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Euroleague Gegner-Check

29. November 2016

Muss das sein oder jetzt erst recht: Bamberg gegen ZSKA Moskau

Seb Dumitru

Von Seb Dumitru
@nbachefkoch

Bamberg musste im Kampf um die Playoff-Platzierungen zuletzt mächtig Federn lassen. Die Aufgaben werden in den kommenden Wochen nicht leichter. Im Gegenteil: Vier der nächsten fünf Gegner zählen zu den Mitfavoriten auf den Titel. Allen voran ZSKA Moskau, der alles dominierende Titelverteidiger. Telekom Basketball überträgt die Partie am Donnerstag, live ab 19:40 Uhr.

Im Kampf um die Playoff-Platzierungen hat Bamberg in den vergangenen Wochen mächtig an Boden verloren. Der Abstand auf Rang acht, der zur Teilnahme über die lange Vorrunde hinaus berechtigt, beträgt bereits drei Siege. Nur UNICS Kazan steht in der Tabelle noch schlechter da. Zuletzt reichte es für die Franken nicht einmal mehr für die gewohnt knappe Niederlage: gegen eigentlich schlagbare Litauer setzte es bei Zalgiris Kaunas eine deutliche 72-86 Packung. Nach vier Pleiten in Folge und sechs aus sieben ist die Moral unten. Noch bedrohlicher wird das aktuelle Leistungstief beim Blick auf den Spielplan: vier der nächsten fünf Duelle stehen gegen absolute Top-Teams an. Läuft es ganz mies, ist die Saison noch vor dem Jahreswechsel gelaufen.

Was heisst „souverän“ auf Russisch? Der amtierende Champion spaziert durch die reguläre Saison und steckt selbst Ausfälle wie die des amtierenden MVPs ohne Weiteres weg. Auch ohne den verletzten Nando DeColo dominerte Moskau gegen Baskonia Vitoria Gasteiz dank Galavorstellung von Milos Teodosic. Acht Siege aus neun Partien haben ZSKA schnurstracks wieder an die Spitze der Tabelle katapultiert; die einzige Niederlage setzte es bei Darüssafaka Dogus Istanbul. Moskau ist dank der Verpflichtung von Power Forward James Augustine noch tiefer, noch abgezockter in engen Partien und noch schwerer auszuschalten als im Meisterjahr 2015/16.


Vielleicht kann Bamberg Kraft und Inspiration aus dem bisher einzigen Sieg ziehen, der den Franken gegen die Russen jemals gelang. Im März dieses Jahres schockierten sie ganz Basketball-Europa mit einem damals gigantischen 91-83 Heimthriller, der die Chancen auf die Playoff-Teilnahme wahrte. Nicolo Melli erzielte 17 Zähler, Nikos Zisis und Leon Radosevic trugen 14 zum richtungsweisenden Erfolg bei. Bamberg scheiterte zwar knapp in der Zwischenrunde, bewies aber eindrucksvoll, dass es in Top-Verfassung mit den Top-Teams nicht nur mittanzen, sondern sie sogar vorführen kann.

3985 | HISTORY IN THE MAKING - DER RÜCKBLICK AUF BAMBERG GEGEN ZSKA


Milos Teodosic (PG) // Aaron Jackson (SG) // Nikita Kurbanov (SF) // Andrey Vorontsevich (PF) // Kyle Hines (C)


Vitaly Fridzon (Guard) // James Augustine (Guard) // Cory Higgins (Guard) // Victor Khryapa (Forward) // Joel Freeland (Center)



Wer von beiden darf es sein? Der unaufhaltsame, komplette Elite-Scorer mit dem tödlichen Schuss? Oder das enigmatische Point Guard Genie mit dem somnambulen Blick? Da Top-Scorer DeColo weiterhin verletzt ausfällt, wird der beste Spielmacher des Kontinents einmal mehr im Rampenlicht stehen und alle ZSKA-Fäden in der Hand halten. Beim Blowout-Sieg gegen Baskonia erzielte Teodosic mit 34 Punkten eine neue Karrierebestleistung, kredenzte obendrein zehn seiner jetzt mehr als 1.000 Euroleague-Assists. Wenn der 29-Jährige heiß läuft und ein Spiel dominieren will, kann ihn kaum jemand bremsen - egal ob als Schütze oder Vorbereiter. Seit dem Ausfall von DeColo hat der Serbe 59 Punkte bei 63 Prozent Zweiern, 54 Prozent Dreiern und 88 Prozent Freiwürfen erzielt. Seine Assists-zu-Ballverlust-Rate in diesem Zeitraum: absurde 15-zu-1.


Kyle Hines kehrt an den Ort zurück, an dem er einst die Samen für seine so erfolgreiche Euroleague-Laufbahn pflanzte. “Ohne Bamberg hätte ich keine Karriere. Sie haben etwas in mir gesehen, das nicht mal mir selbst bewusst war”, erinnert sich der 30-Jährige. Im August 2010 unterschrieb der US-Amerikaner einen Vertrag bei Brose. Der Big Man schlug in der BBL ein wie eine Bombe, gewann Meisterschaft und Pokal, wurde Finals MVP und All-Star Game MVP, bevor er nach nur einem Jahr in Richtung Olympiakos Piräus weiterzog. Zwei Euroleague-Titel später kam schliesslich der Wechsel nach Moskau, wo er seit 2013 Zonen terrorisiert und einen weiteren kontinentalen Titel errang. Hines ist amtierender Verteidigungsspieler des Jahres.


Teodosic, Hines, Augustine, Cory Higgins, Aaron Jackson, Vitaly Fridzon, Victor Khryapa. Nikita Kurbanov, Andrey Vorontsevich – dieses Team ist tief genug für zwei Top-Anwärter. Zehn Spieler erzielen sechs Punkte oder mehr pro Abend. Das neue Format kommt den Mannen von Dimitris Itoudis zugute. Sie spielen raketenschnell, treffen von überall und verteilen die meisten Assists. Moskau ist aber viel mehr als nur der mit Abstand explosivste Angriff der Euroleague. Die Russen rebounden exzellent, verteidigen gut, spielen smart, hart und teamdienlich. Bamberg wird es trotz Heimvorteil enorm schwer haben, mit diesem aggressiven und abgeklärten Gegner mitzuhalten – geschweige denn, die angepeilte Sensation zu schaffen.