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Körners Corner

10. Mai 2017

"Komm Schatz, wir ziehen nach Ilmenau"

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Lage, Lage, Lage. Die Klassiker-Antwort auf die Frage, welche drei Dinge bei einer Immobilie wichtig sind. Seit Jahren wird auch im Basketball darüber diskutiert, ob es für die bessere Vermarktung der Sportart unabdingbar ist, dass ein Großteil der Vereine in Großstädten angesiedelt ist. In der easyCredit BBL sind die Vereine aus der sogenannten Provinz noch klar in der Mehrheit. Aber ist das wirklich ein Problem, fragt sich Michael Körner. 

„Basketball muss in die Metropolen!“ – „Hamburg, Köln, München. Das sind wichtige Standorte für die Sportart Basketball.“

In den letzten Jahren wurden die vermeintlichen Vermarktungsprofis nicht müde zu betonen, dass sich die Entwicklung von Basketball in Deutschland selbst im Weg steht, da zu wenig Erstligavereine in Großstädten anzutreffen sind. Oldenburg, Gießen, Ludwigsburg, Bamberg, Bayreuth etc. Alles Provinz, das mufft. Sponsoren wollen in die Großstadt, wollen modern sein, wollen an den Puls der Zeit.
Wer erfolgreich sein will, so ist der allgemeine Tenor, braucht die Standorte Berlin, München, Köln, Hamburg. Oder Topteams mit riesigen Einzugsregionen wie dem Ruhrgebiet. In der Euroleague ist es nicht anders. Dort wünscht man sich unbedingt einen Club in London. Ah, London, genau, da muss unbedingt ein Basketball-Verein hin.
Diese Aussage ist ungefähr so richtig wie: Jede Stadt braucht einen Fluss. So eine Uferpromenade ist einfach total schön.

 

Der HSV kann machen was er will.

Denn so einfach ist das alles nicht. Die Macher der beiden Basketball ProA Vereine Hamburg Towers und Rheinstars Köln können ein Lied davon singen. Nur weil man sehr zügig Zweitliga-Basketball in der Großstadt etabliert hat, stehen nicht zwangsläufig die Sponsoren mit überschweren Geldsäcken vor der Tür. Gerade in Deutschland werden alteingesessene Strukturen und liebgewonnene Rituale nur sehr mühsam aufgebrochen. Hinzu kommt, dass in unserer zerrupft-entwurzelten Zeit die Leute ihr emotionales Zuhause äußerst ungerne verlassen. Beispiel Hamburg: Der HSV kann auch weiterhin sportlich versagen und sieben Relegationen in Folge spielen, er bleibt im Gespräch, er spielt im vollen Stadion, er findet weiter Sponsoren und labt sich natürlich am TV Geld. Alleine aus den - völlig überteuerten und nicht refinanzierbaren - Fernsehverträgen erhält ein halbwegs erfolgreicher Fußball-Bundesligist demnächst im Schnitt knapp 50 Millionen Euro jährlich. 

Aber so ist momentan die Situation. Das Interesse am Fußball in diesem Land ist gigantisch und den Rest regelt der Markt. Will man nun proaktiv Dinge verändern, in dem die sportliche und kaufmännische Entwicklung von Vereinen massiv forciert wird, dann kann sich ein weiteres Problemfeld auftun.

 

Widerwärtige Beleidigung von Thomas Gottschalk.


Die deutsche Fußball-Fan-Basis reagiert beispielsweise auf das Implementieren von Vereinskonstrukten wie „RB Leipzig“ oder „TSG Hoffenheim“ mit heuchlerischen und leider auch menschenverachtenden Hasstiraden. Das gipfelt in der tatsächlich widerwärtigen Beleidung eines Thomas Gottschalks, der sich erdreistet, vor laufenden Fernsehkameras einem achtjährigen (!) Jungen die Intelligenz abzusprechen, weil der sich als Fan von RB Leipzig zu erkennen gibt. So schnell kann ich gar nicht würgen wie ich kotzen muss. 

25% der FC Bayern München AG gehören übrigens Audi, Adidas und der Allianz. Falls jemand fragt wo die das Geld her haben.

Man sollte das alles deutlich gelassener sehen. Wenn ein Milliardär seine Kohle unbedingt im Sportmarketing rausdonnern will, warum denn nicht?

Und jetzt komme mir bitte keiner mit dem Thema „Chancengleichheit“. Hier zum Mitschreiben und anschließendem Auswendiglernen:

ES GIBT KEINE CHANCENGLEICHHEIT. NIRGENDWO. NICHT IM SPORT. NICHT IN DER WIRTSCHAFT. NICHT BEIM HOMO SAPIENS.

Irgendeiner hat immer mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Machtgeilheit, mehr Beziehungen, mehr Glück, mehr Intelligenz, mehr Aggressivität, mehr Fleiß, mehr Skrupel. (Man beachte, dass hier nicht nur negative Eigenschaften aufgezählt werden.)

Mir wird bei allem „Metropolen-Basketball“-Gerede auch die Arbeit der Provinz-Clubs zu wenig geschätzt. Denn das sind die wahren Helden in der heutigen Zeit. Solche Anstrengungen wie sie zum Beispiel Wiederaufsteiger MBC unternommen hat, kann man den Verantwortlichen gar nicht hoch genug anrechnen. Und wenn so ein Verein dann aufsteigt oder sich in der Provinz zu einem Euroleague-Team entwickelt, das soll schlecht sein? Nur weil es in einer Stadt passiert, die keine 500.000 Einwohner hat?

Es heißt ja auch immer, dass das Wachstum von Vereinen aus der Provinz begrenzt sei, aufgrund der geringen Anzahl an regionalen Sponsoren. Doch warum soll es für große, international tätige Unternehmen nicht von Interesse sein, einen top geführten, gewachsenen, visionären Basketball-Erstligisten zu fördern, nur weil er in einer Kleinstadt ansässig ist? Da wünsche ich mir eine Diskussion mit den entsprechenden Marketing-Vorständen. Übrigens ist es für das Überleben einer Sportart selbstverständlich unabdingbar, dass sie in Großstädten stattfindet. Hier lebt ein Großteil der Kids, die den Nachwuchs bilden. Sportfans, die die Aufmerksamkeit hochhalten. Basketball ist urban, Streetball ist Kultur. Großstädte sind Pulsmesser und -geber. Man kann die Dinge nur nicht erzwingen.

 

Oh, Du glückliches Ilmenau.

Mein ganz besonderer Glückwunsch geht übrigens an alle Basketball-Fans im thüringischen Ilmenau.

Die Ilmenauer leben im Herzstück des deutschen Basketballs. Sie können in der kommenden Saison zu sechs (!) Erstligisten reisen, ohne dramatisch weite Anfahrtswege in Kauf nehmen zu müssen. Hier mal die Entfernungen von Ilmenau zu den jeweiligen Erstliga-Spielstätten der easyCredit BBL:

Ilmenau – Würzburg 158km

Ilmenau – Gotha 42km

Ilmenau – Jena 78km

Ilmenau – Weißenfels 141km

Ilmenau – Bayreuth 181km

Ilmenau – Bamberg 135km

Und sollte ein Milliardär unter den Lesern der Kolumne sein: Die TU Ilmbaskets spielen aktuell in der Landesliga und freuen sich vielleicht über die eine oder andere Sponsoren-Million. Oder sollen wir vorher lieber Thomas Gottschalk anrufen?