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Euroleague

15. November 2016

Miller macht nicht den Wanamaker

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Als die finalen Sekunden von der Spieluhr ticken, geht der Ball mal wieder zu Darius Miller. In Gießen hat das am Samstag noch geklappt, gegen Belgrad geht der Plan nicht auf. Es bleibt die Erkenntnis: Die Euroleague ist halt nicht die Bundesliga. Um auch in der Königsklasse zu bestehen, muss Bamberg besser werden.


BROSE BAMBERG (2–5) VS ROTER STERN BELGRAD (3–4)78:79 (29:38)
Top-Scorer: Nicolo Melli (16) – Milko Bjelica (18)
Top-Rebounder: Melli (10) – Ognjen Kuzmic (7)
Top-Assistgeber: Nikos Zisis (9) – Stefan Jovic (5)


Andrea Trinchieris Haare sind nicht nur schön, sondern zum Glück auch voll. Die Bamberger Euroleague-Abende dürften ihn stets ein paar seiner schwarzen Locken kosten. Auch im Heimspiel gegen Belgrad war das nicht anders. Dieses Mal fehlte Trinchieris Team ein mickriger Punkt. Alle sieben Euroleague-Auftritte des deutschen Meisters endeten mit höchstens vier Punkten Differenz. Es ist zum Haareraufen!

Am Dienstagabend folgte auf eine verkorkste erste Halbzeit (29:38-Rückstand) ein starkes drittes Viertel, das andeutete, wozu Bamberg in der Lage ist. 32 Punkte lieferte Deutschlands beste Vereinsmannschaft ab. Plötzlich führte Bamberg. Doch in der Euroleague weiß die Konkurrenz eben zurückzuschlagen.

6001 | Brose Bamberg - Crvena Zvezda Belgrade

Roter Stern Belgrad hat im Sommer zwar einige seiner besten Spieler verloren, etwa den NBA-erprobten Quincy Miller, doch die Serben beweisen sich seit Jahren auf höchstem europäischen Niveau. In den finalen Minuten machte das den Unterschied. Belgrad bestrafte jeden Bamberger Fehler – und davon gab es einige. In der Bundesliga mag man damit durchkommen, doch der Dienstagabend sollte wieder ins Gedächtnis rufen, was furchtbar banal klingt, aber trotzdem immer betont werden muss: Die Euroleague ist halt nicht die Bundesliga.


Bamberg muss besser werden, um in der Euroleague zu bestehen. Es sind die Kleinigkeiten, die in dieser Saison den Unterschied machen. Besonders wenn das Spiel auf der Kippe steht, treten sie hervor.

Bamberg hat noch nicht gelernt, Spiele zu closen. Den Deckel draufzumachen. Trinchieris bester Plan scheint es derzeit zu sein, den Ball in die Hände von Darius Miller zu geben. Er soll den Wanamaker machen. Nun gibt es schlechtere Pläne, schließlich ist Miller einer der besten Eins-gegen-Eins-Spieler Europas. In der Bundesliga ging diese Taktik erst am Samstag auf, Miller besiegte Gießen im Alleingang. Doch der Plan raubt Bamberg die Unberechenbarkeit. In der letzten Saison wusste man nie, wer den entscheidenden Wurf nimmt: Wanamaker, Miller, Strelnieks? Bamberg war kaum zu durchschauen. Belgrad schien nun aber zu gewusst zu haben, was auf sie zukommt. Die Verteidigung machte dicht. Auch wenn Trinchieri das nicht wahrhaben wollte, wie er mit folgendem Retweet bewies:

Ärgerlicher als Millers Fehlwurf waren allerdings die Nachlässigkeiten in der Abwehr. Das ist man von Trinchiers Team eigentlich nicht gewohnt. Doch gegen Belgrad machte Bamberg Anfängerfehler, die den Sieg kosteten. Hier die Situation vor Charles Jenkins' Korbleger zum 79:78.


Andrea Trinchieris Suche nach der richtigen Crunchtime-Aufstellung. In der letzten Saison sah die zumeist so aus: Wanamaker, Zisis, Strelnieks, Miller, Melli. Auf eine feste Formation hat sich Bambergs Trainer in dieser Spielzeit noch nicht festgelegt. Es scheint, als sei er sich selbst nicht sicher. Zisis, Strelnieks, Causeur, Miller, Melli, Radosevic, Theis. Trinchieri hat bereits viel probiert. Selbst Lucca Staiger stand gegen Belgrad in den letzten fünf Minuten mal auf dem Feld. Als sein Gegenspieler ihn jedoch bei einem Einwurf abhängte und einen leichten Korbleger ergatterte, holte ihn Trinchieri auf die Bank zurück. Die Suche nach der besten Kombination wird weitergehen.


Auf eine Lösung im wohl größten Streit des europäischen Basketballs wird man vorerst wohl vergeblich warten. Euroleague-Chef Jordi Bertomeu sprach während seines Euroleague-Besuchs in Bamberg bei Telekom Basketball vor. Die Kernbotschaft: Euroleague und FIBA sind sich weiter nicht enig. Das ist keine Neuigkeit, vergessen darf man diesen Konflikt aber eben auch nicht. Er schadet dem Sport. Das mag man derzeit zwar nicht wirklich merken, wenn die beiden Streithähne aber ihre Drohungen vorantreiben und ausreizen, könnten die Konsequenzen fatal sein.