easyCredit BBL Turkish Airlines EuroCup NBA

Bamberg - Oldenburg

11. Juni 2017

Spiel 3: Bamberg sweept sich zum Titel-Hattrick

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Sie sind noch immer die beste deutsche Basketballmannschaft: Auch im dritten Finalspiel der BBL setzt sich Bamberg gegen Oldenburg durch – und vollendet vier dominante Playoffwochen mit dem dritten Titel der Trinchieri-Ära. Alles Wichtige zum letzten Spiel der Saison. (Zum Gamereport)

2 3 96 88 76    
5 0 60 76 58    
  Serie Spiel 1 Spiel 2 Spiel 3    



Als die Bamberger Fans am Sonntagnachmittag ihre Choreografie entrollten, schallte die Titelmusik von Game of Thrones durch die Halle. Doch anders als in der amerikanischen TV-Serie, die besonders gerne mit unerwarteten Handlungssträngen aufwartet, blieb die Wende im Finale der Basketball Bundesliga aus. Auch im dritten Spiel setzte sich Bamberg gegen Oldenburg durch – und vollendete vier dominante Playoffwochen mit der nächsten Meisterschaft, der dritten in Folge und neunten überhaupt. 


Zum dritten Mal in Folge schon Turniersieger der Bundesliga: Die Reiter aus Bamberg.

Im letzten Spiel der Saison bemühten sich die Oldenburger, einen finalen Widerstand zu formieren. Mehr als 30 Minuten wehrten sie sich tapfer – obwohl Rickey Paulding, ihr Anführer, in der ersten Halbzeit nur einmal auf den Korb geworfen hatte. Erst im letzten Viertel knackte Bamberg die Oldenburger Rüstung. Dazu musste der Titelverteidiger nicht einmal seinen besten Basketball vorführen, denn irgendwann fehlten dem Herausforderer schlicht die Mittel und die Kraft.

9362 Brose Bamberg - EWE Baskets Oldenburg

Also nutzten beide Trainer die finalen Momente dieser Finalserie, um ihren Protagonisten einen letzten Applaus zu verschaffen. Andrea Tinchieri wechselte Zisis, Melli, Theis, Miller und Causeur, dem später der MVP-Titel verliehen wurde, aus. Auf der Oldenburger Bank erhielt Rickey Paulding Extra-High-Fives. Es waren noch 13 Sekunden auf der Spieluhr, da schüttelten sich Trinchieri und Oldenburgs Cheftrainer Mladen Drijencic die Hände – und beendeten damit offziell eine Serie, die eigentlich schon viel früher entschieden war.


Die Bilder der jubelnden Bamberger. Obwohl viele von ihnen solche Momente ja gewohnt sind, tollten sie wild umher. An der Bierdusche fanden sie besonderen Gefallen. Daniel Theis und Nicolo Melli weihten ihren französischen Mitspieler Fabien Causeur in diese Tradition ein. Es dauerte nicht lange, da hatte sich auf dem Parkettboden eine Zusatzschicht aus Bier und Konfetti gebildet.


Eine Dusche für den MVP: Nicolo Melli (rechts) und Daniel Theis überschütten Fabien Causeur mit Bier.

Diese Bilder werden im Gedächtnis bleiben, weil es sie so mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr geben wird. In dieser Konstellation wird diese Bamberger Mannschaft nämlich nicht mehr zusammenkommen. An Nicolo Melli, Daniel Theis, Darius Miller oder auch Janis Strelnieks sind die europäischen Spitzenklubs interessiert. Schon in den letzten Wochen hatten die Bamberger Verantwortlichen einen Umbruch vorausgesagt.

Am Tag des Triumphs meldete sich dann auch Brose-Boss Michael Stoschek zu Wort. "Ich glaube nicht, dass unser Team schwächer wird nächstes Jahr, wohl aber etwas kleiner", sagte er gegenüber Telekom Basketball. Es sei besser in Qualität zu investieren statt in Quantität.

Der vielleicht größte Qualitätsgarant wird jedenfalls in Bamberg bleiben. Stoschek verkündete, dass Trainer Andrea Trinchieri seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat. Der Italiener, der Bamberg in drei Jahren zu drei Meisterschaften geführt hat, sagte nur: "Heute will ich genießen."

9357 Michael Stoschek verkündet Vertragsverlängerung von Andrea Trinchieri


Die Art des Bamberger Basketball. Nachdem die Mannschaft sich ein wenig ungelenk durch die letzten Saisonwochen bewegt hatte, führte sie in den Playoffs vor, was in ihr steckt. Die Offensiv ist weiterhin eine wunderbare Verflechtung aus Screens, Penetrations und Pässen. Die Defensive erwürgte in der Finalserie die Angriffe der Oldenburger. Manche Fans bewog das dazu, Langeweile zu beklagen, doch hätten sich sie einfach an dem schönen Basketball erfreuen können.

Im dritten Jahr der Trinchieri-Ära haben sich die Abläufe weiter verfeinert. Viele der Spielzüge gleichen kleinen Kunstwerken. Das genügte nicht, um unter die Top-Acht Europas vorzustoßen, wohl aber, um die deutsche Konkurrenz vorzuführen. Den FC Bayern München besiegte man erneut in nur drei Spielen.

Der Bamberger Basketball hat in Deutschland Maßstäbe gesetzt. Schon bald warten auf ihn jedoch neue Herausforderungen. Die Euroleague wird Bamberg erneut 30 irre intensive Spiele abverlangen. Auch die Bayern werden im zweiten Jahr unter Aleksandar Djordjevic noch besser werden. Stillstand kann sich  also auch Trinchieris Bamberg nicht erlauben.


Auch wenn ein Sweep schmerzt: Oldenburg kann stolz auf diese Playoffs zurückblicken. Im Finale waren sie Bamberg einfach nicht gewachsen. Das wussten sie aber auch schon vorher. Selbst nach der Demütigung im ersten Finaltreffen konnten die Oldenburger schnell wieder grinsen. Sie fassten die Spiele als Zugabe auf.

Dass sie diese Bühne überhaupt betreten durften, war nämlich lange nicht abzusehen. In der Hauptrunde hinkte Oldenburg lange hinter den Erwartungen her. Doch in den Playoffs erledigten sie erst den Überraschungs-Vierten Bayreuth, dann die Rekord-Ulmer.

Der Kader erwies sich als Playoff-tauglich: Rickey Paulding brilliert noch immer. Chris Kramer und Brian Qvale bestätigten ihre Einstufung als sehr gute BBL-Spieler. Frantz Massenat entlastete das Trio, auch Dennis Kramer gefiel. Ähnlich wie Bamberg muss Oldenburg jedoch um seine Spitzenkräfte bangen. Chris Kramer und Brian Qvale sind begehrt. Immerhin: Klublegende Rickey Paulding wird weiter das gelbe Trikot tragen – und einen neuen Anlauf auf die BBL-Finals nehmen.