibt es in Episode 31 mit Ex-ALBA-Sportdirektor Mithat Demirel.

 

Mit dem Verlängerungssieg gegen Barcelona rettete sich Fenerbahce auf den fünften Platz. Eine Niederlage hätten Position Sieben bedeutet und ein Viertelfinale mit CSKA. So steht Obradovics Rückkehr nach Athen auf dem Programm, die das stimmungsvollste Duell der Runde garantieren sollte. Auch die Einsicht, dass Alessandro Gentile nur in wenigen Situationen mannschaftskompatibel ist, hat dazu geführt, dass die Athener die letzten fünf Spiele gewonnen haben. Ich erwarte eine knappe Serie, vor allem wenn die Türken in Bestbesetzung auflaufen können. Telekom Basketball überträgt live ab 19:45 Uhr.


Olympiakos ist für mich eine positive Überraschung, Platz Drei hätte ich nicht für möglich gehalten. Gegen Efes wird es trotz dem Heimvorteil schwer. Die Perasovic-Schützlinge haben acht ihre letzten zehn Partien gewonnen und sind das athletischste Team der EuroLeague. Zudem gilt es abzuwarten, ob Vassilis Spanoulis immer noch in der Lage ist, große Spiele am Ende zu entscheiden. Nach der Hauptrunde darf man diesbezüglich zumindest leise Zweifel anmelden. In dieser Serie ist ein Sieg der schlechter platzierten Mannschaft möglich.


Der Titelverteidiger aus der russischen Hauptstadt ist neben Real Madrid der große Favorit. Mit Milos Teodosic und Nando de Colo verfügt man auf den Guard-Positionen über ein Duo das seinesgleichen sucht. Vitoria hat mit der abschließenden Heimniederlage gegen Kaunas Platz Fünf aus den Händen gegeben und wird sich nun im Viertelfinale verabschieden müssen. Dennoch haben uns die Basken viel Freude bereitet. Besonders bleibt natürlich die erste EuroLeaguesaison von Joe Voigtmann im Gedächtnis, der sich großartig präsentiert hat, auch wenn er am Ende ein wenig den Strapazen Tribut zollen musste. Ein Fazit von Joe Voigtmann zur Regular Season der EuroLeague gibt es in der letzten Ausgabe des Telekom-Basketball-Podcast.