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Euroleague Gegner-Check

16. November 2016

Keine Zeit für den Schulterblick. Bamberg muss nach Spanien!

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Doppelspielwoche in der Euroleague: Nach der Einpunkt-Niederlage gegen Belgrad muss Andrea Trinchieri schnell Lösungen finden. Bereits am Donnerstag gastieren die Franken in Nordspanien bei Baskonia Vitoria Gasteiz, dem Team von Nationalspieler Johannes Voigtmann. Telekom Basketball überträgt die Partie live ab 20:15 Uhr.


Die Euroleague ist nicht die Bundesliga. Wir wiederholen: Die Euroleague ist nicht die Bundesliga! Was in der höchsten deutschen Spielklasse längst Routine ist – ein weiterer Sieg der Franken – geht in Europa derzeit immer nach hinten los. Darius Millers Gamewinner saß diesmal nicht und stürzte Bamberg in die Verzweiflung. Roter Stern Belgrad triumphierte mit 79:78 in einem Duell, das Bamberg unbedingt gewinnen musste. Vier Pleiten aus den vergangenen fünf Partien – die Situation beim Team von Andrea Trinchieri ist bedrohlich geworden. Der Coach scheint derzeit ebenso ratlos wie seine Spieler. Die Suche nach einer verlässlichen Crunchtime-Formation geht ebenso weiter wie die nach solider Defensive. Brose leistet sich zu viele Anfängerfehler. Die werden auf diesem Niveau knallhart bestraft. Will der deutsche Meister nicht durchgereicht werden, müssen schnell Antworten her.



Baskonia rollte von Sieg zu Sieg – bis zur deutlichen Auswärtspackung in Mailand. Die 88:76 Pleite am Dienstag war erst die zweite in den letzten fünf Partien fürs Team von Sito Alonso, das bereits unter anderem Real Madrid und Fenerbahce Istanbul bezwingen konnte. Gegen Mailand hingegen erwischten die defensivstarken Basken einen gebrauchten Abend. Ausser Shane Larkin (21 Punkte, neun Assists) und Johannes Voigtmann (16 Zähler, alle in Halbzeit zwei) erreichte kein Vitoria-Spieler Normalform. Das verletzungsbedingte Fehlen von Tornike Shengelia, dem zuvor drittbesten Scorer dieser Mannschaft, konnte nicht kompensiert werden.



Shane Larkin (PG) / Jaka Blazic (SG) / Adam Hanga (SF) / Tornike Shengelia (PF) /Johannes Voigtmann (C)



Andrea Bargnani (Center) / Chase Budinger (Forward) / Kim Tillie (Forward) / Rodrigue Beaubois (Guard)


Johannes Voigtmann ist der dritte Deutsche in Diensten von Saski Baskonia – Sebastian Machowski und Tibor Pleiss trugen bereits das Trikot der Basken. Der Big Man hat bei seinem neuen Arbeitgeber voll eingeschlagen. Er führt sein Team mit 7,1 Rebounds im Schnitt an, ist jetzt drittbester Punktesammler (11,6 pro Partie) und viertbester Assistgeber. Nur Hanga und Larkin stehen länger auf dem Parkett als „JoVo“. Seine bisher beste Leistung zeigte er gegen Real Madrid: Voigtmann dominierte die Königlichen mit 18 Punkten und elf Rebounds, war der größte Garant für den 91-87 Überraschungserfolg seines Klubs. Der Eisenacher hat eindrucksvoll bewiesen, dass seine positive Entwicklung der letzen Jahre mit dem mutigen Wechsel ins Ausland eine weitere Stufe genommen hat.



Mit Andrea Bargnani, Shane Larkin, Chase Budinger und Rodrigue Beaubois kauften die Nordspanier gleich vier ehemalige NBA-Cracks ein; zusammen mit Tornike Shengelia macht das jetzt fünf Profis, die bereits in der besten Liga der Welt ihre Brötchen verdienten. Beaubois ist ein ehemaliger Teamkollege von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks, der SIG Straßburg fast im Alleingang ins Eurocup Finale trug. Budinger wurde 2009 gedraftet, spielte für Houston, Minnesota, Indiana und Phoenix. Der Georgier Shengelia lief für Brooklyn und Chicago auf. Bargnani, den die Toronto Raptors vor zehn Jahren an erster Stelle im Draft selektierten, brachte es in der NBA auf 14,3 Punkte im Schnitt. Seine Scoring-Gefahr stellt der Italiener auch in der Euroleague unter Beweis, wo er mit 17,0 Zählern pro Partie der fünftbeste Schütze ist. Larkin hat sich als Baskonias bester Spieler etabliert, kredenzt die viertmeisten Vorlagen (6,9 Assists pro Spiel) und klaut die drittmeisten Bälle im laufenden Wettbewerb (1,9 Steals pro Spiel).



Saski Baskonia ist ein gutes Defensivteam, das am eigenen Brett dominiert. Angeführt von Voigtmann, dem achtbesten Glasputzer der Euroleague, bringen es die Spanier auf 26,7 Defensivrebounds pro Partie – Rang zwei hinter Olympiakos Piräus. Ihre Verteidigung ist top, egal ob gegen den Dreier oder aus dem Feld. Kein anderes Team gestattet eine niedrigere True Shooting Quote. Offensiv ist Baskonia oberer Durchschnitt, verfügt über eine Vielzahl von Veteranen, die zweistellig punkten können. Die Schwachstelle ist die Anfälligkeit für Ballverluste. Bambergs unaufmerksame und softe Deckung (kein Team klaut seltener den Ball) dürfte daraus jedoch kaum Kapital zu schlagen wissen.



Sechs Mal trafen diese beiden Mannschaften bereits aufeinander, nur einmal konnte Bamberg als Sieger das Parkett verlassen. Vitoria-Gasteiz ist das ausgeglichenere Team, steht vor allem in der Defensive stabiler und macht weniger Fehler als Trinchieris Truppe. Der fehlt weiterhin die Fähigkeit, Spiele rechtzeitig zu „closen“, also dicht zu machen. Ob die schwarze Serie der Franken ausgerechnet auswärts reisst?