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EXKLUSIV!!!

12. Juni 2017

Melde gehorsamst: Befehl ausgeführt!

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Mit Essen spielt man nicht. Das urdeutsche und Generationen übergreifende Erziehungsmanifest wird in diesen Landen in regelmäßigen Abständen außer Kraft gesetzt. Werden im deutschen Mannschaftssport die Meistertitel vergeben, ist davon auszugehen, dass wenige Sekunden nach der Schlusssirene irgendein Akteur mit einem überdimensionierten Weißbierglas der Firma „Erdinger“ auftaucht (scheinbar wird hier auf eine Monopolstellung eines Unternehmens zurückgegriffen), um danach das randvolle Glas idealerweise über dem Kopf eines Übungsleiters des siegreichen Teams auszuleeren.

Ein vielfach inszeniertes Ritual, welches altbekannte Bilder liefert, aber den Zuschauern selbst beim wiederholten Anschauen immer noch ein kleines Lächeln entlockt.

Mein persönliches Bierduschen-Debüt erlebte ich 2004 bei der Meisterschaft der OPEL Skyliners in Frankfurt. Tatsächlich erwischte es mich damals unvorbereitet, wenige Minuten nach Spielschluss beim Interview. Aber da ich eigentlich immer mit einer „zweiten Klamotte“ reise, war es kein dickes Ding.

Und nun 2017, Spiel 3, Bamberg gegen Oldenburg. Wie viele andere erwartete ich den dritten Bamberger Sieg und damit entsprechend zahlreiche gefüllte überdimensionierte Weißbiergläser nach Spielende.

Ich berechnete für mich eine 85%-Chance ohne Bierdusche aus dem Event herauszukommen, da ich als Kommentator des Spiels nicht die Interviews nach Spielende führen muss, die bekanntlich im Bereich eines extremen Bier-Tiefdruckgebiets geführt werden, nämlich mitten auf dem Feld.

Eigenartigerweise gingen die Bierduschen an meinen moderierenden Kollegen Stefan Koch und Alexander Frisch, wie von Geisterhand gesteuert, einfach so vorbei. Trotz zahlreicher Interviews und Hopfen geschwängerter Luft im Einzugsgebiet.
 


Und plötzlich reduzierte sich meine 85%-Chance auf quasi null.

Ich wurde vom Leiter der Sendung nach Live-Produktionsende noch mit einem Auftrag versehen. Der lautete ungefähr so: „Also Körni, du gehst in die Bamberger Kabine, stellst dich da hin, wenn alle so abfeiern und sagst wie toll das ist und das es am 28. September weiter geht. Das Video zeigen wir dann nur auf der Webseite. EXKLUSIV!!!“

Es macht an dieser Stelle sehr wenig Sinn, dem Leiter der Sendung zu widersprechen.

So ein vermutlich letztes Finale ist eine recht aufwändige Produktion, alle sind voll motiviert, hängen sich doppelt und dreifach rein. Da muss man dann durch.

Auch wenn ich natürlich in Gedanken bei der möglichen Reduzierung der Lebensdauer meines Armani-Sakkos bin (vor dem Spiel noch von Trinchieri bewundert), so werde ich als pflichtbewusster Zinnsoldat auch diesen Auftrag erfüllen, obwohl die Abfolge der Ereignisse massiv vorhersehbar ist.

Mit dem in diesem Fall laut ausgesprochenen Gedanken „Das ist alles so sinnlos“ nähere ich mich der Bamberger Kabine aus der gerade Nicolo Melli entschlüpft, selbstverständlich mit einer gefüllten Bierflasche in der Hand. Vermeintlich desinteressiert an meiner Person geht er an mir vorbei, nur um zwei Sekunden später mit den Worten „This is far too easy“ jenes Bier über meinem Kopf auszuschütten.

Zwanzig Sekunden später entstand das Video, hier nun also EXKLUSIV!!! zu sehen.

EXKLUSIV!!! wie der Reporter eine pseudolustige Bestandsaufnahme aus der Kabine runterleiert!

EXKLUSIV!!! wie er sich von Patrick Heckmann beschimpfen lässt (wird schon besser nächste Saison, Patrick, oder?)!

Im Anschluss habe ich mir in einer stillgelegten Küche der Arena mit Pril-Spülmittel die Haare gewaschen, die „zweite Klamotte“ übergezogen und meiner Weitsicht gedankt, dass Leinen-Sakkos allgemein recht pflegeleicht sind.

Heute früh habe ich mir dann noch mal alle Bierduschen nach Spielschluss angeschaut. Und mich beim Schmunzeln ertappt...

Meinen Auftrag habe ich übrigens nicht fehlerfrei ausgeführt. Den Hinweis, dass es am 28. September mit dem ersten Spieltag der neuen Saison bei Telekom Basketball weiter geht, hole ich an dieser Stelle frisch geduscht nach.