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Euroleague Gegner-Check

10. Januar 2017

Hält die heißeste Serie Europas auch in Kazan?

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Die Bamberger rollen weiter durch die Euroleague, bleiben das gefährlichste Team auf dem Kontinent. Niemand will sich derzeit mit Andrea Trinchieris Truppe anlegen. Der Brose-Motor läuft auf Hochtouren. Bei UNICS Kazan soll der vierte Sieg in Folge klappen. Telekom Basketball überträgt das Spiel am Donnerstag live ab 16:45 Uhr.


Vor wenigen Wochen waren die Bamberger tote Fische im Wasser. Die heisseste Serie Europas hat das Team von Andrea Trinchieri im Eiltempo wieder an Platz acht heran geführt, lässt „Freak City“ von einer erfolgreichen Rückrunde und den Playoffs träumen. Fünf Mal in den vergangenen sechs Partien hat Brose jetzt gewonnen, davon drei Mal in Folge. Nur Baskonia Vitoria Gasteiz und Olympiakos Piräus sind seit Spieltag 11 ähnlich gut in Form. Beide Top-Klubs bringen es jedoch „nur” auf zwei Ws in Folge. Gegen den FC Barcelona dominierte Trinchieris Truppe fast nach Belieben. Das hohe Tempo, die flüssige Ballbewegung und die daraus resultierenden freien Würfe resultierten in fantastischen 67% aus dem Feld und 43% von der Dreierlinie. Die Katalanen liefen über weite Strecken hinterher. Als Barcelona im Schlussviertel auf sechs Punkte verkürzte, zeigten die Brose-Akteure ihre neue Stärke: sie closen Spiele mit Nachdruck. Während sie sich zu Beginn der Saison immer und immer wieder die Butter noch vom Brot streichen ließen, bringen die Bamberger mittlerweile einen Sieg nach dem anderen ins Trockene. Janis Strelnieks und Darius Miller (jeweils 20 Punkte) verankerten den Angriff. Nicolo Melli (17 Punkte, 13 Rebounds) war wie immer der König der Zone. Neuzugang Jerel McNeal feierte sein Debüt, war bester Vorlagengeber mit fünf Assists.


UNICS Kazan platziert weiterhin im Tabellenkeller, ist aber von allen Teams dort unten das zur Zeit gefährlichste. Vor der deutlichen 70:102-Niederlage bei Baskonia Vitoria Gasteiz hatten die Russen drei Partien in Folge für sich entschieden und neuen Mut geschöpft. Galatasaray Istanbul, Zalgiris Kaunas und Panathinaikos Athen sind natürlich keine Schwergewichte; ein Sieg ist aber bekanntlich ein Sieg. Das Highlight der UNICS-Saison bleibt weiterhin der schockierende Triumph gegen Fenerbahce Istanbul am fünften Spieltag.


Im Hinspiel Ende Oktober nutzte Bamberg einen furiosen Schlussspurt, um vor den eigenen Fans den 89:86-Comeback-Sieg einzutüten. Es war der erste in der laufenden Saison. Janis Strelnieks, Topscorer mit 17 Zählern, war es auch, der in der letzten Spielminute den entscheidenden Dreier einnetzte. Nikos Zisis führte mit 16 Punkten und 12 Assists glänzend Regie, Miller und Melli trugen jeweils 15 zum Sieg bei. Die Freiwurfstärke der Franken tütete den Sieg ein. 22 von 23 Versuchen von der Linie fanden ins Ziel. Bei Kazan war wie immer Keith Langford (24) der beste Angreifer; Coty Clarke kam auf 20 Punkte, Quino Colom auf 15.


Quino Colom (PG)
Keith Langford (SG)
Vadim Panin (SF)
Kostas Kaimakoglou (PF)
Artsiom Parakhouski (C)


Paul Stoll (Guard)
Orlando Johnson (Guard)
Evgeny Voronov (Guard)
Coty Clarke (Forward)
Latavious Williams (Forward)
Pavel Antipov (Forward)
Marco Banic (Center)


Keith Langford bleibt der beste pure Scorer in der Euroleague. Nicht nur in dieser Saison, sondern Karriere-übergreifend. Er führt das Feld bei den Gesamtpunkten mit über 100 Vorsprung vor der Nummer zwei, Tyrese Rice (Barcelona) an. Bei den Punkten pro Spiel trennen Langford (23,8 PPG) fast fünf vom Nächstplatzierten Nando DeColo (19,0 PPG). „Volume Scorer“ ist Langfords Job-Beschreibung – und niemand auf dem Kontinent erledigt diese Aufgabe besser als der 33-jährige US-Amerikaner. Um seine kleinen Chancen auf die Playoffs zu wahren, braucht Kazan den Ex-NBA und D-League-Spieler (San Antonio Spurs, Austin Toros) in Superhelden-Verfassung. Der athletische Combo-Guard ist die Nummer eins bei den Zweiern, Freiwürfen, gespielten Minuten, beim Index-Rating, dazu auch noch die Nummer vier bei den Dreiern und 17. bei den Assists.

 

Another impressive performance for Keith Langford: 27 pts (6/11,3/3), 4reb, 5ast, PIR 38.

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Kazan hat seine Stärken im Backcourt und in der Offensive, wo Dauerbrenner Langford die Hauptlast im Scoring trägt. Orlando Johnson erzielte vor Kurzem 34 Punkte in der VTB-Liga – weiß also ebenfalls, wie hoch der Korb hängt. Quino Colom (11,1 Punkte und 5,4 Assists im Schnitt) ist der Tempomacher. Der Mexikaner Paul Stoll, der während der Saison anheuerte, bringt Unberechenbarkeit ins Spiel. Coty Clarke kehrte zur Rückrunde von seiner langen Verletzungspause zurück. Center Artsiom Parakhouski ist der beste Rebounder und Shotblocker der Russen.


UNICS Kazan hat in der Hinrunde nicht beweisen können, dass es besser sein kann als die Preseason-Prognosen skizzierten. Langford ist einer der größten Stars der Euroleague, dreifacher Spieltags-MVP in dieser Saison und die mit Abstand gefährlichste Waffe der Russen. Ihn können die Bamberger jedoch schalten und walten lassen. Der Rest des Teams scheint nur selten genügend kumulativen Mehrwert zustande zu bringen, um den besseren Mannschaften gefährlich zu werden. Kazans defensiven Probleme und Frontcourt-Schwäche dürften sich gegen eine der besten Offensiven der Liga bemerkbar machen. Nichts spricht also dagegen, dass der Deutsche Meister weiter glühen und seine Serie aufrecht erhalten kann.