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Koch-Schule

11. November 2016

"Pick and Roll" – Was ist das eigentlich?

Stefan Koch

Von Stefan Koch

„Schönes Pick and Roll!“

Wer unsere Übertragungen verfolgt,  der hört diese Aussage wahrscheinlich mehr als nur einmal pro Partie. Was steckt eigentlich hinter diesem Terminus, den wir so inflationär gebrauchen? Es ist ein Spielzug, der aus dem taktischen Repertoire nicht wegzudenken ist.

Gehen wir der Sache auf den Grund. Zunächst einmal bedarf es zweier Spieler für das Blocken (=Pick) und Abrollen (=Roll). Der Ballbesitzer (Ballhandler) ist in der Regel ein technisch guter Außenspieler mit starken Fähigkeiten im Dribbling und Pass. Beim Blocksteller handelt es sich normalerweise um einen Innenspieler (Center), der seinen Körper in den Weg des Kontrahenten des Ballhandlers stellt, um ihn damit an dessen weiterer Verteidigung zu hindern oder ihm diese zumindest stark zu erschweren. Danach geht der Blocksteller Richtung Korb (Roll).

Eine der defensiven Varianten dagegen ist das sogenannte „Switchen“, bei dem die beiden involvierten Verteidiger ihre Gegenspieler wechseln. Diesen Aspekt haben wir letzte Woche anhand der Defensive des Deutschen Vizemeisters Ulm näher beleuchtet.

In dieser Ausgabe stehen die Optionen des Angriffs im Vordergrund, allerdings nicht gegen das „Switchen“.  Dafür habe ich exemplarisch vier Szenen ausgewählt, bei denen die Aufstellung immer gleich ist. Der Block wird relativ zentral gestellt, den Dribblern soll es ermöglicht werden, über ihre starke rechte Hand zu attackieren. Die drei anderen Akteure machen das „Feld weit“, schaffen also Platz. Dabei steht auf der Seite, zu der der Dribbler gehen soll, nur ein Mitspieler und auf der gegenüberliegenden linken postieren sich zwei.

Beispiel 1: Mihailovic und Loncar kommen „klassisch“ zum Abschluss, indem Mihailovic seinen abrollenden Center findet. Die Hilfe von Evans kommt zu spät.

5890 | Pick&Roll - Beispiel 1: "Der klassische Abschluss"


Beispiel 2: Stuckey hilft gegen den abrollenden Sears. Wells liest, woher die Hilfe kommt und passt zum freien Bowlin, der den Dreier verwandelt.

5893 | Pick&Roll - Beispiel 2: "Abschluss trotz Hilfe"


Beispiel 3: Dieses Mal kommt die Hilfe nicht vom oberen, sondern vom unteren Verteidiger auf der linken Seite. Redding erkennt das, aber Gavel verfehlt den Distanzwurf.

5896 | Pick&Roll - Beispiel 2: "Hilfe vom unteren Verteidiger"


Beispiel 4: Radosevic setzt nach dem ersten Block nach rechts noch einen zweiten nach links (rescreen). Dadurch wird Kleber zum Helfer, und Zisis kann Melli zum Dreier anpassen.

5899 | Pick&Roll - Beispiel 4: "Der Re-Screen"


Also: Schaut genau hin, wenn ihr wieder „pick and roll“ hört. Ein guter Ballhandler liest das Verteidigungsverhalten und kann dadurch freie Würfe für sein Team kreieren.