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Koch-Schule

25. November 2016

Small Ball – Die kleine(re)n Formationen im Basketball

Stefan Koch

Von Stefan Koch

„I would give up some size to get more quickness.“  

Das ist kein Zitat von Steve Kerr, dem Head Coach der Golden State Warriors, der 2015 den NBA-Titel gewann, indem er seinen Center Andrew Bogut in der Finalserie aus der Startformation nahm und ihn durch den 1,96 Meter großen Andre Iguodala ersetzte. Vielmehr stammt dieser kluge Satz von John Wooden, der größten Trainerlegende überhaupt. Der „Wizard of Westwood“ gewann in den 60er und 70er Jahren 10 College-Meisterschaften mit UCLA. Seine Aussage beschreibt die grundlegende Idee des sogenannten „Small Ball“, einem aktuellen Trend im Spitzenbasketball. Mit Bamberg und Ulm frönen auch die beiden einzigen ungeschlagenen Teams der easyCredit BBL phasenweise diesem Ansatz.

„Small Ball“ kann unterschiedliche Gesichter und Ausprägungen haben, den Verzicht auf einen Center, den Einsatz eines Small Forwards als Power Forward oder das Agieren mit drei Guards. Diese Aspekte sind natürlich auch miteinander kombinierbar und verstärken dann noch den Effekt wie zum Beispiel bei einer Bamberger Aufstellung mit Strelnieks, Zisis, Caseur, Miller (Heckmann) und Melli. Oftmals geht „Small Ball“ einher mit schnellem Spiel und vielen Dreipunktewürfen.

In den achtziger und neunziger Jahren ging die Entwicklung teilweise in die entgegengesetzte Richtung. Es wurde versucht, viele deutlich über zwei Meter große Spieler für die Außenpositionen zu entwickeln. Toni Kukoc ist in diesem Zusammenhang ein gutes positives Beispiel. Aber oft genug haben die langen Leute außer einem halbwegs brauchbaren Distanzwurf keine Small-Forward-Fertigkeiten an den Tag legen können.

„Small Ball“ war lange Zeit nur ein Mittel, um bei größeren Rückständen am Ende des Spiels noch einmal einen letzten (verzweifelten) Versuch zu unternehmen, den Bock doch noch umzustoßen. Selbst Dirk Bauermann, der in seinen Bamberger Jahren ein klarer Verfechter eines physischen Halbfeldbasketballs war, griff in solchen Momenten zu dieser Variante.

Ich habe drei Szenen aus der letzten Euroleague-Partie von Brose Bamberg in Kaunas ausgewählt, um mögliche Optionen beim „Small Ball“ zu verdeutlichen.

Im ersten Beispiel spielt Bamberg mit drei Guards und Miller als Power Forward. Miller versucht, für den abrollenden Radosevic nach dessen Pick and Roll noch einen weiteren Block zu setzen. Dieser ist zwar ungenau, dennoch muss sein Gegenspieler kurz helfen und kann dann Miller beim Zug zum Korb nicht mehr kontrollieren. Normalerweise könnte die Verteidigung bei einem Block 4 für 5 switchen, aber in diesem Fall hieße das, ein Center müsste Miller übernehmen…

6208 | Small Ball: Miller attackiert

Im folgenden Angriff agiert Bamberg mit Theis als Center, der das Feld durch seinen Dreipunktewurf zusätzlich weit machen kann. Das schafft viel Platz für Penetration zum Korb. Miller penetriert, Causeur penetriert und dann noch einmal Miller. Die Verteidigung muss sich zusammenziehen und rotieren. Theis trifft den offenen Dreier.

6211 | Small Ball: Theis als Center

In der nächsten Sequenz spielt Bamberg mit Melli als Center, der nach dem Handoff und Block für Causeur nicht zum Korb, sondern zur Dreipunkte-Linie geht. Eine Option, die mit einem traditionellen Fünfer wie Radosevic nicht möglich wäre.

6214 | Small Ball: Melli als Center



Eine der größten Schwachstellen des „Small Ball“ ist der Rebound. In diesem Bereich hat Kaunas das Duell überdeutlich gewonnen. Es wäre aber falsch, dies primär auf die kleineren Bamberger Aufstellungen zurückzuführen, zumal die Franken damit nicht übermäßig lange unterwegs waren. Das Reboundproblem des Deutschen Meisters ist grundsätzlicher Natur.