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Körners Corner

02. November 2016

Ich bin nicht Frank Buschmann!

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Sie kennen sich lange. Sie kommen aus der gleichen Stadt. Auch die Job Beschreibung ähnelt sich. Dabei sind sie doch so anders. Oder etwa nicht? Michael Körner über den ewigen Weggefährten.

Man hat mir gesagt, ich darf an dieser Stelle schreiben was ich will. Hier also der Songtext meiner ersten Single, „Born to be Alive“ von Patrick Hernandez:

Yes we were born
Born
Born
Born to be alive
It´s good to be alive
To be alive
To be alive
To be alive
It´s good to be alive

Super Song. Mag ich immer noch.

Und schon ist es da, das Problem. Sie wissen jetzt was meine erste Single war. (Tatsächlich denke ich gerade darüber nach, ob ich einem Teil der Leserschaft erklären muss, was eine Single ist. Aber lassen wir das.)
Das Problem bei solchen Kolumnen ist, man ist quasi genötigt, einen Teil von sich preis zu geben. Noch schlimmer: Wenn man über jemand anderes schreibt, kommt man auch nicht darum herum, etwas von ihm preis zu geben.

Und über allem schwebt natürlich auch die Frage: Warum? Warum schreibe ich heute zum Beispiel über Frank Buschmann?

Weil er da ist. In meinem Leben. Seit 26 Jahren. Und da sich in seinem Leben sehr bald bekanntlich einiges ändern wird, frage ich mich, was wird denn jetzt aus mir?

September 1990. Kurz vor Sendestart von Radio Hagen, einem Lokalsender in unserer gemeinsamen Heimatstadt, lerne ich Frank persönlich kennen. Natürlich kannte ich ihn schon vorher. Wir waren einige Zeit auf der gleichen Schule, er war ein beachtlicher Zweitliga-Basketballer. Irgendwie kam man in Hagen an „Buschi“ nicht vorbei. Er war früh der Prinz in der Provinz.

Fortan sahen wir uns beinahe täglich beim Radio. Sport und insbesondere der Basketball waren unsere gemeinsame Leidenschaft. Wir haben Sendungen zusammen gemacht, einer im Studio, der andere vor Ort bei einem Event, Livereportagen, Beiträge, etc. Der Chefredakteur war ein durchgeknallter Sportfreak, er hat uns einfach machen lassen. Herrlich.


Schon damals auf anderen Seiten: Michael (links) und Buschi (rechts)

1992 Olympia. Buschi sagt, er fährt nach Barcelona. Er kennt da jemanden, der hat eine Villa, ein Boot und außerdem spielt da ja das „Dream Team“.

Ich saß also in Hagen im Radio-Studio und moderierte Buschi an, der live aus Barcelona von den olympischen Spielen berichtete und logischerweise in Komplettekstase verfiel, wenn er von Magic Johnson, Michael Jordan und Co. sprach. Das Boot seines Bekannten hatte übrigens einen Anlegesteg direkt am Haus.

Nach Olympia begann dann in Hagen die neue Basketball-Bundesliga Saison. Ich ging also in die Halle, um zu kommentieren.  Da kommt jemand auf mich zu und sagt: „Hallo, Herr Buschmann!“

„Ja, hallo. Ich bin aber nicht Herr Buschmann. Ich bin Herr Körner.“

„Ach so. Ja, dann schöne Grüße an Herrn Buschmann. Der macht das immer so toll.“

So etwas passierte immer wieder. Basketball, Halle, Typ mit Kopfhörer, das muss Frank Buschmann sein. Es gab kein Internet, wir waren noch nicht beim Fernsehen, die Menschen kannten im Wesentlichen die Stimme. Also war ich für sie ab und an „Frank Buschmann“.

1993 trennten sich unsere Wege. Buschi ging nach München zum DSF, ich landete nach kurzem vox-Zwischenspiel in Hamburg bei SAT1.

1995 dann die Wiedervereinigung. Ich begann auch für das DSF zu kommentieren. US-Sport war angesagt, NBA-Spiele live. Die Nächte waren lang.

1996 haben wir das erste und einzige Mal gemeinsam kommentiert. Die Finalserie Chicago Bulls gegen Seattle SuperSonics. Die ersten beiden Spiele habe ich aus München alleine kommentiert. Dann hieß es, Jungs, rüber, ihr macht den Rest aus USA. So haben wir die Spiele drei, vier, fünf und sechs der Serie vor Ort gemeinsam kommentiert. Wir hatten einen Riesenspaß, am Ende kackte bekanntlich die Ente und Michael Jordan lag heulend am Boden.

