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Koch-Schule

8. Dezember 2016

Time-Out-Management – wie Coaches ticken...

Stefan Koch

Von Stefan Koch

„Verdammt, am Ende hätte ich noch eine Auszeit gebraucht.“
„Wieso habe ich im zweiten Viertel nicht den Lauf des Kontrahenten mit einer Auszeit gestoppt?“


Neben den Ein- und Auswechslungen hinterfragen Coaches wohl nichts häufiger als ihr Auszeitenmanagement. Zumal es im modernen Basketball deutlich mehr Anlässe gibt, das eigene Vorgehen kritisch zu beleuchten. Früher gab es nur zwei Auszeiten pro Halbzeit und keine Sonderregel wie den Einwurf im Vorfeld nach einer Timeout in den letzten beiden Minuten. Da führt eine Mannschaft mit einem Punkt, hat die ganze Partie über hart für diesen minimalen Vorsprung gearbeitet und dann überbrückt die andere Mannschaft 20 Meter Land ohne dass die Uhr läuft, weil sie eine Spielunterbrechung beantragt hat!? Sicherlich spannend für die Zuschauer, mit dem Fairnessgedanken im Sport aber nur sehr begrenzt vereinbar. Da kommt der Purist in mir durch, der das als ein Spiegelbild gesellschaftlicher Fehlentwicklungen sieht, und mit ihm die Gefahr, dass ich das eigentliche Thema aus den Augen verliere. Also, ruhig Brauner!

Wie sehr willst Du dich denn erst echauffieren, wenn Du die Auszeitensituation in der NBA oder im College betrachtest, wo die Begegnung bei Verzicht der Coaches auf Auszeiten durch das Diktat der Fernsehwerbung mit „Pflichttimeouts“ unterbrochen wird? Der wahre Sport verkommt zur Ware Sport in unserer Konsumgesellschaft. Das war jetzt das letzte Abdriften, versprochen.

In der easyCredit-BBL verfügt jeder Coach über zwei Auszeiten in der ersten und drei in der zweiten Halbzeit. Sehen wir von den Timeouts am Ende der Partie ab, dann bitten die Übungsleiter ihr spielendes Personal in der Regel zum Gespräch, wenn es beim eigenen Team im Gegensatz zum Kontrahenten eher bescheiden läuft. Ist man im ersten und im dritten Abschnitt kurz vor der Viertelpause, riskiert es ein Coach auch schon einmal, auf die gefühlt notwendige Auszeit zu verzichten, weil er weiß, dass zeitnah eine „kostenlose“ Gesprächsmöglichkeit wartet.

Im Prinzip versucht natürlich jeder Trainer, in knappen Spielen zumindest eine Auszeit für die Schlussphase aufzusparen, um nach einem gegnerischen Korberfolg das Spielfeld ohne Zeitverlust zu überbrücken und/oder einen Spielzug für den letzten Wurf aufzumalen.

In der Partie in Jena nimmt der Bayreuther Coach Raoul Corner 13,6 Sekunden vor dem Ende nach dem Ausgleich der Gastgeber die Timeout. Der Ball geht in die Hände von Nate Linhart, dem Spieler, der am besten kreieren kann. Linhart findet Kyan Anderson, der gegen gut verteidigende Jenaer den schweren Wurf zum Sieg trifft.

6541 | Time-Out-Management: Anderson mit dem Game Winner

Beim Euroleague-Sieg in Tel Aviv haben die Bamberger nur noch 2,7 Sekunden beim Seiteneinwurf für einen Abschluss. Der in der Auszeit besprochene Ablauf generiert einen freien Dreier für Nicolò Melli.

6544 | Time-Out-Management: Melli mit dem Quick Hitter

Diese Situation belegt, wie wichtig es ist, dass die Coaches in Auszeiten sogenannte „quick hitter“ für die Einwürfe parat zu haben, denn manchmal sind es die letzten 2,7 Sekunden der Partie bei einem Punkt Rückstand…