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Koch-Schule

8. März 2017

Run and Jump – Das (un-)erwartete Doppeln

Stefan Koch

Von Stefan Koch

Ludwigsburg – Frankfurt, wer diese vorentscheidende Partie im Playoff-Rennen am Samstag verfolgt hat, dem ist sicherlich auch die Ludwigsburger Ganzfeldverteidigung mit Doppeln aufgefallen, die die Skyliners teilweise mächtig ins Schwitzen brachte. Diese Variante kennt man unter dem Namen Run and Jump und wird auch in der Euroleague von Darüssafaka Istanbul eingesetzt. Brose Bamberg hat bei der Hinrundenpartie am Bosporus damit keine guten Erfahrungen gemacht. Bevor ich auf jeweils zwei Situationen aus diesen Begegnungen näher eingehe, möchte ich kurz die Geschichte dieser Verteidigung erzählen.

Dean Smith, der mittlerweile verstorbene legendäre Coach der University of North Carolina, hat einmal erzählt, dass der Ursprung Run-and-Jump-Verteidigung auf einen Spieler namens Al Kelly zurückgeht. Smith war Anfang der fünfziger Jahre dessen Mannschaftskamerad an der University of Kansas, als der als besonders aggressiver Verteidiger geltende Kelly im Training einfach seinen Mann verließ und unvermittelt auf den Dribbler zulief. Während der Gegenspieler des Dribblers intuitiv Kellys Gegenspieler aufnahm, so dass eigentlich kein Doppeln stattfand, hat Smith diesen Ansatz später verfeinert.

Der Coach, durch dessen Hände Michael Jordan, Henrik Rödl und Ademola Okulaja gegangen sind, hat den Dribbler doppeln lassen und dann die weiteren Verteidiger zum Nachrotieren animiert. In diesem Moment verändert die Defense quasi ihren Charakter von einer Manndeckung zu einer Zonenpresse.

Wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus?

In der ersten ausgewählten Sequenz aus dem Spiel Darüssafaka gegen Brose Bamberg kann man die Prinzipien sehr gut nachverfolgen.

8350 Run-and-Jump, Szene 1

Zunächst einmal erkennt man eindeutig die Zuordnung Mann-Mann. Der Ball kommt zu Nikos Zisis, der von Birkan Batuk gedoppelt wird. Adrien Moerman rotiert zu Darius Miller und Marcus Slaughter zu Nicolò Melli. Der längste Pass zu Daniel Theis, weil schwer gegen ein Doppeln zu realisieren, bleibt offen, was natürlich auch mit einem gewissen Risiko verbunden ist.

In der nächsten Szene kann Maodo Lo den Ball noch weiterspielen, aber Scottie Wilbekin fängt den Pass zu Zisis ab, weil der Grieche auf das Spielgerät wartet, anstatt ihm ein wenig entgegen zu kommen.

8354 Run-and-Jump, Szene 2

Schauen wir nun auf die Ludwigsburger Defense gegen Frankfurt.

Die Skyliners lassen mit Kwame Vaughn einen Guard einwerfen, der den Ball zu Mahir Agva befördert. Agva begeht nicht den Fehler zu dribbeln. Ludwigsburg doppelt ihn trotzdem, was nach strenger Definition eigentlich kein Run and Jump ist. David McCray rotiert nach, überrascht Vaughn und verleitet ihn zum Schrittfehler.

8351 Run-and-Jump, Szene 3

Zu guter Letzt eine Situation, bei der der zweite nachrotierende Spieler den Steal bekommt. Kelvin Martin springt ihn den Pass von Niklas Kiel zu Quantez Robertson. Solche Ballgewinne sind gerade in knappen Partien (das Spiel endete 70:68) extrem wertvoll.

8353 Run-and-Jump, Szene 4

Am Samstag spielen die Schützlinge von John Patrick in Jena die nächste Schlüsselbegegnung im Playoff-Kampf. Schaut einmal genauer hin, wenn Cliff Hammonds und Co zum Doppeln gehen. Vielleicht könnt ihr die beschriebenen Elemente wiedererkennen.