Von dem Moment an war ich nicht mehr „Frank Buschmann“. Ich war der, der „Frank Buschmann“ kannte.

Verwechslungen sollten jetzt eigentlich nicht mehr möglich sein. Wir waren (und sind) auch völlig unterschiedliche Typen, wir beackerten nur weitestgehend das gleiche Feld. Buschi benutzte dafür allerdings John Deere Spezialtraktoren während ich eher gemütlich die Egge durch die Erde pflügte.

Beruflich begegneten wir uns dadurch immer weniger, obwohl wir oft für die gleichen Auftraggeber arbeiteten. Lustigerweise prallten wir ziemlich parallel mit Stefan Raab zusammen. Buschi beim lauten „Schlag-den-Raab“, ich bei der leisen „TV Total Pokernacht.“

Es begann dann so allmählich die Phase, in der Buschi seine Schlagzahl im Bereich der sozialen Medien erhöhte. Nun wurde man bei Basketballspielen auch wieder häufiger auf „Frank Buschmann“ angesprochen. Die Klassiker sind natürlich „Grüße ausrichten“ oder „Der soll mal ruhiger werden.“ Die gelegentlichen Verwechslungen ließ ich längst unkommentiert über mich ergehen. Selbst als ein junger Fan mich ansprach, „Buschi, können wir ein Foto machen“, ja, ich gebe zu, ich habe es gemacht, mit großer Freude.

In der Folgezeit wurde Buschi zu einem echten Promi in der deutschen Medienlandschaft. Eine unverwechselbare Marke. Aus „Frank Buschmann“ wurde nun endgültig der „Buschi“.

Umso erstaunlicher eigentlich, dass ich 2014 in der Ulmer ratiopharm Arena mal wieder direkt mit „Hallo, Herr Buschmann!“ angesprochen wurde. Im ersten Moment denkt man an einen Scherz. Es kann doch mittlerweile wirklich nicht mehr wahr sein, dass dich jemand für „Buschi“ hält. Wo hat der Typ gelebt? Unter einem Felsen? Der Mann war vielleicht Mitte fünfzig.

„Ich wollte nur mal ‚Hallo’ sagen.“

Ich reagierte leicht unwirsch. „Ich bin nicht Frank Buschmann“, entgegnete ich und lief an ihm vorbei.

„Ja, genau“, rief er hinterher und lachte.

Was meinte er damit? Dass er mich nun doch als „Michael Körner“ erkannte, erschien unwahrscheinlich. Vermutlich machte er sich darüber lustig, dass „Buschi“ versuchte, unerkannt zu bleiben.

Was der ungewöhnlichste Vorfall der Menschheitsgeschichte wäre.

Seit über zwei Jahren ist die Schnittmenge wieder größer geworden, da wir beide für Telekom Basketball am Start sind. Für mich gehören unsere gemeinsamen Podcasts zu den schönsten Ereignissen bei diesem Projekt. Es ist so ein klein wenig wie früher beim Radio, es hat was Nostalgisches, vielleicht sogar Vertrautes. Ich kenne den Kerl einfach in- und auswendig. Gelegentlich sind wir auch gemeinsam bei Spielen, jeweils einer in der Rolle des Moderators, der andere als Kommentator.

Ich gebe zu, mich überkommt dabei eine gewisse Wehmut.

Wenn der Prinz seine Lesebrille rauskramt, um seine eh schon in übergroßer Schrift eintrudelnden Nachrichten auf dem Iphone zu lesen. Wenn wir über unseren Haarausfall philosophieren. Wenn wir uns gegenseitig befrotzeln, unabhängig davon, ob eine Kamera läuft oder nicht.

Außerdem habe ich einen Riesenrespekt vor dem was er erreicht hat. Das muss man erst mal so hinbekommen. Der Erfolg von ranNFL auf Prosieben maxx ist beispielsweise zum großen Teil sein Verdienst.

Aus dem gleichen Studio wird nun auch Basketball gesendet. Das ranNFL-Prinzip wurde dafür übernommen.

Gleich, nach dem Ende dieses Artikels, fahre ich in das besagte Studio. Ich bin der Moderator/Kommentator für die heutige Sendung ab 19:45 Uhr. Ich werde mich auf Buschis Stuhl setzen, in die Kamera schauen und für eine Zehntelsekunde an den Kerl denken, der seit 26 Jahren wie auch immer zu meinem Leben gehört. Und möge mein Verstand so klar sein, dass ich die Sendung nicht mit „Hallo, ich bin nicht Frank Buschmann“ eröffne.