easyCredit BBL Turkish Airlines EuroCup NBA

Euroleague Gegner-Check

6. Dezember 2016

Maccabi Tel Aviv: Ein Sieg für Bamberg muss her, schon wieder!

Seb Dumitru

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Bambergs Euroleague-Saison droht nach fünf Pleiten in Folge zum Albtraum zu verkommen. Um den Anschluss an die Playoff-Plätze nicht vorzeitig zu verlieren, muss bei Maccabi Tel Aviv (5-5) ein Auswärtssieg her – egal wie! Telekom Basketball überträgt die Partie am Mittwoch, live ab 18:30 Uhr.


„God hates Bamberg!“ – so scheint es zumindest in dieser Euroleague-Saison, die zum Debakel zu verkommen droht. In der Vorwoche gegen ZSKA Moskau setzte es die nächste knappe Niederlage. Obwohl die Franken gegen hoch favorisierte Russen aufopferungsvoll kämpften und Chancen auf den Sieg hatten, kassierten sie mit der Schlusssirene den entscheidenden Gegentreffer. Das 88:90 war bereits die achte Pleite im zehnten Spiel; sieben davon wurden in den finalen Sekunden besiegelt. Bamberg fehlt in den entscheidenden Momenten Qualität, Konzentration und Abgezocktheit – das sagte zuletzt auch Head Coach Andrea Trinchieri. In der BBL nach wie vor ungeschlagen, liegt der letzte kontinentale Sieg nun bereits fünf Wochen zurück. Logische Folge: Rang 16 und damit die rote Laterne.


Maccabi Tel Aviv startete nach einer enttäuschenden Spielzeit 2015/16 mit großen Hoffnungen und einem generalüberholten Kader in die neue Saison. Der Fehlstart zwang die Verantwortlichen nach nur zwei Spieltagen zu einem radikalen Schritt. Head Coach Erez Edelstein wurde „wegen unterschiedlichen Philosophien“ gefeuert und durch seinen Assistenten Rami Hadar ersetzt. Seither läuft es besser für das israelische Basketball-Powerhouse, das allen Fortschritten zum Trotz im Mittelmaß gefangen bleibt. Spektakulären Siegen gegen Fenerbahce Istanbul oder Olympiakos Piräus stehen ernüchternde Niederlagen entgegen, wie die peinliche 77:86 Heimschlappe gegen Efes Istanbul vor einer Woche. Maccabi platziert nach einem Drittel der Saison mit einer 5-5 Bilanz auf Rang sechs.


Andrew Goudelock (PG)
D.J. Seeley (SG)
Sonny Weems (SF)
Devin Smith (PF)
Colton Iverson (C)


Maik Zirbes (Center)
Victor Rudd (Forward)
Guy Pnini (Forward)
Gal Mekel (Guard)
Yogev Ohayon (Guard)



Nationalmannschafts-Center Maik Zirbes machte mit einer fantastischen Saison in Belgrad auf sich aufmerksam, weckte Begehrlichkeiten bei den Top-Klubs. Maccabi nahm den gebürtigen Rheinländer unter Vertrag, um sein Interieur zu stärken. Der 26-Jährige liefert in seiner Rolle als Backup-Center wie erwartet ab. Sein Punkteschnitt in der Euroleague liegt bei guten 8,8 pro Partie, obwohl er über 20 Minuten Einsatzzeit kein einziges Mal hinaus kam. Seine beste Leistung zeigte Zirbes gegen Efes Istanbul in der vergangenen Woche, als er 13 Zähler erzielte und fünf Rebounds pflückte. Gegen sein deutsches ex-Team wird der Big Man doppelt motiviert sein.


Maccabis Trumpfkarte ist der explosive Angriff. Tel Aviv liebt attraktiven und aufregenden Basketball. Nur vier Teams erzielen mehr Punkte als die Israelis, die schnell spielen und einen Großteil ihre Würfe hochprozentig treffen (Rang drei beim True Shooting). Ex-NBA Point Guard Andrew Goudelock ist mit 16,0 Punkten pro Abend fünftbester Scorer im Wettbewerb. Sein Drive kreiert Räume und Wurfgelegenheiten für die Nebenleute. Im Frontcourt harmonieren Devin Smith und Sonny Weems, die ebenfalls zweistellig punkten. Smith zählt mit 6,2 Rebounds pro Abend obendrein zu den Top-Reboundern der Liga. Weems, der bereits für Denver, Toronto, Phoenix und Philadelphia in der NBA auflief und 2014 im Euroleague First Team stand, gilt als einer der gefährlichsten Offensivspieler weit und breit. Goudelock, Smith, Weems, D.J. Seeley und Yogev Ohayon treffen sicher von der Dreierlinie.


Obwohl das israelische Schwergewicht zu den High Scoring Klubs zählt und sicher trifft, liegt es bei der offensiven Effizienz nur im Mittelfeld. Der Hauptgrund dafür: zu viele Fehler. Die zweithöchste Ballverlust-Rate der Liga sorgt für Sorgenfalten bei Coach Hadar. Auch in der Verteidigung bekleckert sich Tel Aviv nicht mit Ruhm. In der eigenen Zone wird es oft überrumpelt. Die mangelnde Länge und Physis macht sich bemerkbar. Defensivrebounding und Ringschutz sind große Probleme... vor allem wenn Zirbes nicht auf dem Parkett steht.


Dass Bamberg ganz dringend einen Sieg braucht, ist offenkundig. Nicht nur fürs Selbstvertrauen, sondern um den Blick auf Playoff-Rang acht nicht schon vor Weihnachten völlig aus dem Fernglas zu verlieren. Um in Tel Aviv zu bestehen, müssen sich die Gäste erinnern, dass Spiele auf diesem europäischen Spitzenniveau vor allem auch über den Kampf gewonnen werden. Maccabi ist keine Übermannschaft, hat vor allem gegen ruppige Defensiven immer wieder Probleme. Die Franken treffen sicherer, gehen häufiger an die Linie und leisten sich weniger Ballverluste. Wenn die Defensive endlich einmal konzentriert bleibt, ist der erste Auswärtssieg drin – zumal Maccabi in der Menora Mivtachim Arena bisher drei von fünf verloren hat.