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NBA Live

Greek Freak, Turbo-Wall & Hans

Seb Dumitru

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Die „NBA Sundays“ sind in diesem Jahr festes Programm der besten Basketball-Liga der Welt. Global sollen Fans an jedem Wochenende auf ihre Kosten kommen, am bunten NBA-Buffet und zur besten Sendezeit. Telekom Basketball überträgt wieder live (ab 18:00 Uhr).

Brooklyn Nets vs. Philadelphia 76ers (Live ab 18:00 Uhr)

Abgehoben

Zwei Jahre lang mussten Joel Hans Embiid und die Philadelphia 76ers auf sein Debut in der NBA warten. Obwohl bereits 2014 gedraftet, bremsten Verletzungen den Center lange aus. In dieser Saison ist der ulkige Kameruner jedoch endlich fit – und viel schneller und höher abgehoben, als das alle erwarten konnten. Seine Mischung aus Beweglichkeit, Ballgefühl und Basketball-IQ ist selten in einem Big Man. Seine Rookie-Statistiken (19,2 Punkte, 7,3 Rebounds und 2,4 Blocks in nur 25 Minuten pro Spiel) liegen auf einer Stufe mit denen von Hall of Fame Legenden wie Hakeen Olajuwon, Shaquille O'Neal und David Robinson. Bis Ben Simmons, der andere Top-Pick der 76ers, von seiner Verletzung genesen ist und sein eigenes NBA-Debut gibt, bleibt Embiid die größte Attraktion beim Team aus der Stadt der brüderlichen Liebe.


Abgewrackt

Die Brooklyn Nets sind das schlechteste und bemitleidenswerteste Team der Basketball Association. Nicht nur, weil ihre Bilanz von 8-25 die schwächste der Liga ist. Oder ihre Punktedifferenz. Oder ihr Net-Rating. Oder weil sie den untalentiertesten Kader haben. Das Tragische ist, dass die Misswirtschaft vergangener Jahre unter ex-Manager Billy King und Besitzer Mikhail Prokhorov den Klub ruiniert hat. Heute steht Brooklyn ohne Franchise-Spieler, eigene Draft-Picks oder Hoffnung auf Besserung da. Normalerweise wird eine verlorene Saison mit einem hohen Erstrundenpick belohnt. Die Picks der Nets gehen aber an die Boston Celtics. Da lohnt sich noch nicht mal das ständige Verlieren. Wollen sie im „Borough“ in absehbarer Zeit wieder respektabel sein, müssen sie also Brook Lopez traden – ihren mit Abstand besten Angreifer. Nur so kann dieses horrende Team wieder aufstocken, um irgendwann wieder Anschluss an den Rest der NBA zu finden.



Milwaukee Bucks vs. Washington Wizards (Live ab 20:00 Uhr)

Abberation

Mehrere Jahre sollte es eigentlich dauern, bis ein spindeldürrer Teenager aus der zweiten griechischen Liga in der NBA Fuß fassen würde. Dachten zumindest alle. Milwaukee draftete Giannis Antetokounmpo 2013 trotzdem an Nummer 15. Heute, nur drei Jahre später, zählt der „Greek Freak“ zu den besten Spielern der Welt. Kein Europäer ist produktiver. Der Alleskönner legt dabei nicht nur leere Statistiken auf – er führt als Einziger ligaweit sein Team bei den Punkten, Rebounds, Assists, Steals und Blocks an – sondern hat die als schwach projizierten Bucks zum klaren Playoff-Team gemacht. Milwaukee liegt zwar nur knapp über der 50-Prozent-Marke, platziert aber in Angriff und Verteidigung unter den Top-Ten... ein meist viel besserer Indikator für die tatsächliche Leistungsstärke einer Mannschaft als plumpe Siege und Niederlagen. Jason Kidds unorthodoxer Stil, die immense Länge der Bucks-Lineup und Youngster wie Jabari Parker (20,3 PPG) und Zweitrundenpick Malcolm Brogdon sind wichtige Säulen des Erfolgs. Ohne den Aufstieg ihres 22-jährigen Superstars mit dem ewig langen Nachnamen wäre jedoch nichts möglich in Wisconsin. „The Alphabet“ legt eine historische Saison hin, zählt bei den Punkten (13.), Rebounds (16.), Assists (19.), Steals (5.) und Blocks (5.) zu den Top-20 in der NBA. Noch nie zuvor hat ein Spieler solche Statistiken akkumuliert. Sein Einfluss an beiden Enden ist genauso gigantisch und schockierend wie seine körperlichen Ausmaße oder die Art, wie er die Gesetze der Physik aushebelt. Dunks von der Freiwurflinie oder mit zwei Dribblings über die gesamte Länge des Parketts - diesen Typen muss man gesehen haben! Das Beste: Antetokounmpo, der sich einst mit seinen Brüdern als Straßenverkäufer in Athen durchschlagen musste, um seine Familie finanziell zu unterstützen, der mehrfach Opfer rassistischer Attacken im weit nach rechts gerückten Griechenland war, ist einer der sympathischsten Spieler des Planeten. Die Bucks honorierten seine harte Arbeit mit einem neuen Vierjahresvertrag über 100 Millionen Dollar.

Abteilungsfehler

In Washington zeigt der Trend nach fürchterlichem Saisonstart leicht nach oben. Allerdings nur leicht, denn die Hauptstädter bleiben wankelmütig. Ein sicheres Playoff-Team sieht jedenfalls anders aus. Zuletzt kletterten die Wizards zum ersten Mal in dieser Spielzeit auf 50% Siegesquote – ehe sie prompt wieder abfielen. Hochrechnungen räumen ihnen nur eine 34-prozentige Chance auf die Playoffs zu. Die Gründe sind vielschichtig. Das Team ist zu abhängig von seiner ersten Fünf John Wall, Bradley Beal, Otto Porter, Markieff Morris und Marcin Gortat. Sobald die Ersatzgarnitur auf's Parkett muss, fällt das Kartenhaus in sich zusammen. Keine Bank in der NBA ist schlechter. Daran kann auch ein explosiver Wall nichts ändern. Der Point Guard wurde nach durchschnittlichen 24,5 Punkten und 10,7 Assists im Schnitt zum Eastern Conference Spieler des Monats gekürt. Will Washington die Wahrscheinlichkeitsrechnung schlagen, braucht Turbo-Wall aber mehr Hilfe.