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Körners Corner

18. Oktober 2016

The sky is the limit: Das wird einer!

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Ein Jahrhundertalent! Das größte Talent in dieser Sportart! Einer unter einer Million! Der nächste Nowitzki! Beobachter sind mit Superlativen schnell bei der Hand. Wie gut sind junge Talente wirklich? Und wie viel macht der erste Eindruck aus? Michael Körner schwelgt in Erinnerungen.

Ich glaube nicht an Gott. Mit Religionen habe ich generell ein Problem. So viel Elend im Namen von wem auch immer über so viele Jahrhunderte. Schrecklich.

Aber ich glaube an Daniel Theis.

2002 war ich als Kommentator beim Tennisturnier in Stuttgart-Weißenhof. Ich schlendere so über die Anlage und schaue Spielern beim Training zu. Da sehe ich einen jungen Burschen, der mit einer derartigen Intensität auf den Ball eindrischt, man kann gar nicht anders als stehenbleiben und zuschauen. Der Junge prügelt die Bälle förmlich übers Netz. Mit einer unglaublichen Präzision klatscht der Filz auf die gegnerische Grundlinie. Zentimetergenau. Patsch. Patsch. Patsch. Zwanzigmal. Dreißigmal. Ich schau mir den Typen genauer an. Nie gesehen. Verdammt jung. Ich erfahre, dass es sich um Rafael Nadal handelt. 16 Jahre alt. Von der Sekunde an war mir klar, das wird einer. An den glaube ich.

Ich habe mich schon immer gerne beim Sport-Nachwuchs umgeschaut. Frühzeitig diese besonderen Wunderkinder erkennen und dann auch weiter verfolgen, das finde ich spannend. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass man sich gerne die eigene mögliche - aber natürlich nie zustande gekommene - Karriere zusammenbastelt. Was wäre gewesen, wenn man eifriger trainiert hätte, bei einer Sportart geblieben wäre? Wenn die Eltern nicht so verflixt tolerant gewesen wären?

Jedenfalls sieht man ab und an Sportler, bei denen man denkt: Okay, das wird in jedem Fall einer. Das muss dann natürlich nicht so kommen.

Beim Tennis ging mir das bei Max Mirny so. Den habe ich in seinen jungen Jahren bei einem Turnier gesehen und war felsenfest davon überzeugt, dass er niemals in seinem Leben ein Aufschlagspiel verlieren wird. Es reichte (im Einzel) jedoch nur zu einem Titel und zu Platz 18 in der Weltrangliste. Aber was für ein Aufschlag!
Gelegentlich ist auch die Fanbrille etwas hinderlich. Als "Heuboden-Maniac" bei Heimspielen des Hagener Bundesligisten SSV Hagen in den 80er Jahren war ich selbstverständlich der Meinung, dass "Shorty" Hillebrand der beste Point Guard aller Zeiten sei und seine nur einmalige Nominierung für das DBB-Team (1982!) die grausamste Fehlentscheidung in Nachkriegsdeutschland. Weil das hier meine Corner ist: Shorty, mit diesem Bild folgt die späte Ehrung: Danke für alles!

Bleiben wir bei den Helden.

Dirk Nowitzki habe ich zu seiner Würzburger Zeit nicht live erlebt. Und in seinem ersten NBA-Jahr war auch noch nicht unbedingt zu erkennen, dass da eine Legende heranwächst. Bei LeBron James war das schon in seiner frühen Jugend vorgegeben, man konnte ihn nicht so richtig entdecken, er ist ja bereits mit ordentlich Tamtam in die NBA gekommen. Eine Offenbarung war er trotzdem: 2007 stand ich das erste Mal neben ihm. NBA-Finals Cleveland gegen San Antonio. LeBron war damals 23. Ich habe noch nie einen gewaltigeren Menschen gesehen. Offiziell ist er 2.03m, für mich wirkte er wie 3.50m. Eine Kante, ja Wahnsinn. Wann immer sich von da an ein Verteidiger in seinen Weg stellte, zollte ich dem tapferen Gegner höchsten Respekt.

Nun also Daniel Theis. Ich erlebte ihn 2012 erstmals live, also schon nach seiner Braunschweiger Zeit. Es war seine erste Saison in Ulm. An den Gegner kann ich mich nicht erinnern, ich habe sowieso nur auf Theis geschaut. Diese Kombination aus extremer Athletik, einem guten Wurf und Größe (2.04m) hatte ich zuvor bei einem deutschen Spieler noch nie gesehen. Fortan erzählte ich jedem, der es nicht wissen wollte, dass Theis sehr bald NBA spielen wird. Jetzt ist es 2016, Theis spielt bei einem der besten Vereine in Europa und er steigert sein Niveau nach wie vor. Vermutlich hat er nicht den Nadalesquen oder LeBronschen Ansatz, unbedingt die Nummer Eins über einen unfassbar langen Zeitraum werden zu wollen. Er ist jetzt 24, vor ihm liegt das wichtigste Jahr seiner Karriere. Ich verfolge ihn weiter, ich mag seinen Weg. 

Bei Maxi Kleber ergeht es mir ähnlich. Als ich ihn in seinerm Rookie-BBL-Jahr in Würzburg zum ersten Mal sah, stand mein damaliger Kollege Stephan Baeck neben mir. Er knufft mir seinen Ellebogen in die Rippen und nuschelt kaum hörbar: "Nowitzki!" Dabei nickt er Richtung Kleber und hebt wissend die Augenbrauen. Im Basketball-Sprachgebrauch bedeutet "Nowitzki" unter anderem: Sehr groß, ein Handgelenk von Gott der Natur mit ungewöhnlicher Zartheit ausgestattet und ein Albtraum für die gegnerische Defense. Auch wenn er ein paar Zentimeter kleiner ist als Nowitzki (2.13m), Maxi Kleber (2.07m) hat eine fantastische Veranlagung. Aber durch Verletzungen wurde er leider auch immer wieder zurückgeworfen. Und ich wiederhole mich gerne: Er ist jetzt 24, vor ihm liegt das wichtigste Jahr seiner Karriere. 

Ein hervorragender Fundort für mögliche Basketball-Stars von morgen ist das Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim. Alle zwei Jahre findet es statt, es gilt als inoffizielle U18-Weltmeisterschaft.  Dieses Jahr wollte ich mich davon überzeugen, dass ER wirklich so stark ist wie alle sagen. Isaac Bonga, ein 16-jähriger 2.03m großer Guard/Forward. Leider war er verletzt.

Vergangene Woche hat er für die FRAPORT SKYLINERS seine ersten Punkte in der easyCredit BBL erzielt. Ich hab mir die Szene rauskopiert und abgespeichert. Sie könnte für spätere Geschichtsvideos (früher sagte man Geschichtsbücher) wertvoll sein.

Was ist denn das bitte für ein Talent? Wow!

So spannend es ist, die jungen Jahrgänge zu verfolgen, so schwermütig wird man bei dem Gedanken, wie die Zeit verfliegt. Bonga ist Jahrgang 1999. Das ist doch gerade mal ein Doppeldribbling her!

Wie sagt Mama immer. Wir werden alle gleich älter.

Naja, nicht ganz. Scarlett Johansson natürlich nicht. Sie ist bekanntlich kein normaler Mensch.

Eher die Reinkarnation des Paradieses. Eine Göttin. An sie glaube ich. Oh, Mist.