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Koch-Schule

21. Februar 2017

Switch-Verteidigung: Welche offensiven Mittel gibt es?

Stefan Koch

Von Stefan Koch

Switchen, Fastbreak, Transition-Defense, Pick and Roll, Pick and Pop…Pick und WAS? Der Basketballsport hat viele Ausdrücke, die vielleicht nicht jeder sofort einordnen kann. Stefan Koch, Kommentator bei Telekom Basketball und Trainer des Jahres 2000 und 2005, erklärt regelmäßig Basketball-Fachbegriffe und taktische Systeme. Heute: Was man in der Offensive gegen eine Switch-Verteidigung machen kann. 

Beachtlich viele Mannschaften switchen im modernen Basketball, sowohl bei Blocksituationen am Ball als auch vom Ball entfernt. Aber wie sieht es mit den offensiven Konzepten gegen diese Variante aus? Bei vielen Teams gewinnt man den Eindruck, dass sie keine klare Strategie dafür haben. Letztendlich können durch das Switchen zwei sogenannte Mismatches entstehen, bei denen Verteidiger dann Angreifer in Schach halten müssen, die ihnen gegenüber einen mehr oder weniger deutlichen Schnelligkeits- oder Größenvorteil besitzen.

Prädestiniert zum Switchen sind Mannschaften wie Brose Bamberg, das mit Nikos Zisis, Fabien Causeur und Jerel McNeal über große, physisch starke Guards und mit Nicolò Melli, Daniel Theis und Leon Radosevic über bewegliche lange Leute verfügt, die diese Vorteile der Angreifer nach einem Switch in überschaubaren Grenzen halten. In seiner Partie des 22. Spieltages musste der Deutsche Meister bei den Fraport Skyliners ran, die sich ihrerseits sehr häufig für das Switchen in Blocksituationen entschieden. Wir wollen nun einen näheren Blick auf entsprechende Szenen dieser Begegnung werfen.

Zunächst sehen wir, wie Frankfurt das Pick and Roll switched, aber Mellis Vorteil gegen Kwame Vaughn im Post durch das starke Doppeln von Mike Morrison neutralisiert.

8151 Szene 1: Starkes Doppeln von Morrison

Hier ist Vaughn aber völlig chancenlos gegen Radosevic, der eine ausgezeichnete Position findet, um seine Stärken einzusetzen.

8152 Szene 2: Vaughn chancenlos gegen Radosevic

Man kann natürlich anstelle des Größenvorteils  auch die Überlegenheit bei der Schnelligkeit in den Vordergrund stellen, so wie es hier A.J. English nach dem Switch gegen Theis versucht. Aber da Shavon Shields und Niklas Kiel die Zone okkupieren, anstatt das Feld weit zu machen, fehlt English der Raum und Theis und Zisis können sogar zurück switchen.

8153 Szene 3: Theis und Zisis switchen zurück

Auch wenn die sogenannten Mismatches einen guten (aber auch nicht immer leicht umzusetzenden) Angriffspunkt gegen das Switchen liefern, werden wir es trotzdem weiter häufig sehen. Zum einen eliminiert es die unmittelbare Gefahr, die aus der Blocksituation entsteht, zum anderen bewirkt die Shotclock von 24 Sekunden und die noch kürzere von 14 nach Offensiv-Rebounds, dass die Zeit die Mismatches zu finden und auszunutzen nicht übermäßig üppig ist. Entsprechend switchen viele Teams besonders gerne und effektiv im letzten Drittel der Angriffszeit.

Außerdem wird das Mismatch aus meiner Sicht vom offensiven Standpunkt her überschätzt. Permanentes Isolieren von solchen Konstellationen kann dazu führen, dass ein Team Rhythmus verliert. Außerdem gilt es abzuwägen, wie groß die Vorteile wirklich sind. Die Zeit der 1,75 Meter kleinen Spielmacher und 2,10 Meter langen und unbeweglichen Center ist vorbei. Bereits vor 30 Jahren formulierte der damalige Head Coach der University of Ilinois, Lou Henson, seine Vorstellung einer idealen Line-up so: Fünf Athleten zwischen 1,95 und 2,05 Meter. Dort sind wir noch nicht ganz angekommen, aber der Weg ist vorgezeichnet.